19.05.2013 17:13 Merkliste 0

Flying Lotus: In einer Werkstatt der Angst

27.10.2012 | 18:02 |  Thomas Kramar (Die Presse)

Hypnotiseur: Flying Lotus, geboren 1982 in Los Angeles, der Großneffe von Alice Coltrane, ist DJ und Elektronikmusiker. Vor Kurzem ist sein viertes Album „Until The Quiet Comes“ erschienen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

 „Electric Candyman“. Dieser Song wohnt in einer unaufgeräumten Werkstatt. Überall knistert elektrostatisch aufgeladener Staub; wo man auch hinsteigt, tritt man auf ein Perkussionsinstrument. Aus diesem Chaos wächst ein – mehr gefühlter als wirklich gespielter – Rhythmus, durchaus vergleichbar mit dem Puls, den Freejazzer fühlten und spielten, als die Großtante des Mannes, der sich Flying Lotus nennt, noch jung war. Doch die Atmosphäre ist nicht die eines Aufbruchs, sondern klaustrophobisch, ängstlich. Dazu passt die Stimme eines Mannes, dessen Band Radiohead der Klaustrophobie und der Angst im Pop einen neuen Ausdruck verliehen hat: Thom Yorke, begleitet von zerrissenen Echos, flüstert etwas über einen Spiegel, in den er starrt. Wer ist der „Electric Candyman“, den er dort sieht? Ist er es selbst? Ein unheimlicher Verführer jedenfalls.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Ausgewählt

  • Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar (''Die Presse'') und Philipp L'Heritier (Radio FM4, fm4.orf.at/philipplheritier).

    Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

Platten der Woche