ie überträgt man ein Stück aus der Biedermeierzeit in die moderne Welt? Am besten mit Puppen, finden Tristan Vogt und sein Figurentheater „Thalias Kompagnons". Mit „Das Mädchen aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär" erwecken die Nürnberger Puppenspieler ein Stück Ferdinand Raimunds zu neuem Leben.
„Es ist eine Mischung aus Kasperltheater und großem Ausstattungszauber", sagt Vogt. Die Bühne ist minimalistisch: In der Mitte der Bühne wird eine Leinwand aufgebaut, darauf wird das Bühnenbild projiziert. Die Bilder entstehen im Moment ihrer Übertragung: Am Trickfilmtisch, gut sichtbar, stehen die Puppenspieler. Und über ihnen, in der inszenierten Welt, schweben die Figuren - große Puppen aus Pappmaschee, Holz, Stoff und Draht. Dazu spielen ein Pianist und ein Schlagzeuger „schräge, surreale Musik".
Durch Darsteller und Spiel ergeben sich mehrere Ebenen, auch die Puppen bewegen sich in mehreren Welten, projiziert auf die Leinwand, sowie dahinter und davor. So können die Bilder zerbröckeln, die Figuren von einer Ebene in die andere rutschen. In dem steten Wandel tun sich neue Welten auf, Räume kommen von unten und verschwinden wieder nach oben. „Das Wichtigste für uns ist aber, dass die Welt der Menschen eigentlich genauso Illusion ist wie die andere, auch sie kann auf einen Schlag verschwinden", sagt Vogt. Der Wandel passt gut zu Bauer Wurzels Gesch ichte: Zuerst wird er mit Reichtum überhäuft, dann wird ihm alles genommen.
Über allem stehen die Feen, sie lenken das Schicksal der Menschen. Davon ahnen die Puppen nichts, die Feen geben vor, nur das Beste im Sinn zu haben. In Wahrheit nutzen sie die Menschen als Spielbälle für ihre Intrigen. „Der große Vorteil der Puppen", sagt Vogt, „ist, dass sie die Figuren sind, durch und durch". Denn bei bekannten Schauspielern sähe man immer auch die Person hinter der Figur.
Das sei bei Puppen anders, diese könnten besser leiden. „Wenn den Bauern der Schlag trifft, fliegt er in den Dreck. Das sind Bilder, die man sonst nicht zu sehen bekommt." Es ist eine andere Spielweise: Puppen haben eine andere Körperlichkeit, sie schweben im Raum, entwickeln ihr Eigenleben. „Wir sind selbst immer wieder verblüfft und verzaubert zu sehen, was die Puppen können, das Menschen nicht können", meint Vogt.
Handpuppen, das klingt nach Kasperltheater. Aber ist es nicht so, dass Raimund sich abgrenzen wollte von den Satiren und Parodien seiner Zeit, dass er ein romantisches Märchen schaffen wollte, ein Zaubermärchen? Die Vorstadtbühnen, auf denen Raimunds Stücke aufgeführt wurden, kannten die Tradition des Kasperls, sagt Vogt, „damals war es der Hanswurst". In der deutschsprachigen Commedia dell'arte war der Kasperl eine wichtige Figur. „Und der Bauer trägt in sich Elemente des Hanswurst", ist er überzeugt.
Vogt hat nicht vor, Raimund zu demontieren, seine Figuren bleiben erhalten. „Wir erfinden nichts Neues, sondern nehmen jene Elemente heraus, die uns moderne Menschen interessieren." So bleibt das Stück in der Märchenwelt verankert, diese ist aber keine altmodische, sondern so frisch wie damals, ausgestattet mit einem modernen Lebensgefühl. „Wir wollen die Ausweglosigkeit des Stückes zeigen, den traurigen Humor, den Raimund hatte." In dem Sinne ist es eine Tragikomödie: Für die Menschen eine Tragödie, für die Feen eine Komödie.
Kafkas Schloss nach Franz Kafka 19. 8. 2012 Premiere im Schauspielhaus Salzburg, Vorstellungen: 20. und 21. 8. 2012
(Kultur Spezial vom 26.05.2012)
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