Was wären die Salzburger Festspiele ohne ihre Schauspieler, Sänger, Künstler und Musiker? Was wären sie ohne Fans und Besucher, die bei Regen und Hitze zu den Spielstätten pilgern - und so für eine Atmosphäre sorgen, die ein bisschen an Hollywood, nur eben in Österreich, erinnert? Aber eine Besuchergruppe geht im Blitzlichtgewitter meist unter: die Kinder und Jugendlichen. Dabei bieten die Salzburger Festspiele auch für diese Gruppe ein vielfältiges Programm.
So findet heuer zum ersten Mal das Projekt „Opera viva", ein Mitspieltheater für Kinder, statt. Darin haben Kinder zwischen sieben und 14 Jahren die Möglichkeit, selbst Opern wie „Die Zauberflöte", „La Bohème" oder „Carmen" nachzuspielen. Begeisterung brauchen sie und die Bereitschaft singen, spielen, musizieren und tanzen zu wollen. „Die Opera viva ist eine Art Improvisationstheater", sagt Musikerin und Autorin Klaudia Kadlec, die das Konzept entwickelt hat. „Die Kinder spielen die Rollen und übernehmen die Musik, das Tanzen und das Singen. Ich bin immer überrascht, wie gut das funktioniert", sagt Kadlec. „Die Kinder glauben dann tatsächlich, dass sie ihr Leben lang schon die Rolle verkörpert haben."
Auch wenn die Zeit mit circa vier Stunden, also einem Nachmittag, relativ knapp bemessen ist, wird in der Opera viva eine gesamte Oper, natürlich in gekürzter Fassung, durchgenommen. Möglich machen das freilich nur die gute Ausbildung der Betreuer (ein Schauspieler, eine Choreografin und drei bis fünf Musiker) - und das Improvisationstalent der Kinder. Da wird dann schnell über romantische Szenen gespielt, weil kaum ein Kind gern Kussszenen spielt und dafür das Sterben auf der Bühne ausgiebig zelebriert. „Alle Kinder wollen Leichen sein. Das ist sehr beliebt", sagt Kadlec schmunzelnd. Damit alle drankommen, werden häufig Rollen, Noten und Instrumente getauscht. „Jedes Kind kommt einmal zum Spielen und einmal zum Singen dran", sagt Kadlec. „Damit verstehen die Kleinen die erarbeitete Oper besser."
Doch es geht auch anders. Kinder, die lieber gleich in die Oper gehen, als sich selbst daran zu versuchen, können das in der Aufführung der „Zauberflöte für Kinder" unter der Regie von Ulrich Peter tun. Die Solisten des Young Singers Project (eines Kulturengagements der Credit Suisse) übernehmen den Gesang, ein elfköpfiges Ensemble der Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs musiziert. Wer sich Opern gern auf einer Leinwand ansieht, der kann das heuer auch wieder beim Siemens-Kinderfestival machen.
Ab 27. Juli wird jeden Samstag- und Sonntagnachmittag eine Opernvorführung für Kinder auf dem Kapitelplatz gezeigt, bei freiem Eintritt. Neu ist, dass die Kinderopern während der gesamten Festspieldauer übertragen werden. Im Rahmen der Konzertserie „Salzburg contemporary" können Familien am 15. August wieder das Familienkonzert besuchen, bei dem Bernd Alois Zimmermanns Rondo popolare nach der Bildergeschichte „Die fromme Helene" von Wilhelm Busch gespielt wird. Eine Premiere feiert heuer auch das Theaterstück „Mojo" auf der Perner-Insel. Diese Produktion wurde speziell für Kinder entwickelt. Die Schauspieler arbeiten daher viel mit Performance, Licht, Musik und Puppen. Das Stück handelt vom Erwachsenwerden, von der Aufgabe, das Besondere in einem selbst zu entdecken - eben das „Mojo". Für Jugendliche, die sich für die Erwachsenenproduktionen der Salzburger Festspiele interessieren, gibt es das Jugendabo mit rund 3000 ermäßigten Karten aus allen Bereichen für Gäste unter 27 Jahren.
Auch der Salzburger-Festspiele- und Theater-Kinderchor ist ein wichtiger Teil des Kinderprogramms. Der Chor wurde 2008 gegründet, um die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. So hat der Chor schon unter Dirigenten wie Riccardo Muti und Christian Thielemann gesungen. Kinder zwischen sechs und 16 Jahren können sich das ganze Jahr über anmelden. In diesem Jahr wirkt der Chor u. a. bei den Produktionen „Carmen", „La Bohème" und „Das Labyrinth" mit. Und dann gibt es noch die Operncamps, die heuer zum siebten Mal stattfinden und zu denen mittlerweile sogar Kinder und Jugendliche aus Ländern wie Mexiko, den USA und China anreisen. Rund 120 Teilnehmer erarbeiten gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern eine Woche lang eine Oper.
„Mit den Camps wollen wir junge Menschen an die Oper heranführen", sagt Leiterin Hanne Muthspiel-Payer. Eine einschlägige Musikausbildung ist dafür nicht notwendig, auch wenn viele Kinder schon etwas „vorbelastet" seien, also Erfahrung im Bereich Schauspiel, Gesang oder Musik haben, meint Muthspiel-Payer und hofft, dass viele Menschen zur finalen Präsentation am 27. Juli („Ariadne auf Naxos") und am 3. August („La Bohème") kommen. Die Aufführungen finden jeweils um 16 Uhr in der Großen Universitätsaula statt. Was wäre denn das Kinderprogramm der Salzburger Festspiele ohne Publikum, das bei jedem Wetter zu den Spielstätten pilgert, um die kleinen Künstler ausgiebig zu bewundern?
| Termine | |
| „Die Zauberflöte für Kinder“ | 28. 7. 2012: Premiere Gr. Universitätsaula Vorstellungen: 29. 7.,1., 2., 16., 17., 26. 8. 2012 |
| Opera viva „Die Zauberflöte“ | 29.–31. 7 und 3.–5. 8. 2012 |
| „La Bohème“ | 10.–12. 8. 2012 |
| „Ariadne auf Naxos“ | 13.–15. 8. 2012 |
| „Carmen“ | 21.–23. 8. 2012 |
| „Giulio Cesare in Egitto“ | 25.–27. 8. 2012 |
| Familienkonzert | 15. 8. 2012 |
| Operncamps | Anmeldung für 2013 unter: www.salzburgfestival.at\jugend |
| Salzburger- Festspiele- und Theater-Kinderchor | Infos: kinderchor@salzburgfestival.at |
| Jugendabos | Anmeldung und Programm: 0662/80 45-500 www.salzburgfestival.at |
(Kultur Spezial vom 26.05.2012)
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