„NYC“. Nein, ich war noch niemals in New York, aber ich kenne die Sehnsucht nach dieser Stadt. Ich weiß nicht, ob der englische Musiker namens Brolin schon in New York war (ich nehme schon an), aber er kennt sie auch, die Sehnsucht. Das hört man in seinem Track „NYC“, für dessen Video er alte Schwarz-Weiß-Bilder (siehe rechts) zusammengeschnitten hat. Der dumpfe Beat, den Kenner vielleicht als „Post-Dubstep“ beschreiben, wird durch schlichte, doch entschlossene Klavierakkorde und seltsam anmutiges Xylofon-Geklimper konterkariert. „Life is short, even when you're ten feet tall“, singt ein Mann mit tief bedrückter Stimme, um im Refrain ins entrückte Register zu wechseln: „All I see is the place I have to be.“ Dann hört man sanft zerberstendes Glas – wir wissen: „Broken glass everywhere...“ So ist das in der mythischen Fremde: träumerisch, traumatisch.
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L'Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)


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