20.05.2013 04:14 Merkliste 0

Bob Dylan: Die Stadt ist gut, die Stadt ist böse

08.09.2012 | 18:05 |  Thomas Kramar (Die Presse)

Meisterwerk: 50 Jahre nach seinem Plattendebüt hat Bob Dylan (geboren 1941 in Duluth) das Album „Tempest“ veröffentlicht. Der Titelsong behandelt den Untergang der Titanic.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

„Scarlet Town“. Viele Sänger singen über ihre Heimatstadt, das kann ziemlich trivial sein. Hier nicht. „In Scarlet Town where I was born“, singt Bob Dylan zwar, aber das ist kein Satz aus seiner Biografie, das ist ein Zitat – aus dem britischen Volkslied „Barbara Allen“, in dem ein Jüngling ob seiner unglücklichen Liebe stirbt und die Geliebte gleich auch. Davon ist bei Dylan nicht die Rede, aber von einem Idyll mit fadenscheinigen Seiten: In seiner Scarlet Town ist der Himmel klar und das Gold billig, aber Uncle Tom arbeitet dort noch immer für Uncle Bill, es weht ein eisiger Wind, und man bekämpft die Feinde „with whiskey, morphine and gin“. Und lange geht das alles sowieso nicht mehr: „In Scarlet Town the end is near.“ Dylan, begleitet u.a. von einer wehmütigen Geige, singt all das mit der zartesten, innigsten Stimme, die ihm zur Verfügung steht, als wolle er wie weiland Abraham den Schöpfer um Gnade für die Stadt bitten, in der „the evil and the good live side by side“. Ein Song als verhindertes Strafgericht.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L'Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Ausgewählt

  • Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar (''Die Presse'') und Philipp L'Heritier (Radio FM4, fm4.orf.at/philipplheritier).

    Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

Platten der Woche