Nicht mehr ganz so gut gelaunt wie beim Gespräch im Frühsommer wirkte Festspielintendant Alexander Pereira diese Woche beim „Presse"-Interview. Immerhin, von Rücktritt ist nicht mehr die Rede.
Die Planung für die nächsten beiden Jahre steht fest. Im Residenzhof, der heuer bei „Zauberflöte II" zu 98 Prozent ausgelastet war, wird 2013 Shakespeares „Sommernachtstraum" mit Mendelssohns Musik gespielt. Schauspieldirektor Sven-Eric Bechtolf, der heuer mit der „Ariadne" einen großen Erfolg hatte, inszeniert die drei Da-Ponte-Opern von Mozart, beginnend mit „Così fan tutte" 2013, es folgen „Don Giovanni" (mit Simon Keenlyside) und „Figaro". Franz Welser-Möst wird bei allen drei Opern die Wiener Philharmoniker dirigieren. Pereira verspricht ein Salzburger Mozart-Ensemble, in dem Sänger in verschiedenen Partien auftreten. Stars müssen sein, sagt er, aber er schaut sich auch bei den Jungen um, z. B. beim Salzburger Young Singers Project. Die großen Mozart-Opern seien für Salzburg Pflicht, Pereira reagiert grantig auf deutsche Kritiker, die „Schon wieder!" rufen bei „Zauberflöte", „Figaro" & Co., er wird aber auch die weniger bekannten Werke pflegen.
Absage ans deutsche Regietheater
Vier Kompositionsaufträge wurden vergeben, an György Kurtág, Marc-André Dalbavie, Thomas Adès und Jörg Widmann.
Ferner werden die 200. Geburtstage von Wagner und Verdi gefeiert: Neben „Don Carlo" gibt es „Falstaff" mit Zubin Mehta (Regie: Damiano Michieletto). Stefan Herheim bringt Wagners „Meistersinger" heraus, am Pult: Daniele Gatti. „Jedermann" wird neu inszeniert, wobei der ins Gespräch gebrachte August Diehl erklärte, er habe keine Zeit für die Titelrolle. Als Buhlschaft wird Brigitte Hobmeier genannt, heuer in „Meine Bienen. Eine Schneise" von Händl Klaus zu sehen. Auf Gerüchte angesprochen, dass Anna Netrebko Salzburg nach der szenisch verunglückten „Bohème" heuer den Rücken kehren will, sagt Pereira energisch: „Das stimmt nicht! Sie wird wieder kommen."
Eine Absage erteilt er dem Regietheater: „Sven und ich haben uns Watschen im deutschen Feuilleton abgeholt, weil wir gesagt haben, wir haben es satt, dass Leute auf die Bühne pinkeln und im Schlafzimmer eine Maschinenpistole aus dem Bett gezogen wird. Wir glauben nicht an die Zukunft des deutschen Regietheaters!" Regisseure müssen trotzdem in der Art, „Geschichten zu erzählen, frei bleiben und selbst entscheiden, ob Inszenierungen im 11. Jahrhundert oder in der Gegenwart spielen. Wir werden sicher mit schwierigen und kontroversen Regisseuren arbeiten", verspricht Pereira. bp
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