„1 Out Of 2“. Man weiß es ja seit Langem, aber es ist doch immer wieder frappierend: wie hemmungslos diese Franzosen im Umgang mit der Popgeschichte sind, wie unverschämt sie uncool zu cool, peinlich zu hip erklären, als ob's das erste Mal wäre. Nur konsequent, dass sie von der Ära zehren, als diese Umkehrungen wirklich das erste Mal passierten: den Siebzigerjahren. Dieser zauselbärtige Weichlederjackenträger, gut bekannt mit den Hardrock-Schnöseln von Justice, etwa geniert sich ganz und gar nicht, ein Klavier die Synkopen hämmern zu lassen wie einst Supertramp (oder, wenn jetzt schon alles egal ist: wie Sailor). Dazu tut ein Gitarrist das, was man unter Gänsefüßchen als „solieren“ bezeichnet, und die Geigen schluchzen wie einst im guten alten Philadelphia, der Stadt der brüderlichen Liebe... „Sometimes I wish it was only a dream“, gesteht der Sänger, aber das ist es doch, oder?
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L'Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 und 17 Uhr auf FM4.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)


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