Bonnie "Prince" Billy: Gottesleugnung als Gotteslob

Kluger Sonderling: Bonnie "Prince" Billy ist (wie Palace Brothers) ein Künstlername des 1970 in Kentucky geborenen Alternative-Country-Sängers Will Oldham.

Bonnie Prince Billy Gottesleugnung
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Bonnie Prince Billy Gottesleugnung
(c) Domino Recording Co

„There Is No God“. Mit der Präambel „May god forgive me“ beginnt das beschwingte „There Is No God“, und der zweite Song auf der Single heißt „God Is Love“. Es gibt keinen Gott, singt Bonnie „Prince“ Billy mit kunstvoll entgleisender Stimme, fröhlich wie nie zuvor: Es gibt keinen Gott, außer den, der die Zunge umgibt, der Liebe im Brustkorb sieht, der Münder auf Genitalien fügt. Es gibt kein Gebet, heißt es in der zweiten Strophe, außer jenes, das lachend gesungen wird, das liebend geäußert wird oder durch knirschende Zähne. Nein, das ist kein atheistischer Song, das ist ein Spiritual. Ein seltsames Spiritual, gewiss, von obszöner Tiefe. Der Gott, den der Chor jubelnd leugnet, ist für den Sänger höchst lebendig, steckt im Leben selbst. Der Song endet mit einer aufgekratzten Fiedel. Wer ihn kauft, hilft damit übrigens den Opfer der Ölpest im Golf von Mexiko.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr auf FM4.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2011)

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