19.05.2013 01:00 Merkliste 0

Der Diehl mit dem Simonischek

08.06.2012 | 13:06 |  Von Eva Winroither (DiePresse.com)

Der eine debütiert, der andere kehrt zurück. Peter Simonischek und August Diehl spielen heuer gemeinsam in Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Sie haben beide etwas zu feiern. Der eine, der Ältere, kehrt nach drei Jahren wieder zu den Salzburger Festspielen zurück; der andere, der Jüngere, hat dort heuer seinen ersten Auftritt. Die Rede ist von den beiden Schauspielern Peter Simonischek und August Diehl, die heuer gemeinsam in Kleists Stück „Prinz Friedrich von Homburg“ unter der Regie von Andrea Breth zu sehen sein werden. „Ich freu mich sehr, das ist ein tolles Stück, die Weichen sind so gestellt, dass das was werden könnte“, sagt Peter Simonischek dann auch prompt im Gespräch mit „Salzburg Spezial“.

Was wohl auch daran liegen mag, dass Simonischek und August Diehl mehr verbindet als die gleiche Profession, haben sie doch eine gemeinsame Vorgeschichte: Simonischek kennt den jungen Deutschen nämlich schon, seit der ein kleiner Junge war. „Mit seinem Vater (Hans Diehl, Anm.) habe ich viel gemeinsam gespielt, wir waren ja zusammen an der Schaubühne Berlin“, erzählt Simonischek und streut dem jungen Diehl prompt Rosen: „Der August ist ein ganz ein toller Schauspieler.“

Auch sonst freut sich Simonischek auf Salzburg, das er vor allem wegen des Ambientes sehr schätze: „Dort muss man nicht an einem Vormittag das eine Stück proben und am Abend ein anderes Stück in der Vorstellung spielen, sondern kann sich ganz auf eine Rolle konzentrieren.“ In „Prinz Friedrich von Homburg“ wird Simonischek den Kurfürsten spielen, einen strengen Mann, der den Prinzen zum Tode verurteilt, weil der sich nicht an seine Befehle gehalten hat. Insofern gilt der Kurfürst als eher „böser“ Charakter in dem Stück, aber ausgerechnet als „böse“ möchte Simonischek den Kurfürsten nicht verstanden wissen. „Der ist einfach preußisch. Er setzt auf Recht und Ordnung. Er ist eben ein Soldat“, sagt Simonischek. Und fügt hinzu: „Er lässt sich im Nachhinein ja auch widerlegen.“ Überhaupt könne man ihn nicht davon überzeugen, dass der Kurfürst „ein mieser Vogel“ sei, wie er selbst sagt. „Und selbst wenn, würde ich alles da­ran setzen, ihn zu verteidigen.“ Denn als Schauspieler müsse man seine Rollen lieben, sonst könne man sie ja nicht spielen.

Lieben wird wohl auch August Diehl seine Rolle. Der Deutsche spielt den impulsiven Prinz Friedrich von Homburg, der um sein Leben fürchten muss. Eine Traumrolle für den 36-Jährigen. Und eine, die er unbedingt spielen wollte. Obwohl er früher eigentlich den Graf Hohenzollern als bessere Rolle empfand, wie Diehl in einem Gespräch mit Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf zugibt. Einem breiten Publikum ist Diehl wohl seit dem Film „Inglourious Basterds“ bekannt, in dem er als SS-Sturmbannführer Dieter Hellstrom an der Seite von Brad Pitt gespielt hat. Mit dem Film hat Diehl auch den Grundstein für seine internationale Filmkarriere gelegt. Bei „Inglourious Basterds“ hat er Pitts Freund und baldige Ehefrau Angelina Jolie kennengelernt. 2010 war Diehl dann als Jolies Ehemann in dem Thriller „Salt“ zu sehen. Doch August Diehl ist nicht nur Filmschauspieler, er zählt auch zu den bedeutendsten Theaterschauspielern der jüngeren Generation. Dem Wiener Publikum dürfte er schon länger ein Begriff sein: Das erste Mal war er 1998 in „Gesäubert“ von Sarah Kane zu sehen.

Die Inszenierung von Peter Zadek an den Hamburger Kammerspielen war bei den Wiener Festwochen im Theater in der Josefstadt zu sehen. Im Jahr 2000 erlebte er wohl einen persönlichen Höhepunkt. Er spielte mit Gert Voss, den er als sein großes schauspielerisches Vorbild bezeichnet, in Luc Bondys gefeierter Interpretation von Tschechows „Möwe“ im Akademietheater. Diehl hatte die Rolle des gescheiterten Künstlers inne, der den Freitod wählt. Abgesehen davon, war er in Wien noch in Bernard Marie Koltés „Roberto Zucco“ im Akademietheater, Zadeks Inszenierung des „Juden von Malta“ als Marlowe oder in „Ödipus auf Kolonos“ an der Seite von Bruno Ganz im Burgtheater zu sehen.

Sein Talent hat Diehl, der übrigens seit 1999 mit der Schauspielerin Julia Malik verheiratet ist, zwar sicherlich in die Wiege gelegt bekommen, sich den Feinschliff aber auch in der Ernst-Busch-Schule in Berlin hart erarbeitet. Im Gespräch mit Sven-Eric Bechtolf lobt er den Drill der Schule: „Ich hatte am Anfang den Eindruck, an einer Sportschule zu sein: tagaus, tagein Bewegung – Fechten, Akrobatik. Und so sahen wir irgendwann dann alle auch dementsprechend aus.“ Auch im Rollenstudium sei es sehr unsentimental zugegangen. Mit Sätzen wie: „Nicht du da oben sollst heulen, sondern ich da unten will heulen.“ „Es wurde einem klargemacht“, sagt Diehl, „dass der Beruf ein Handwerk ist. Das war auch der Grund, warum ich dorthin wollte. Ich wollte keine Esoterik.“ Nun hat er in Salzburg einmal mehr die Gelegenheit, sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Neben seinem alten Bekannten Peter Simonischek, aber auch unter den kritischen Augen der Besucher und Kritiker.

Termine
"Prinz Friedrich" von Homburg von Heinrich von Kleist 28. 7. 2012 Premiere im Salzburger Landestheater,Vorstellungen: 30.– 31. 7.; 1., 3., 4., 5., 7., 8., 9., 11. und 12. 8. 2012

Kleist-Lesungen 29. 7. 2012 mit Ulrich Matthes 6. 8. 2012 mit Hans-Michael Rehberg

(Kultur Spezial vom 26.05.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Meinung