Noch sind die Salzburger Festspiele offiziell nicht eröffnet, aber bereits im Gange – mit der von Intendant Alexander Pereira kreierten „Ouverture spirituelle“. Im jährlich wechselnden Vergleich mit den musikalischen Traditionen der großen Weltreligionen will man sich auf das jeweils folgende Festspielprogramm einstimmen.
Schon die bisherigen Veranstaltungen dieser Reihe zeigen, wie sehr die Idee angenommen wird, selbst bei unkonventionellen Programmen wie zuletzt beim zweiten der drei Gastspiele des Israel Philharmonic Orchestra. Schließlich geht es bei der Ouverture heuer neben katholischer und evangelischer Sakralmusik um jüdische Musik. Sie war hier mit Ernest Blochs „Avodath Hakodesh“ vertreten, einem von der Liturgie des Sabbatmorgens inspirierten fünfteiligen Zyklus, der – so auch der Komponist – durchaus als Oratorium gesehen werden kann.
Jahrelang hatte der aus der Schweiz stammende, in seiner Heimat als Komponist, in Brüssel als Geiger ausgebildete Bloch Zeit, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Wie sehr er damit recht hatte, dass der „Gottesdienst“ für Bariton, Tenor, großen Chor und Orchester weit über den eigentlichen Anlass hinaus gegangen sei, dass er vielmehr ein „Poem zu einer Glorifizierung der Gesetze des Universums“ geschaffen habe, bestätigte die emotional dichte, exzellente Aufführung dieses spätromantisch-expressiven Opus im Großen Festspielhaus.
Innerlichkeit und Bombastik
Zubin Mehta führte sein Israel Philharmonic Orchestra und „The Collegiate Chorale“ aus New York virtuos durch die zwischen Innerlichkeit und Bombastik changierende Partitur. Er war seinen beiden Solisten ein ideal auf sie hörender Partner – auch dem als subtiler Deklamator geforderten Tenor Carl Hieger, vor allem aber Thomas Hampson. In exzellenter Form feierte der ein umjubeltes Comeback bei den Festspielen.
Jubel auch schon vor der Pause, bei Beethovens auch als „Emperor Concerto“ bekanntem fünften Klavierkonzert. Majestätisch die Einbegleitung, pastorale Züge bestimmten den vermutlich von Wallfahrtsgesängen inspirierten zweiten Satz. Das Finale nimmt bereits jene apotheotischen tänzerischen Züge vorweg, die man aus Beethovens knapp später entstandener siebenter Symphonie kennt. Ganz aus dieser Dialektik interpretierte Rudolf Buchbinder, ideal von Mehta und seinen Musikern assistiert, mit gewohnter technischer Brillanz und klug differenzierter Anschlagspalette dieses Es-Dur-Konzert.
Nach Jahren kehrte Buchbinder als Festspielkünstler an die Salzach zurück. Da war es legitim, dem Applaus des Publikums mit einem Encore zu danken: mit dem ebenso impulsiv gedeuteten Finalsatz aus Beethovens „Pathétique“.
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