Er trug längeres Haupthaar als die meisten und verdeckte seine Mundpartie mit einem exzentrischen Bärtchen. Frank Zappa (1940–1993) war Bürgerschreck in den Sechzigerjahren, später Lieblingsfreak des Feuilletons. Wegen seiner collageartigen Musik, wegen seiner bisweilen derben Scherze, vielleicht auch weil er in den Jahren, als sogar die bürgerlichen Beatles mit Drogen experimentierten, alle bewusstseinsverändernden Substanzen strikt ablehnte. Seine notenbiegende Rebellion führte er mit klarem Kopf. Einzig auf schwarzen Kaffee und Tabak, den er sein Lieblingsgemüse nannte, wollte er nicht verzichten. Sein grimmiger Humor und seine klugen Bonmots („Politik, das ist doch nur die Unterhaltungssektion des militärisch-industriellen Komplexes“) überlebten eine Zeit lang besser als seine Musik. Das scheint sich jetzt zu ändern. Zappas gesamter Katalog wird derzeit in bestechender Tonqualität wiederveröffentlicht. Darunter „Hot Rats“, sein bahnbrechendes Jazzrockalbum von 1969.
Zappa machte sich ja jedes Genre untertan, von Doowop bis Funk, von Rock bis Musique concrète. Nur beim Jazz hat man’s verdrängt, schließlich hat Zappa diesem Genre böse Sprüche zugeeignet: „Jazz is not dead, it just smells funny“ und „Jazz, the music of the unemployment“. Doch er selbst baute in seine Musik Improvisationselemente ein wie kein anderer populärer Rockmusiker. Und „Hot Rats“, das knapp vor Miles Davis’ „Bitches Brew“ veröffentlicht wurde, gilt heute als erstes Jazz-Fusion-Album. Inspiriert war es von einem gemeinsamen Auftritt von Zappa und dem legendären Jazzsaxofonisten Rahsaan Roland Kirk. Mit im Studio waren Granden wie Sugar Cane Harris und Jean-Luc Ponty an den Violinen, Shuggie Otis und Lowell George an den Gitarren; der raukehlige Captain Beefheart sang das bluesige Titelstück „Hot Rats“ in der Manier eines Howlin’ Wolf. Highlight des störrisch groovenden Albums ist das epische „The Gumbo Variations“: Die vitaminreichen Soli dieses auf funky Offbeats basierenden Stücks teilen sich Ian Underwood am Saxofon, Harris an der Violine und Zappa an der E-Gitarre. Ihr Zusammenspiel klingt, als gehorche es einer höheren, wüsten Ordnung. Vielleicht einer wissenschaftlichen? Immerhin ist Zappa bei Astronomen, Genetikern und Biologen beliebt: Nach ihm sind ein Gen und ein Asteroid, eine Spinne, ein Weichtier und ein Fisch benannt. Höchste Zeit, auch seine Musik wiederzuentdecken.
Riecht das komisch?
24.10.2012 | 16:30 | von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)
Frank Zappas Gesamtwerk wurde neu aufgelegt.
TIPP
„Hot Rats“ (1969), das erste Jazz-Fusion-Album der Musikgeschichte.
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