Es ist ein dramatisches Finale, in das der Song „Vater“ mündet: ein wildes Aufbrausen von Streichern und Bläsern, schrilles Pfeifen, Festplattendröhnen, nervöse Beats. Eindringlicher sind aber die viereinhalb Minuten zuvor, in denen Anja Plaschg alias Soap&Skin nur zum klaren Klavier den Verlust eines geliebten Menschen beklagt.
Plaschg stellt dieses einzige deutschsprachige, ihrem 2009 verstorbenen Vater gewidmete Stück an den Anfang ihres zweiten Albums „Narrow“. Ob es die seit ihrem erfolgreichen Debüt „Lovetune for Vacuum“ anhaltende Diskussion, wie „echt“ ihre Introspektionen, ihr in Songs gebannter Schmerz denn seien, beeinflussen wird? Es lässt jedenfalls, wie so mancher der folgenden sieben Songs, den Atem stocken. Etwas spröder als das Debüt, aber mit kräftigerer Stimme, zeigt „Narrow“ Soap&Skin auf der Höhe ihrer Kunst: der emotionalen Überwältigung. Beim elektronischen Albtraum „Deathmental“ gleichfalls wie beim bisweilen zärtlichen „Wonder“.
Soap&Skin - "Narrow"
09.02.2012 | 15:26 | von Holger Fleischmann (Die Presse - Schaufenster)
Überwältigung
TIPP
Soap&Skin - "Narrow" (Solfo/Hoanzl)

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