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Das Gipfeltreffen der Countertenöre

06.06.2012 | 16:50 |  Von Stefan Musil (DiePresse.com)

Im Opernprogramm der Salzburger Festspiele buhlen gleich sechs Countertenöre aus drei „Sänger­generationen“ um die Gunst des Publikums.

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Händel sei Dank: Countertenöre in einer solchen Massierung wie in diesem Sommer dürften noch nie bei den Salzburger Festspielen aufgetreten sein. Die in den letzten Jahren in Mode gekommene Alte Musik macht es möglich. Dort wo früher in den Opern Händels, Vivaldis, Hasses, Glucks und auch Mozarts vornehmlich Kastraten gesungen haben, wird heute gern mit Countertenören besetzt. Egal, ob man nun unter anderem Falsettist, Countertenor, Altus oder Contralto sagt, es handelt sich um eine Männerstimme, die im Falsett singt.

Was vor gar nicht so langer Zeit noch als exotisch angesehen wurde, ist heute nichts Ungewöhnliches mehr, sondern erlebt geradezu einen Boom. Immer neue, junge Countertenöre rittern um die Gunst des Publikums. Die Pioniere unter ihnen stammen aus England, wo diese Stimmlage eine weit größere Tradition als auf dem Kontinent hat. Vor allem Alfred Deller war hier ab Mitte der 1940er-Jahre ein Wegbereiter, ebenso Russel Oberlin, etwas später dann auch Paul Esswood.

Ein früher Star unter den Countertenören ist  Jochen Kowalski, der sich auf seiner Website als „Altist“ bezeichnet. Er, der bisher nur einmal, in Monteverdis „L’Incoronazione di Poppea“ 1993 unter Harnoncourt, in Salzburg auf der Bühne gestanden ist, kehrt nun für den Nireno in Händels „Giulio Cesare“ nach Salzburg zurück. Er ist dabei einer von insgesamt vier Stimmfachkollegen in dieser Aufführung. In der Titelrolle, einst für den gefeierten Kastraten Senesio komponiert, ist Andreas Scholl zu erleben. Der 1967 geborene Scholl gehört, wenn man so will, der heute mittleren Generation der Countertenöre an, die schon auf eine stattliche Karriere zurückblicken können.

Zur jungen Generation zählt Philippe Jaroussky (im Bild), der den Sesto gibt – übrigens die einzige mit Countertenor besetzte Partie, die bei der Uraufführung von Händel nicht für einen Kastraten, sondern für Margherita Durastanti kreiert wurde. Es war nämlich neben der Besetzung mit Kastraten auch durchaus üblich, Männerrollen für Frauenstimmen zu schreiben. Jaroussky wurde 1978 in Frankreich geboren, studierte zunächst Geige und Klavier, dann Komposition, Orchesterleitung und Musikpädagogik, bis er die Sängerlaufbahn einschlug. Heute zählt er zu den meistgefeierten unter den jungen Countern. Ein Jahr jünger ist Christophe Dumaux, der vierte im Falsett-Bunde beim Salzburger „Giulio Cesare“. Er wird als ägyptischer König Tolomeo zu erleben sein.

Auch in den beiden konzertanten Aufführungen von Händels „Tamerlano“ stehen an der Seite von Plácido Domingo zwei Countertenöre. Der eine ist Bejun Mehta, der ein Jahr nach Andreas Scholl 1968 in Laurinburg in North Carolina zur Welt kam. Heute gehört er so wie Scholl zu den Großen in seinem Stimmfach und wurde in Salzburg als Farnace in Mozarts „Mitdridate, re di Ponto“ und Didymus in Händels „Theodora“ bejubelt. Mit Franco Fagioli, 1981 in Argentinien geboren, ist schließlich der jüngste unter den Countertenören in der Partie des Andronico wiederum auf den Spuren des großen Senesino unterwegs.

Termine
Giulio Cesare in Egitto von Georg Friedrich Händel 23. 8. 2012: Premiere im Haus für Mozart, Vorstellungen: 25., 27., 29. und 31. 8. 2012
Tamerlano von Georg Friedrich Händel9. + 12. 8. 2012 im Großen Festspielhaus

(Kultur Spezial vom 26.05.2012)

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