„Dalida“: Tanzen und Weinen

KritikDie Filmmusik zu „Dalida“ vereint Liebe und Drama.

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Ihr von einer weißen, lebensgroßen Skulptur geziertes Grab im Cimetière de Montmartre zählt zu den beliebtesten Pilgerstätten im an mondänen Toten gar nicht armen Paris. Dalida, die große Tragödin des Chansons, eine in Kairo geborene Tochter eines italienischen Violinisten, wurde durch das derzeit in den Kinos laufende Biopic der französischen Regisseurin Lisa Azuelos auch ins Bewusstsein der Nachgeborenen katapultiert. Die mit 54 Jahren durch Freitod aus dem Leben Geschiedene war indes nicht nur eine tragische Chansonnière, sondern auch eine lebenslustige Frau, die mit ihrer frühen Hinwendung zum Genre Disco Pionierarbeit in Frankreich geleistet hat.

Der als Doppelalbum vorliegende Soundtrack zum Film, der auch Instrumentals und Chansons von Kollegen enthält, ist in erster Linie eine Einführung in das heterogene Werk Dalidas. Diese gewisse Zerrissenheit zwischen Lebenslust und Lebensmüdigkeit war quasi ihr Markenzeichen. Nachgerade ideal ist sie im von einem Discobeat vorangetriebenen Chanson „Mourir sur Scène“ gefasst. In diesem schwungvollen, von süßen Geigen verzierten Lied lockt sie den Tod. Der Vorhang solle fallen, wenn sie nicht allein ist, bittet Dalida. „Moi qui ai tout choisi dans ma vie, je veux choisir ma mort aussi“ haucht sie den imaginierten Schnitter an. Sie, die alles im Leben wählen durfte, wollte (in diesem Chanson, wie später im Leben) auch Regisseurin ihres Todes sein. Das präferierte Szenario? Schmerzlos vor ihrem Publikum zu sterben, war ihr allerdings nur in diesem Chanson gegönnt. „Moi je veux mourir sur scène, devant les projecteurs, oui je veux mourir sur scène, le cœur ouvert tout en couleurs, mourir sans la moindre peine.“

„Dalida – Original Soundtrack“: Chansons von Dalida und Kollegen.
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„Dalida – Original Soundtrack“: Chansons von Dalida und Kollegen.
„Dalida – Original Soundtrack“: Chansons von Dalida und Kollegen. – (c) Beigestellt

Pathos und Verheerung. Die Vibrationen ihres offenen Herzens, das in allen Farben strahlt, dominieren viele andere ihrer emotionalen Lieder. Vor allem, wenn sie, die drei Geliebte in den Selbstmord getrieben hat, das Pathos der Liebe beschwor. „Wir waren jung und glaubten an den Himmel“ flötete sie in „Le Temps des Fleurs“. Die fleischliche Seite der Liebe pries sie in „Je Me Sens Vivre“. „Mein Körper ist dazu da, um mit dir zu schlafen“, hieß es da gar. Ein Highlight ist auch ihre intensive Lesart von Leo Ferrés „Avec Le Temps“, dem wohl schönsten und poetischsten Chanson, das die Verheerungen thematisiert, die das Fortschreiten der Zeit so mit sich bringen. Mit der beseelten Intonation ihrer Oldies von „Bambino“ bis „Un Po D‘Amore“ begeistert Dalida gerade heute, wo in der Liebe das Drama meist ausgespart bleibt. (Barclay/Universal)

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