Keine harmlose Popnummer: "White Lies"

Alice Glass war Sängerin des Elektronik-Duos Crystal Castles. Nun ist ihre erste Solo-EP erschienen.

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In diesem Song staubt es. Und es ist kein gemütlicher Lurch, sondern so giftiger wie scharfer Glasstaub, der bedrohlich in der Atmosphäre schwebt, sirrend und knirschend, noch bevor Alice Glass anfängt. „Tell us stories, so we don't have to think about it“, singt sie, so kindisch und lieb, dass es unheimlich ist; ihr antwortet wahnsinniges Gekreisch: „Give me white lies! Give me one more lie!“

Was sind das für Stimmen? „This is not the voice in my head“, erklärt Alice Glass, fast schon beruhigend, im Refrain, doch das Spiel mit der Angst, mit den Notlügen geht weiter, angetrieben durch stolpernde, an sich selbst zerschellende Rhythmen. Nach kaum drei Minuten lauten die letzten Zeilen: „You're depraved, soak into the bone, god forgave, wash away what's left of my blood.“ Nein, das ist kein Avantgarde- Stück, sondern eine kompakte, griffige, eingängige Popnummer. Aber durchaus keine harmlose.

Alice Glass, als Margaret Osborn 1988 in Toronto geboren, war Sängerin des Elektronik-Duos Crystal Castles. Nun ist ihre erste Solo-EP erschienen.



Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L'Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

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