Dem Pianisten Otmar Binder ist nicht sehr darum, im Scheinwerferlicht zu stehen. Lieber glänzt er abseits der Spots, indem er Theatergrößen wie Michael Heltau zu stets neuen Bestleistungen verlockt. Nun hat Binder drei Jahre nach seinem schönen Chanson-Pop-Album „Dabei“ doch wieder einmal etwas solo veröffentlicht. Diesmal beschäftigt ihn der Boogie Woogie, ein steinalter, oft schmerzhaft repetitiver Stil, der locker auch langweilen könnte.
Nicht so auf diesem, eine erstaunliche Herrgottsruhe ausstrahlenden Werk, bei dem auch der gefeierte, britische Pedal-Steel-Gitarrist BJ Cole auf einigen Nummern mitspielt. Binder lockt in intim schummernde, musikalische Ecken, vermeidet die Notenschleuderei, die bei sportlicheren Pianisten dieses Genres meist so langweilt. Im Zentrum stehen der zärtlich zu nennende Anschlag Binders und der zart brummelnde Bass Alexander Lackners. Einmal darf auch Orgelgroßmeister Geri Schuller zart wimmern lassen. Delikat!
"Boogiewoogie Turnaround"
14.06.2012 | 17:36 | von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)
Zeitlupengaloppierer
TIPP
Otmar Binder Trio feat. BJ Cole - "Boogiewoogie Turnaround" (Preiser)

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