Wenn da jemand von wunderbarem Ke bab, von Szenen wie in Istanbul oder Tel Aviv und dann gleich von der großartigen jüdischen Renaissance in Wien schwärmt, reagiere ich gelinde gesagt misstrauisch. Nicht nur, weil der Konnex Kebab und jüdische Gemeinde ein leicht dämlicher ist, sondern weil da, wie so oft, der Wunsch Vater des Gedankens ist.
Für eine "Wiedergeburt" fehlen rund Tausende jüdische Wiener, die hier einst lebten. Einige orthodoxe Juden auf der Salztorbrücke machen noch keine starke jüdische Gemeinde. Was das in einer Lokal-Kritik zu suchen hat, fragen Sie? Nun ganz einfach, der eingangs zitierte Schwärmer hatte einen Grund: Es geht um den Grill-Imbiss auf der Wiener Rotenturmstraße, dessen hebräischer Name "Sababa" so viel wie "super" heißen soll, und in dem Ezra Jakobi den vermutlich besten Kebab der Stadt zubereitet, konkret: den Shawarma-Kebab aus Lamm, Huhn und einer unglaublich guten Gewürzmischung.
Auch auf die Gefahr hin, die monokulturelle Bobo-Partie zu vergrämen: Dieser Kebab ist einfach besser als die Döner vom Nasch- und Brunnenmarkt.
Serviert wird er entweder in Pita zu drei Euro oder auf Platten mit feinem klassischem Beiwerk wie Humus, Krautsalat und dem Sesam-Kichererbsen-Gemüse Tahina. Davor gibt es große Vorspeisen-Teller mit Falafel, deren intensiven Geschmack ich für maßlos übertrieben halte, oder Schafskäse in kleinen knusprigen Teig-Zigarillos, alles sehr gut. Dazu Minz-Tee oder Ayran. Übrigens, im Lokal kann es oben hinter der Grillstelle sehr heiß werden . . .
Und noch ein Wort zur jüdischen Renaissance: Hier wird nicht (nur) koscher gekocht. Dafür muss man in die Taborstraße 19 gehen, wo im Bahur-Tov Grillerei-Geschichten serviert werden. Ein paar zusätzliche jüdische Restaurants und Lebensmittelläden würden der Stadt nebenbei gut tun. Deren Anzahl ist bescheiden.
Test: Sababa
Adresse: Sababa, Rotenturmstraße 19, Wien 1
Tel: 01/533 18 74
e-Mail: orient@sababa.at
Öffnungszeiten: Sonntag bis Mittwoch 10.30 _ 24.00 Uhr, Donnerstag bis Samstag 10.30 bis 02.00 Uhr
www.sababa.at