Soap & Skin: Vor dem Sarg des Vaters

Große Tragödin: Anja Plaschg, geboren 1990 im oststeirischen Dorf Gnas, tritt seit dem Jahr 2008 als Soap & Skin auf. Nach „Lovetune For Vacuum“ aus dem Jahr 2009 erscheint nun ihr zweites Album „Narrow“.

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(c) Play It Again Sam (rough trade)

Soap & Skin: „Vater“. Wenn man aus den acht Stücken dieses großen Albums dieses wählt, macht man's sich leicht und schwer zugleich: Hier dringt Anja Plaschg ins Innerste und damit Äußerste ihrer radikal subjektiven Kunst. Es ist eine Meditation vor dem Sarg ihres Vaters, der vor drei Jahren gestorben ist. „Wo immer ich aufschlage, find ich dich“, singt sie zu verzweifelt klassischem Klavier: „Ich trinke auf dich Dutzende Flaschen Wein, und will doch viel lieber eine Made sein.“ Für immer Tochter, wartet sie auf die Heimkehr des toten Erzeugers und fleht doch: „Bitte schlag dich aus meinem Kopf, meinem Haus, wie sonst halte ich den Graus aus?“ Das Himmelszelt möge unter ihm zusammenfallen, ruft sie, während eine Kapelle zwischen Kirtag und Leichenzug die Abgründe zwischen den Stufen der Tonleiter sucht. Ihr bricht die Stimme. Man hört es und ist fassungslos. Thomas Kramar

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.DiePresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

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