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Wiens berühmtester Cafetier ist tot

30.12.2011 | 06:26 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Kaffeehauslegende. Leopold Hawelka stand synonym für die Wiener Kaffeehauskultur der Nachkriegszeit. Sein Café gilt seit Jahrzehnten als Institution. Im Alter von 100 Jahren ist der legendäre Wiener gestorben.

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100 Jahre alt ist er geworden, Wiens bekanntester Cafetier. Jahrzehntelang war der Name Hawelka synonym für die Wiener Kaffeehauskultur der Nachkriegszeit gestanden, der auch das sogenannte Kaffeehaussterben, amerikanische Coffee-Shops und Fast-Food-Kaffee aus dem Pappbecher nichts anhaben konnten. Und Leopold Hawelka war der Mann, der dieses kleine Stück Wiener Kulturgeschichte in der Dorotheergasse immer so bewahrt hatte, wie es seine Gäste noch bis heute lieben.

Mit großem Überblick wies der gebürtige Niederösterreicher den Besuchern Sitzplätze zu, setzte sie auch zu anderen an den Tisch und sorgte damit für so manche interessante Begegnung, manches nette Gespräch. Ob das nun Künstler waren, die in den 60ern und 70ern das Hawelka als Refugium entdeckt hatten, oder Touristen, die Mitte der 80er die Künstler als Gäste ablösten. Für den Mann mit Fliege, Sakko und einem Tuch über den Ärmel geworfen machte all das keinen Unterschied. Außer vielleicht den, dass die Künstler in mehr Zeit weniger konsumierten.

Freundschaften mit den Gästen, die lehnte er als Unsitte ab. Nur konsequent, dass er das Reden mit den Besuchern auch lieber seiner Frau überließ. Josefine Hawelka, seine große Liebe, die er 1936 geheiratet und mit der er drei Tage später das erste gemeinsame Café eröffnet hatte. Sie war es, die sich immer mit den Händen auf die Sessellehnen gestützt zu den Gästen beugte und fragte, ob auch alles in Ordnung sei. Während Leopold sich darum kümmerte, dass alles reibungslos lief, dass alle versorgt waren. Und dass auch alles immer so blieb, wie es sein sollte.

(c) AP/MARTIN GNEDT

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Renovieren? Wozu, wenn doch die Gäste genau die Patina so schätzten. Die rot-gelb-gestreiften Sitzgarnituren, die alten Holzsessel, die kleinen Tischchen - genau so war es früher, genau so ist es heute. Und natürlich die Buchteln. Erst spät am Abend, gegen 22 Uhr, wurden sie serviert. Über Jahrzehnte hat sich nichts daran geändert. Nur dass nach dem Tod von Josefine Hawelka im Jahr 2005 die Enkel Michael und Amir die lieb gewordene Tradition weiterführten.

Und doch änderte sich durch den Tod seiner Frau einiges. Leopold Hawelka wurde immer weniger zum Chef, dafür immer mehr zum Gast. Saß auf seinem Stammplatz nahe der Bar, trank einen Kaffee, las ein wenig in der Zeitung und blickte immer öfter mit geduldigem Blick ins Leere. Für sein Café war er da - zwar nicht mehr als der Mann, der das Silbertablett mit dem Glas Wasser zum Tisch bringt, sondern als Kultfigur, als Fotomotiv. Und das nicht aus Eitelkeit, sondern als einfache Selbstverständlichkeit.
Immerhin hatte er das Café bereits seit dem Jahr 1939 geführt - gleich zu Beginn mit einer langen Pause, als er zur Wehrmacht eingezogen wurde.

Doch seit dem Dezember 1945 lief das Hawelka ganz selbstverständlich Tag für Tag. Und Hawelka war immer dabei. Erst in den letzten Jahren musste dann doch die eine oder andere Tradition weichen: Etwa die Rauchschwaden, die viel vom Flair des Lokals ausmachten. Die Gesetze zum Nichtraucherschutz sorgten dafür, dass im Café heute klare Sicht herrscht.

Kein Ruhetag mehr

Aber auch dafür, dass eine weitere Tradition geopfert werden musste: Weil die rauchenden Gäste ausblieben, wird der Dienstag nicht mehr als Ruhetag gehalten, ist das Café sieben Tage die Woche geöffnet. Der alte Hawelka forderte zunächst noch, dass Aschenbecher auf die Tische gestellt werden. Doch bald nahm auch er zur Kenntnis, dass sich Dinge ändern müssen. Sogar im Hawelka.

Seinen 100. Geburtstag am 11. April konnte er nicht mehr in seinem Café feiern, die zahlreichen Gäste warteten umsonst auf ihn. Der Kreislauf, hieß es aus seiner Familie. Von ihr kam gestern, Donnerstag, dann auch die Nachricht. „Mein Vater ist in seinem Bett gelegen und ohne Schmerzen eingeschlafen", ließ seine Tochter Helga mitteilen. Ein ruhiges Ende für den berühmtesten Kaffeehausbesitzer Wiens. 100 Jahre alt ist er geworden.

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23 Kommentare
Glosar
31.12.2011 09:38
0 3

Sie hat die besten Blechkuchen gebacken und er war einfach kaum wegzudenken bei der Tür immer stehend, alle Gäste persönlich gegrüßt... alle waren äußerst freundlich, der Kaffee hat dort immer gut geschmeckt, und die Sache mit der Raucherei hin und her, trotzdem behalte ich die beiden in liebevoller Erinnerung!


Gast: So ist das Leben
30.12.2011 19:07
1 0

Ich freue mich.....

...dass er gelebt hat, so kann man an ihn denken!
http://www.youtube.com/watch?v=7utC-Gg3bm4&feature=related

Gast: Sly
30.12.2011 16:08
1 13

Quality never goes out of style

Zum Ärgernis von Architekten, Immobilienspekulanten und Sozialisten. Was hat diese Stadt eigentlich nach dem Krieg Neues aufgebaut, das Bestand haben wird?

Antworten Gast: pensador
30.12.2011 21:29
12 1

gratuliere

zum d.mmsten posting des tages!

modestus
30.12.2011 15:51
4 1

..nihil nisi bene...

..aber es war doch ganz anders.
als wir den strohkoffer aufgeben mussten suchten wir ein neues zuhause. zuerst im bräunerhof..aber der war stehts überfüllt und zu teuer. die jungliteraten versuchten das cafe "sport" in der schönlaterngasse und die pinsler das hawelka. das hawerl war meistens leer und es war billig. so sind wir geblieben. das "HAWELKA" wurde von der boheme gemacht und das ehepaar hawelka hat damit einen toto zwölfer gemacht. eine kulturelle leistung oder auch nur eine gastronomische grosstat sucht man vergeblich.

Antworten enzo
31.12.2011 17:31
1 0

Re: ..nihil nisi bene...

Genau so war es.Wer kein Geld hatte ging ins Hawelka da konnte man bei einem kleinen Mocca oder Braunen denn ganzen Tag sitzen bleiben.
War auch zu der Zeit kaum gut besucht.
Da Geld Mangelware war und die Pinsler meistens Schulden beim Hawelka hatten bekam er so zu Bildern von den damals noch unbekannten Kunstgrößen.
Nur von der Seite her hatte das Hawelka den Ruf bekommen die Buchteln ect .sind eher ein Geck als ein echter Leckerbissen.

Antworten Antworten modestus
31.12.2011 18:44
2 0

Re: Re: ..nihil nisi bene...

die buchtln waren durchschnitt...einzig dass sie um 22h frisch gemacht wurden wqar das besondere

Antworten fefe
30.12.2011 19:16
1 0

Re: ..nihil nisi bene...

War das jetzt nötig? - Selbstverständlich, jeder ehrliche Gastwirt wird Ihnen bestätigen, dass er den Erfolg nicht wirklich selbst in der Hand hat. Ein Lokal ist knallvoll - ein Wunder - ein Lokal bleibt plötzlich leer - ein Wunder. Das ist so. Alle Erklärungen für Erfolg oder Misserfolg sind nachträglich konstruiert. Ein guter Gastwirt wird sowieso schauen, dass sich die Gäste wohlfühlen und er sie nicht zu sehr einschränkt, damit es gemütlich sein kann. Aber dass es gemütlich wird, liegt allein an den Gästen. Dass Frau Hawelka ständig die Leute zusammengesetzt hat, hat aber sicherlich auch geholfen.

Sie und Ihre Freunde haben da offenbar - soe wie Sie das darstellen - sehr viel dazu beigetragen, also haben Sie auch einen Anteil am Erfolg.

Ich kannte das Ehepaar Hawelka flüchtig und habe sie auch außerhalb des Lokals einmal getroffen. Ausnehmend liebenswürdige Leute waren das und eigentlich ziemlich bescheiden. Es hat ihnen einfach Spaß gemacht und das hat man gespürt.

Antworten Antworten modestus
31.12.2011 11:29
4 0

Re: Re: ..nihil nisi bene...

erfolg??..es war einfach unser stammbeisl
ceterum...anfangs waren die hawelkas überfreundlich..ob des unerwarteten umsatzes..später war der leopold etwas diktatorisch und die josefine hat die gäste zusammengeschlichtet wie die sardinen....verständlich..weniger als 100 m2 ..jeder sitz muss umsatz machen....aber von bekannschaften stiften keine spur. oft genug war der abend erledigt weil sie uns wildfremde gäste zugemutet hat, dann war das gespräch eingefroren.
irgendwann war uns der befehlston zuviel und wir sind abgewandert..dann war platz für die touristen.
herrn hawelka haben zum schluss noch einige blamiert. man konnte sich ja an gasttelefon anrufen lassen. herr h. hatt dann den betroffenen laut im lokal ausgerufen...bis...ja bis er einigemale josefine mutzenbacher ausrief..:-))))

Antworten Antworten Antworten fefe
31.12.2011 12:01
1 0

Re: Re: Re: ..nihil nisi bene...

Aha, das klingt eigentlich ganz anders. Ich war dort nie Stammgast. Aber mittlerweile dürfte es mit dem wirklichen Flair dort vorbei sein seitdem das jeder Tourist in seiner Besichtigungstour "mitnimmt".

Für einen Stammgast, der dann auch auf weitere wartet ist es sicherlich nicht lustig mit anderen zusammengesetzt zu werden, aber ansonsten ist das nicht so schlecht. Bei Heurigen ist das ja auch so. Da redet man dann stundenlang mit wildfremden Leuten, die man nachher nie wieder sieht. So hatte ich das verstanden.

Ich hoffe, Sie haben längst was Passenderes gefunden.

Gast: ein trottel der zahlen darf
30.12.2011 14:23
1 0

respekt an die 2

ich wünsche ihnen viel glück auf ihrem weiteren weg, sie haben ein stück geschichte in wien geschrieben.


7 0

Als ich das erste mal das hawelka betrat ...........

auf schullandwoche aus der provinz - war ich einmal schockiert - hr. hawelka war damals jugendlich irgendwo naeher den 60 als den 70 - schmuddelig - verraucht - aber gut besucht - bevor ich mich umdrehen konnte - um dieses 'loch' zu verlassen, kam eine kleine,aeltere und sehr nette dame, nahm meine hand und fuehrte mich zu einem kleinen tisch - das war es dann - eine wunderbare zeit - lernte viel - danke den hawelkas fuer die unzaehligen stunden ...........

Gast: Wiener Melange
30.12.2011 11:07
8 2

Beständigkeit in jeder Hinsicht

Jetzt sind die beiden Hawelkas wieder vereint. Mögen die beiden lieben Kaffeehausbesitzerpersönlichkeiten in Frieden ruhen. Danke für so viel persönliche Hingabe, und dass dieses Kleinod bis ins 21. Jahrhundert bewahrt wurde!

Eine große Bitte an die sympathischen Nachkommen: Bitte ändern Sie NICHTS an einem der letzten Original-Interieurs jener Zeit! Deshalb lieben wir das Hawelka!
MfG

2 8

Buchtel

Danke für die Buchteln und auch die Biere und Achteln währed meiner Studienzeit!

R.I.P.

p.s.: wenn es den EU-Nichtraucherschutz schon früher geben hätte, dann wärst nicht nur 100 jahre alt geworden.

Antworten Gast: hoodlum
30.12.2011 08:55
13 1

Re: Buchtel

Der göttinger Mathematiker von säkulärer Bedeutung Carl Ludwig Siegel meinte zu seinem neunzigsten Geburtstag nachdenklich:wenn ich nicht soviel geraucht und getrunken haette,waere ich schon hundert....

Gast: Rettet das Cafe Hummel
30.12.2011 00:25
4 1

Generalsanierung bereits im Februar geplant > einen Monat Sperre > gesamtes Mobiliar alle Tische, Stühle, Bänke werden entsorgt

Das Hawelka war und ist ein wundervoller Ort!
Vielen Dank sehr geehrte Hawelkas, dass ich Sie beide noch erleben durfte! Danke für die schöne Zeit!

Auch muss man den Hawelkas dafür dankbar sein, dass sie immer ein Gespür dafür hatten, wie sehr eine Sanierung einem Cafehaus schaden kann. (bsp. leider zb. Cafe Museum etc.)

Nun soll auch das Cafe Hummel zerstört werden, es wurde bisher auf der Homepage und im Cafe wohl "verschwiegen", aber bereits im Februar soll einen Monat zugesperrt werden. ALLES soll erneuert werden!!!!!
Alle Tische, Spieltische, Bänke und Stühle sollen entsorgt werden. Auch die Wände etc. werden erneuert. Ein derart unsensibler grober eingriff wäre auch das Ende des Cafe Hummel.

Das Hummel ist einzigartig in der Mischung des Publikums, die grossartigen Ober und immer das Gefühl "zu hause" zu sein, sobald man es betritt. Ich glaube es kann behauptet werden, dass das hummel eines der letzten cafehäuser ist, auf die das noch zutrifft.

Bitte richten auch Sie sich an das Hummel, an die Geschäftsführung, an die Ober oder an theke@cafehummel.at
via twitter, im Freundeskreis, wie auch immer...

Bitte verbreiten Sie die Information!

Sonst werden in bereits nur ca. 4 Wochen "Tatsachen geschaffen". Bisher scheinbar verheimlicht und im Ausmaß "klein geredet" (es würde nur die Küche und die Lüftung gerichtet etc.)

Rettet das Cafe Hummel!!!!

Antworten Gast: eamonclever
31.12.2011 08:46
0 0

Re: Generalsanierung bereits im Februar geplant > einen Monat Sperre > gesamtes Mobiliar alle Tische, Stühle, Bänke werden entsorgt

wurde doch schon öfter umgebaut - die möblage auch ausgetauscht, die sitzbankeln gehören sowieso raus.

Antworten Gast: mrtygrg
30.12.2011 11:49
7 1

Re: Generalsanierung bereits im Februar geplant > einen Monat Sperre > gesamtes Mobiliar alle Tische, Stühle, Bänke werden entsorgt

das hummel ist ein furchtbares lokal, sollen sie machen was sie wollen..

Antworten Antworten Gast: eamonclever
31.12.2011 08:44
0 0

Re: Re: Generalsanierung bereits im Februar geplant > einen Monat Sperre > gesamtes Mobiliar alle Tische, Stühle, Bänke werden entsorgt

so stimmt es auf keinen fall - das hummel war und ist ein traditionelles cafehaus, dem genauso wie jedem anderen auch die gäste ausgehen. weil die, die es früher frequentierten jetzt nicht mehr in der nähe wohnen, verstorben sind oder einfach keine kohle mehr haben.
eine zumutung wie sie tun war es nie vielleicht in der übergangsphase in den 80er jahren, wo der seniorchef etwas ins trudeln kam. Aber ober toni & co. haben den chef ohnedies nie gebraucht. Drüberstrahrere nach einer durchzechten nacht, frühstück am sonntag, lesen statt schule herrlich und der freundliche gruß an den herrn papa - werde ich nie vergessen - ich wohne nicht mehr im umkreis und komme nur mehr selten vorbei

Gast: Ga(r)st
29.12.2011 21:05
10 3

Rauchverbot

... selbigem wird wohll derr Niedergang noch so einiger "Klassiker" angelastet werden können.

Doch um Herrn Hawelka ist es wohl doch sehr schade. Eine Institution.

Gast: nicholasblarney
29.12.2011 20:33
11 2

Danke für die...

...vielen Studentenjahre - und auch danach - in einem unvergleichlichen zweiten Wohnzimmer. Herr Hawelka, Sie bleiben unvergessen.

Gast: Damals Student
29.12.2011 20:05
12 2

Die Erinnerung bleibt,

und der kann auch der Tod nichts anhaben. Danke für die vielen unvergleichlichen Stunden!

12 0

Eine Legende ist nicht mehr.

Er wird fehlen.