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Bier macht hungrig, Biertrinker wiegen weniger

02.07.2012 | 18:32 |  CLAUDIA RICHTER (Die Presse)

Bier senkt das Alzheimer-Risiko, das Nervengift Alkohol verschlechtert die Gedächtnisleistung. Bier schützt vor Krebs, das Hopfengetränk fördert die Tumorentstehung. Bier und seine Jekyll&Hyde-Seiten.

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Bier macht dick. Biertrinkende Frauen sind schlanker. Bier schützt vor Krebs. Bierkonsum führt zu Krebs. Biergenuss hält das Hirn gesund. Alkohol ist schlecht für die Hirnleistung. Was ist Humbug, was Realität?

„Tatsache ist, dass es mehr als 3000 wissenschaftliche Arbeiten zu Bier und Gesundheit gibt, und das sind durchwegs seriöse Arbeiten“, vermerkt der Grazer Neurologe Manfred Walzl, der sich schon seit Jahren intensiv mit den Effekten des Gerstensaftes auf unsere Gesundheit auseinandersetzt. Eine dieser Arbeiten, die Rotterdam-Studie, hat die Wirkung des Biers auf Alzheimer und Demenz bei 1000 Probanden untersucht. Das Ergebnis, in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ publiziert: Mäßiger Biergenuss senkte das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 58 Prozent, jenes für eine vaskuläre Demenz um 29 Prozent. Selbst die NAAA in den USA (National Alliance for Action on Alcohol) meint, ein Liter Bier täglich könne die Entstehung von Morbus Alzheimer hintanhalten.

Schon geringe Mengen des Nervengifts Alkohol, täglich zugeführt, verschlechtern die Gedächtnisleistung, kontern andere Wissenschaftler. Dem widerspricht eine japanische Studie mit 12.000 Teilnehmern, die vier Jahre lang beobachtet wurden: Die eine Hälfte trank täglich einen halben Liter (Frauen) bis einen Liter (Männer) Bier, die andere Mineralwasser. „Am Ende kam heraus“, so Walzl, „dass die Biertrinker nicht nur geistig, sondern auch muskulär fitter waren. Bier enthält sehr viel Kalium und das gibt dem Muskel Kraft.“

Stichwort Kalium: Hinsichtlich der Inhaltsstoffe des Biers sind sich die Wissenschaftler einig – viel Mineralstoffe, viele Vitamine, viele Antioxidantien, die ja bekanntlich Arteriosklerose verhindern können. „Ein Liter Bier hat dieselbe Menge an Antioxidantien wie vier bis fünf Stück Obst“, betont Walzl. Das tut freilich auch dem Herzen gut und senkt die Zahl der Herzinfarkte deutlich. Das bestätigt unter anderem auch Ulrich Keil von der Universität Münster am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin.

 

Vitaminquelle, Vitaminräuber?

Ein Liter Bier deckt den Tagesbedarf an Magnesium und Kalium zu 30 und den an Phosphor zu 25 Prozent. In einer Arbeit der technischen Universität München wurde unter anderem festgestellt, dass sich die Ansammlung von Mineralien und Spurenelementen im Bier günstig auf Nerven und Muskelkraft auswirkt und dass Magnesium den Herzmuskel stärkt.

Kehrseite der Medaille: Alkohol verbraucht beim Abbau im Körper Vitamine und Mineralstoffe, es ist daher umstritten, ob Bier wirklich zur Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen beitragen kann.

Nicht ganz geklärt ist auch die Frage, warum mäßig biertrinkende Frauen gegenüber abstinenten Geschlechtsgenossinnen schlanker sind. Das ergab eine tschechische Studie an 1098 Frauen. Auch eine von Wissenschaftlern des Brigham-Frauenkrankenhauses in Boston an 19.000 Frauen über 13 Jahre durchgeführte Studie besagte: Probandinnen, die maßvoll Bier oder Wein konsumierten, litten weniger unter Übergewicht wie jene, die keinen Tropfen Alkohol tranken. Bei Männern fand man diesen Zusammenhang ebenso.

 

Woher kommt der Bierbauch?

Und der Bierbauch? Bier, vor allem die Bitterstoffe im Hopfen, steigern den Appetit. Bier macht also hungrig und das zusätzlich Gegessene dick. Das Hopfen-Malz-Getränk schlägt indes nicht mit allzu vielen Kalorien zu Buche und Bauche: 200 ml davon haben 76 kcal, dieselbe Menge Apfelsaft 96, Sekt 170 und 200 Gramm fettarmes Joghurt weist 164 kcal auf.

Ein Wort noch zum Hopfen: Seine Inhaltsstoffe sollen auch bei Magenschwäche helfen. Umgekehrt regt Bier die Produktion von Magensäure an. So viel Säure aber, wie Bier hervorbringt, braucht man zur Verdauung einer normalen Mahlzeit nicht, die Überschüsse können die Magenschleimhaut reizen und auf Dauer möglicherweise schädigen.

„Bis vor sieben, acht Jahren hieß es noch, dass Biertrinker häufiger Magenkrebs bekommen, das konnte nun widerlegt werden“, berichtet Walzl. Einer Studie der Universität Toronto an 33.000 Ärzten zufolge schützt das Gebräu bis zu einem gewissen Grad vor Prostatakrebs. „Die Biertrinker unter den Ärzten hatten um 60 Prozent seltener Prostatakrebs-Operationen als die Nichttrinker.“

Erwiesen ist: Das im Hopfen enthaltene Polyphenol Xanthohumol wirkt krebshemmend. Allerdings müsste man dazu rund 30 bis 50 Liter Bier täglich trinken. Und das würde erst recht mit Leberkrebs und zahlreichen anderen Krankheiten enden.

 

Gerstensaft auf Krankenschein

Aber laut der europäischen Langzeituntersuchung EPIC (European Prospective Investigation of Cancer; 360.000 Probanden), veröffentlicht im „British Medical Journal“, sind schon kleine Mengen regelmäßig konsumierten Alkohols gefährlich und erhöhen das Risiko für Krebs in der Mund- und Rachenhöhle, an den Stimmbändern, in der Speiseröhre, der Leber und im Darm.

Uralt ist das Wissen um Bier als Verhinderer von Nierensteinen. Neueren Datums ist die Studie der Universität Helsinki, die da besagt: Ein halber Liter Bier täglich senkt das Risiko von Nierensteinen um 40 Prozent. In Tschechien und Polen bezahlt die Krankenkasse daher für Patienten mit Nierensteinen Bier auf Krankenschein – freilich nicht auf Dauer.

Dauerhaft hält sich indes das Gerücht, Bier mache müde. „Das stammt noch aus der Zeit, als Bier noch sehr viel Hopfen enthielt und der macht tatsächlich müde“, betont Walzl. Heute würden aber pro 100 Liter Bier im Schnitt nur noch 100 Dekagramm Hopfen zugesetzt, „und das kann gar nicht müde machen, das ist vielmehr eine selbsterfüllende Prophezeiung“.

Auf einen Blick

Zu Bier und Gesundheit gibt es mehr als 3000 wissenschaftliche Arbeiten. So soll mäßiger Bierkonsum das Herzinfarkt- und Alzheimer-Risiko senken. Außerdem haben maßvolle Konsumenten seltener Übergewicht.

Gewarnt wird aber auch vor dem Nervengift Alkohol, das die Gedächtnisleistung verschlechtert und das Krebsrisiko erhöht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

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37 Kommentare
 
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Ein Esotriker

wie Manfred Walzl wird sich da wohl auskennen.

Gast: blub
08.07.2012 15:34
2 0

--

Abendgebet
Müde bin ich geh zu ruh, decke meinen Bierbauch zu.
Vater lass den Kater mein, Morgen nicht so furchtbar sein.

Gast: plebs potus
07.07.2012 00:19
1 0

Die Einstiegsdroge #1

Alkohol tötet mehr Menschen als Terrorangriffe weltweit. also wieso fürchtet sich eigentlich keiner vor Bier? Wo doch das Kanabiskraut scho so verschrien ist, an dem in 50.000 Jahrne Homo Sapiens bekanntlich nur ein holländischer Dockarbeiter gestorben ist

Antworten Gast: nureingast
10.07.2012 16:43
0 0

Re: Die Einstiegsdroge #1

Hank ist immer noch an "Cannabis" verstorben

Gast: Gruftmaus
05.07.2012 15:39
2 0

nönönö

Mei Bier-Wamperl zu Sommerbeginn spricht eher das Gegenteil.
Aber mit Sommergspritzte geht er jährlich wieder weg. (zum. bis dato)

Gast: Gödels friend
03.07.2012 23:03
1 7

der Bierkonsum geht seit Jahren zurück

und das ist gut so. Jämmerlich, wenn käufliche
Ärzte eine Droge gesundargumentieren. Die Maurerpartie die schon am Vormittag die
erste Kiste Bier konsumiert hat, gehört der
Vergangenheit an. Alkohol ist ein wirkungsvolles
Desinfektionsmittel, wenn er also perfekt Bakterien tötet wieso sollte er dann für den Menschen gesund sein. Alkohol macht dumm und vergesslich, Alkohol machte müde und depressiv oder agressiv. Alkohol ist die mit Abstand schädlichste Droge weltweit gemessen an dem volkswirtschaftlichem Gesamtschaden. Alkohol
hat eine sehr niedrige Suchtschwelle.

Antworten Gast: Joe86
05.07.2012 12:59
8 0

Re: der Bierkonsum geht seit Jahren zurück

Wer als Wein- und Weiberhasser, jedermann im Wege steht,
der esse Brot und trinke Wasser- bis er daran zugrunde geht!

W. B.

Re: der Bierkonsum geht seit Jahren zurück

... es ist immer die Dosis, die das Gift macht ...

Re: der Bierkonsum geht seit Jahren zurück

blödsinn !

Gast: Bärenfalle...
03.07.2012 20:41
0 1

Bier nährt .. Wein zehrt

So war es und so wird es immer sein.


Und jetzt ins Wirtshaus auf a Bier

Zwengs da Xundheit.
Proscht!

Gast: Cipf
03.07.2012 15:07
0 0

Diese Maßeinheiten beim Bier - verwirrend

Heute würden aber pro 100 Liter Bier im Schnitt nur noch 100 Dekagramm Hopfen zugesetzt

Das ist doch ein Kilo, oder?

0 0

Re: Diese Maßeinheiten beim Bier - verwirrend

Stimmt!!!

Gast: Anton Proksch Institut Stiftung Genesungsheim Kalksburg
03.07.2012 14:23
1 2

Bier und im speziellen der unverdächtige Radler

sind die typische Einstiegsdroge der Jugendlichen auf dem Wege zum zukünftigen Altalkoholiker.

Antworten Gast: dis
04.07.2012 19:23
2 0

Re: Bier und im speziellen der unverdächtige Radler

Leider richtig!
Deswegen würde ich auch für ein Wirts-, Gasthaus und Restaurant-Verbot für Jugendliche unter 30 stimmen.

Weil: Passivsaufen verursacht Leberkrebs!

5 2

Bier enthält auch einiges an Nervenvitamin B

weshalb Biertrinker weit weniger agressiv werden und sind als andere "Genussmitteltrinker" und auch besser und tiefer schlafen !

Hopfen und Malz, "Gott" erhalts ;-()


Und wieviel Fässer Gerstensaft kriegt Claudia Richter

zum Ausprobieren der angegebenen Vor- und Nachteile des Bierkonsums?Wird wohl für lange Zeit ihr letzter Artikel gewesen sein.......

Was einem bestimmte Ärzte nicht alles empfehlen, wenn sie nur genug geschmiert werden von einem Konzern!

Frohes Saufen, Herr Primar!!!


Bier kann man also unbedenklich trinken ?

Diese "Forschungsergebnisse" werden wohl kaum jemanden vom Hocker reißen....und sind auch an Widersprüchlichkeit schwer zu überbieten.

Abgesehen davon, sind sie auch für die Menschen zu überhaupt nichts nütze.

Etwas verdächtig kann einem zunächst schon mal erscheinen, wenn bekannte "Forscher" fürs Biertrinken plädieren.

Mehr als irgendwelche Weisheiten zählen wohl die eigenen Erfahrungen. Nachdem ich schon seit mehr als 30 Jahren ein Biertrinker bin, habe ich diese und kann sagen, dass ein Kriterium dabei die Regelmäßigkeit und va die Dosis ist. Daher ist es schon mal nicht unbedenklich, jeden Tag Alkohol zu trinken.

Außerdem macht mE Bier (im Gegensatz zur obigen Meinung von Walzl) sehr wohl müde und ist daher - wenn überhaupt - für den Abend (nach getaner Arbeit) empfehlenswert.

3 0

das sportgetränk

schlecht hin ist also alkoholfreies bier.

Re: das sportgetränk

Ohne Scherz, das wird tatsächlich bei vielen Sportveranstaltungen - weniger in Österreich, mehr in Deutschland - nach Langstreckenläufen aufgestellt.

Ich bekomme immer Probleme mit dem Magen aufgrund der Kohlensäure, grundsätzlich ist alkoholfreies Bier aber ein absolut empfehlenswertes Getränk nach Sport.

Antworten Antworten Gast: foobaro
05.07.2012 18:34
0 0

Re: Re: das sportgetränk

Jep, Bier ist eine super Sache. Immer wenn ich in die Berge gehe, lagere ich vorher eine alkoholfreie Flasche Bier im nächstgelegenen Fluss beim Auto, für die Heimfahrt.

..empfehlenswertes Getränk NACH Sport...

Absolut richtig.
Auch in Ö. im übrigen gibts bei Laufveranstaltungen nachher Bier (u zwar auch mit Alk.).

Was Alkoholiker anlangt, sollten diese (nach Meinung von Ärzten) auch kein alkoholfreies Bier trinken.

Ich meine aber auch, und das ist kein Spaß, dass alkoholfreies Bier ein Super-Elektrolytgetränk ist (nach dem Sport)

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Was Alkoholiker anlangt, sollten diese (nach Meinung von Ärzten) auch kein alkoholfreies Bier trinken.

Das ist richtig! Der Biergeschmack läßt bei einem Exalkoholiker jede Sicherung durchbrennen und die nächste halbe mit Alkohol folgt nahezu zwingend. Auch noch nach Jahren ist so der Rückfall geradezu programmiert!

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Walz ist das nicht der Primarius aus Graz, der mit Plastikchips das Erdmagentfeld verbessert!

Dieser Primarius hat nämlich auch eine Broschüre über das Bier mitgestaltet, die von der Brau AG kommt.
Es handelt sich hier um einen Exjournalisten, der dann Medizin studiert hat.

http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2011/02/anmerkungen-zu-alphaprevent-bicotec-und-der-schlafstudie-von-prof-walzl.php

Re: Walz ist das nicht der Primarius aus Graz, der mit Plastikchips das Erdmagentfeld verbessert!

Danke für den Link, der recht aufschlussreich ist.....mich aber in Wirklichkeit nicht sehr überrascht....

 
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