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Pereira zu Festspielbilanz: „Ich fühle mich geohrfeigt“

31.08.2012 | 18:31 |   (Die Presse)

Nur 90 Prozent der Karten wurden verkauft. Allerdings kamen mit 279.000 Zuschauern mehr denn je zuvor. Mit den Einnahmen ist Pereira zufrieden: Sie liegen um 1,5 Mio. Euro über dem Budget.

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Die niedrigste Auslastung seit 13 Jahren musste Festspielintendant Alexander Pereira zum Abschluss seiner ersten Saison in Salzburg präsentieren: Sie ist um fünf Prozent gesunken. Dabei sind mehr Zuseher denn je gekommen: 240.000 zu regulären Veranstaltungen, dazu kommen drei Benefiz-, zwei Open-Air- und 42 Sonderveranstaltungen sowie 22 Einlass- und Generalproben, das macht insgesamt fast 279.000 Besucher.

Diese Divergenz erklärt sich daraus, dass Pereira die Festspiele verlängert und um 42.000 Karten mehr als im Vorjahr aufgelegt hat. Diese Ausweitung wurde vielfach kritisiert; so schrieb Wilhelm Sinkovicz im gestrigen „Presse“-Leitartikel, es herrsche „längst das Prinzip Masse statt Klasse“.

Er habe „im Schlussdrittel der Festspiele besonders viele attraktive Veranstaltungen inklusive Opernpremieren programmiert“, verantwortete sich Pereira bei der Pressekonferenz: „Es dauert zwei, drei Jahre, bis das Publikum registrieren wird, dass auch der Schluss und nicht nur der Anfang der Festspiele attraktiv ist.“ So antwortete er auf die Frage, mit welchem Konzept er die Auslastung wieder auf das seit Jahren übliche Niveau von 93 bis 95 Prozent heben wolle.

 

„Für Wiederaufnahmen offen“

Mit den Einnahmen ist Pereira zufrieden: Sie liegen mit über 28 Millionen Euro um 1,5 Mio. Euro über dem Budget, sagte er. Die Gratiskarten habe er schon „zurückgeschraubt“, so seien die „Soldaten“ heuer zwar genauso ausgelastet gewesen wie 2011 „Die Sache Makropulos“, aber bei jenen seien 80 Prozent der Karten „wirklich verkauft“ worden und bei „Makropulos“ nur 67 Prozent.

So fühle er sich „mehr geohrfeigt, als ich verdient habe“, erklärte Pereira und klagte, er habe „hier nie jemanden getroffen, der mit mir über Kunst reden wollte“. Er, der zu seinem Amtsantritt erklärt hatte, Wiederaufnahmen sollten in Salzburg nur die Ausnahme sein, sagte nun, er werde in Zukunft für solche „offen sein“. „Die ,Boheme‘ lasse ich fallen, weil mir das Verdi- und Wagner-Jahr 2013 besonders wichtig ist. Aber zum Beispiel beim 2013 beginnenden Da-Ponte-Zyklus von Bechtolf und Franz Welser-Möst, der in Salzburg logischerweise nach der ,Zauberflöte‘ kommen muss, sind Wiederaufnahmen durchaus denkbar.“

 

Bechtholf kritisiert Kritiker

Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf plädierte dafür, den Misserfolg nicht „überzubewerten“, sprach gar von „Auslastungsfetischismus“. „Man muss wagen und Risken eingehen, wir werden das auch in Zukunft tun. Wenn eine Produktion nur zu 60 Prozent ausgelastet ist, dann ist das völlig wurscht. Diese Art von Verschwendung ist keinesfalls obszön, sie ist vielmehr Teil des Festes. Wen wir permanent 99 Prozent hätten, würde man uns Populisten nennen.“ Die Kritiken über Salzburg kanzelte er als „hauptsächlich apodiktische Geschmacksäußerungen“ ab, die sein „undogmatisches Schauspielprogramm“ nicht verstünden. APA/tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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13 Kommentare
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Na klar

die Millionäre werden den ganzen Sommer in Salzburg verbringen um auch die späten Premieren zu besuchen.

Schmeißt den raus! Das ist einer von den ach so modernen Erziehern der Menschheit, dem es nicht um menschliche Ideale, sondern um ideologische Spinnerei geht, der glaubt, dass sich dann die Familien des Proletariats die Karten um ein paar tausend Euro kaufen werden um sich den abgehobenen Schmarren anzusehen.

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Alles ist relativ

Ich finde mit der Auslastung (90%) zu argumentieren ist nicht sehr fair. Man müsste schon die Details ansehen und feststellen, bei welchen Aufführungen weniger Interesse vorhanden war. Letztlich waren die Einnahmen über Soll. Na also. Das mit den stümperhaften Regisseuren ist reine Geschmacksache. Ich habe, als langjähriger Besucher, die Zauberflöte und die Boheme nicht gut gefunden. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die etwas verworrene Handlung der Zauberflöte viel Raum für Auslegungen bietet. Letztlich ist sie nur ein Märchen über zwei Liebespaare, nicht mehr. Und in der Darstellung der Boheme ist nur schwer nachzuvollziehen, dass alle der handelnden Akteure in der dargestellten Zeit brotlos sind.
Die Schöpfung sowie die meisten Orchesterkonzerte waren Spitze. Alles in allem: Herr Pereira braucht nicht zu weinen, nur das Niveau beibehalten. Zu überlegen wäre, ob man Domingo in einer Baritonpartie wiedersehen will und ob man den Boheme-Regisseur wirklich nochmals auf ein Stück loslässt. Übrigens ist die Schauspiel-Sparte völlig in Ordnung!

die hier dargestellte la boheme zeit



zeigt uns die aktuellen 30% jugendarbeitslosen z B in europa, frankreich, spanien!!

obs jetzt den satten premieren fuzzi gefällt oder nichht es ist so in der eu zeit und der 3 akt - schlicht bewegend.

Gast: geh anders
01.09.2012 09:58
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!

das gefühl f talente hört vielleicht beim gierigsein auf. sollte bekämpft werden. aber ohne schmied.

Masse statt Klasse

herrscht im Repertoiresystem der Wiener Staatsoper. Das hat aber keinen der Kritiker aufgeregt, zumindest nicht, seit Holender repertoireuntaugliche Regiearbeiten zum Standard erklärte. "Macbeth" konnte nach der Premierenserie ein halbes Jahr später, mangels Publikumsinteresse, nicht mehr aufgeführt werden.
Ja, zu Starbesetzungen. Elitär sollen die Festspiele sein - das waren sie ja auch lange unter Karajan.
Vorzuwerfen ist Pereira nur der Kniefall vor halblustigen Regisseuren wie Damiano Michieletto, die dann als Belohnung z.B. für die verhunzte "Boheme" nächstes Jahr wieder engagiert werden. Leider geht Pereira nächstes Jahr von den Topbesetzungen weg, wenn z.B. Domingo den Luna im Trovatore und Roberto Saccà den Stolzing singen werden. Berühmte Namen verbürgen, wenn fehlbesetzt, kein hochwertiges künstlerisches Ereignis. Aber dies ist für weite Teile der Schickeria auch nicht der Grund, die teuren Karten zu bestellen. Dabei sein und geshen werden, ist dieser Klientel viel wichtiger...

Gast: Piccolomini
01.09.2012 03:56
0 1

Er ist und bleibt

ein Verkaeufer! Kein Prinizpal! Kein Gefuehl fuer neue Stroeme, Talente, kein Theatermann, sondern ein Verkaeufer, der das kopiert, was es wo anders schon gibt. Aber das hat man ja schon in Zuerich erlebt. Wenn das Kuratorium hingefahren waere, oder wenn es sich wenigstens vor der Bestellung ein Konzept vorlegen haette lassen, wie es ja in der Ausschreibung vorgeschrieben war, dann haetten sie es gewust. Aber man hat die eigenen Regeln ignoriert und ist den Amigoweg gegangen. Frau Fassbinder als Leiterin der Findungskommission hat ihn ausserhalb des Wettbewerbes bestimmt und nun hat Salzburg ihn. Also wundern wir uns nicht ueber das Kaufhaus Salzburg!

Gast: Gruftmaus
31.08.2012 23:44
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nur gefühlt

Was denn?
Wie denn?
Soweit ich mich entsinne sind wir einander niemals im Dunkeln begegnet.
Lässt sich aber ......
Gothic greetings
Gruftmaus

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Schnief, schnief, Pereira.

Bei Hermes gibt es sicher schöne Taschentücher, und einer der Bonzen, die Salzburg zur Selbstdarstellung nutzen, wird Dir schon eines schenken.

Gast: b745
31.08.2012 21:51
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das who is who der korrupten gibt sich jedes jahr ein stell dich ein

kein wirtschaftsverbrecher der nicht bei einer premiere vorbeischaut die salzburger werden aus der stadt verdrängt damit sich die gstopften die besten wohnungen unter den nagel reißen können und die bürger sich die mieten nicht mehr leisten können keiner braucht dieses theater ausser die festspiele selbst und ihre selbstdarsteller

Gast: Ruprecht Hattinger
31.08.2012 21:07
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Die Quintessenz?

WILHELM SINKOVICZ hat in seinem Leitartikel unter dem Titel:
"Salzburg und seine Festspiele, die ungeliebte Cashcow." schon ziemlich alles zusammengefasst, was es zu sagen gibt. Nur eine Quintessenz ist erschuldug geblieben. Ich möchte dies aus meiner Sicht nachhloen. Ich bin Salzburger und fühle mich durch die Salzburger Festspiele nicht gestört, auch nicht im Grunde, im Gegenteil, deswegen fahre ich jedes Jahr nach Salzburg.

Was zunehmend Mißfallen erregt ist die stark inflationäre Tendenz, die nicht mehr zu übersehen ist: Quantität statt Qualität. Das Festspielpräsidium hat sich nicht durchgesetzt, sobald der Intendant nur mit Rücktritt droht.
Meine Quintessenz: Zurück zu den Wurzeln, damit ist gemeint 1. ein begrenzter Zeitraum, 2. ein klares Profil der Festspiele und 3. höchste Qualität.

Aufführungen, bei denen gerade die Titelrollen zweifelhaft besetzt sind, wären unter Karajan niemals toleriert worden.
So braucht sich auch Herr Peirera nicht wundern, daß es so kam, wie es gekommen ist.

Ruprecht Hattinger,
Wien

Antworten Gast: Dr. Michael Hiermanseder
01.09.2012 08:31
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Re: Die Quintessenz?

Wie wahr!
Aber leider tendieren auch andere Festivals wie Bayreuth in diese Richtung!

Antworten Antworten Gast: melomane
01.09.2012 09:39
1 0

Das Rossini Festival in Pesaro zeigt es vor

wie man das Repertoire des Schwanes aus Pesaro mit hervorragenden Künstlern jährlich auf hohem bis höchstem Niveau vor auskverkauften Häusern spielen und auch auf DVD und Bluray vermarkten kann. "Ciro in Babilonia" mit der hervorragenden Ewa podels, und "Matilde di Shabran" mit einem überragenden Florez machten dies möglich.

Gast: Feuervögelchen
31.08.2012 20:29
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...aber ein geöltes Mundwerk hat er wenigstens, der Wunderwuzzi des subventionierten jährlichen Almauftriebs.


Meinung