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Das große Geschäft mit falschem Essen

18.07.2012 | 18:39 |  von Susanna Bastaroli (Die Presse)

Büffelmozzarella aus importierter Kuhmilch, parfümiertes Olivenöl oder "San-Marzano-Tomaten" aus China: Der Betrug mit Lebensmittelprodukten boomt in Italien – und er ist in den Händen der Mafia.

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Rom/Wien. Der Büffelmozzarella wurde aus günstiger Kuhmilch hergestellt, der seltene Käse „Provolone del Monaco“ war eine plumpe Fälschung, in Mozzarella-Snacks befanden sich klitzekleine Keramikstücke – Restteilchen einer defekten Maschine: Mit Fälschungen, Panschereien und bewussten Schlampereien verdiente Giuseppe Mandara jahrzehntelang Millionen. Der Neapolitaner ist nicht nur einer der größten Mozzarella-Hersteller weltweit. Sondern, wie Ermittler jetzt feststellten, Mitglied der Camorra. Die neapolitanische Mafia hat in Mandaras Betrieb hunderte Millionen Euro investiert.

Die Festnahme des „Armani des Mozzarella“ wirft Licht auf ein Problem, über das Italiens Behörden die Kontrolle immer mehr verlieren. „Die Produktion gefälschter Lebensmittel ist zum Business-Schwerpunkt der (neapolitanischen) Camorra, (sizilianischen) Cosa Nostra und (kalabresischen) 'Ndrangheta geworden“, warnt die Umweltorganisation Legambiente in ihrem jüngsten Bericht. Kaum ein Geschäftszweig des organisierten Verbrechens expandiere so rasch wie die „Agromafia“: 2011 wurden 13.867 Delikte registriert – dreimal so viele wie 2010. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti schätzt den Umsatz ihrer Geschäfte auf „mindestens 12,5 Mrd. Euro“ jährlich.

 

Schinken aus Uruguay, Tomaten aus China

Die Produktion und der Handel mit gepanschtem oder gefälschtem Essen treffen so gut wie jedes italienische Exportprodukt, stellt Legambiente fest. Beliebt ist die Verwendung von importierten – und nicht deklarierten – Billiglebensmitteln. So wie etwa bei Pelati-Dosen oder Fertigsugos mit „typischen“ San-Marzano-Tomaten, die in Wahrheit aus China kommen. Rund 391.000 Euro waren diese „Made in Italy“-Tomaten-Produkte wert, die die Polizei 2011 rund um Salerno konfiszierte. Für Schlagzeilen sorgten zudem Berichte über Bresaola-Schinken mit Rindfleisch aus Uruguay oder Mozzarella mit Milchpulver aus Bolivien.

Lukrativ ist auch ganz banale Panscherei: Ermittler beschlagnahmten im vergangenen Jahr falsches Olivenöl im Wert von 14 Mio. Euro, das teilweise parfümiert wurde, um als „Extravergine“ durchzugehen. Weitere 10,4 Mio. Euro waren gefälschte – vor allem als Valpolicella Ripasso oder Amarone gekennzeichnete – konfiszierte Weine wert. Der US-Konsul in Neapel klagte bereits 2008 in einer Depesche nach Washington über pseudoitalienische Äpfel, aus Moldawien importiert und mit Pestiziden verseucht, sowie über Brot mit toxischen Zusatzstoffen. Das wurde später von WikiLeaks veröffentlicht. Ein Grund für den Boom gefälschter Lebensmittelprodukte: „Mittelmeerküche verkauft sich gut. Wegen der Krise steigt zudem die Nachfrage nach günstigeren Made- in-Italy-Produkten“, so Legambiente. Doch selbst der Kauf teurer Nahrungsmittel mit Qualitätskennzeichnung ist keine Garantie: Die Mafia habe bereits die Fälschung des Siegels DOP, der italienische Herkunft sowie strenge Normen sichern soll, perfektioniert.

Auf einen Blick

„Agromafia“ nennen Italiens Ermittler die organisierte Kriminalität in der italienischen Nahrungsmittelbranche. Der Handel mit und die Produktion von gepanschten oder gefälschten Lebensmitteln bringt laut Landwirtschaftsverband Coldiretti 12,5 Mrd. Euro jährlich ein. Das lukrative Geschäft sei fest in den Händen der neapolitanischen Camorra, der sizilianischen Cosa Nostra und der kalabrischen 'Ndrangheta.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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91 Kommentare
 
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Auch Originalprodukte häufig minderwertig

Bei Food - Produkten ist das Marketing ohnehin wichtiger, als der Geschmack - daher halten auch vermeintliche Markenprodukte (Originalprodukte) allzu oft nicht, was sie versprechen.

Einkauf von Lebensmittel sollte daher eher nicht nach Markenbewusstsein, sondern nach dem tatsächlichen Geschmack erfolgen.


Bei Produkten aus Italien besondere Vorsicht geboten

Nachsatz : Ganz besonders trifft dies auf Produkte aus Italien zu, die meiner Meinung nach nur in seltenen Fällen halten, was sie versprechen.

Gast: igp
20.07.2012 09:48
0 1

huch!

rindfleisch für die bresaola aus uruguay statt wie üblich aus brasilien oder argentinien? das ist ja schrecklich! gut recherchiert, frau bastaroli.

Der Landwirtschaftsverband Coldiretti schätzt den Umsatz ihrer Geschäfte auf „mindestens 12,5 Mrd. Euro“ jährlich.

Das lukrative Geschäft sei fest in den Händen der neapolitanischen Camorra, der sizilianischen Cosa Nostra und der kalabrischen 'Ndrangheta.

Und bald kommt der EU-Rettungsschirm! Die Mafia wartet schon darauf!


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Der Betrug mit Lebensmittelprodukten boomt

nicht nur in Italien !!!

Auch hier verkauft man vieles unter anderem als Bio, obwohl genau genommen gar nicht zulässig wäre !

Eigentlich sind wir mindestens ebenso schlimm drann, denn hier wird sogar ein statliches Gütesiegel (Ama) ausgestellt, obwohl wie bei den Banken auch, niemand wirklich kontrolliert, was wirklich drinn ist (sicher schon über 5% Genfutter), obwohl hier angeblich ! gar nicht zulässig !?

Re: Der Betrug mit Lebensmittelprodukten boomt

Sie schneiden ein generelles Problem an: Dort wo ein Gütesiegel etwas aussagen soll, das am Endprodukt nicht überprüfbar ist, lädt es direkt zum Schwindeln ein.
Bioprodukte unterscheiden sich halt nicht von konventionellen, sie sind nur teurer. Und ob die Kuh für die Milch für mein Joghurt Pflanzen gefressen hat, die mit gentechnischen Methoden gezüchtet wurden, ist schon gar nicht überprüfbar. Schädlich ist weder Gentechnik noch konventionelle Lebensmittel. Daher ist es ziemlich egal.

Und ich persönlich wehre mich ohnehin dagegen Lebensmittel zu kaufen, die mit Angst vor etwas beworben werden. Bio oder das große Genfrei-Logo auf den Packerln sind für mich Gründe, etwas nicht zu kaufen.

Gast: u n d
19.07.2012 13:36
5 0

viele gesundheitliche probleme entstehen...


erst mit dieser ständigen
verfügbarkeit
der früher saisongebundenen lebensmittel.

Gast: Bunga Bunga
19.07.2012 12:24
3 2

Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.


Re: Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.

Warum denn nicht? Wenn das Produkt in Ordnung ist, und die meisten werden das sein, dann spricht doch nichts dagegen.

Antworten Antworten Gast: Kibietz
19.07.2012 13:11
2 5

Re: Re: Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.

Hahahahaha!
Und ich dachte mein Hamster wäre das Dümmste auf der Welt!

Hahahahaha!

Re: Re: Re: Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.

Bei Haustieren sind manchmal sind die Besitzer das Problem.

Haben Sie zu der Sache auch was zu sagen?

1 0

Re:Haben Sie zu der Sache auch was zu sagen?

ja klar doch, ein "Hahahahaha!
Und ich dachte mein Hamster wäre das Dümmste auf der Welt!"

Na wenn das nichts ist, und sogar die heutige Bildung offeriert ? ;-)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Kibietz
19.07.2012 15:30
2 0

Re: Re: Re: Re: Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.

Ja, und ob!
Sie sollten sich mal informieren, wieviel von den "Delikatessen" der Italiener überhaupt in Italien produziert werden.
Habens schhon die hunderttausende Büffel gesehen? Oder die tausenden Quadratkilometer Olivenhaine? Und, und, und...?
Das meiste muss importiert werden, weil Italien eben nicht viel Anbaufläche hat und auch nicht viel Regen, lieber Freund.
Da ist Vollbeschiss.

Re: Re: Re: Re: Re: Wer jetzt noch italienische Erzeugnisse kauft ist selber schuld.

"weil Italien eben nicht viel Anbaufläche hat". Italien ist der zweitgrößte Produzent von Wein hinter Frankreich und der zweitgrößte Produzent von Olivenöl hinter Spanien. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche Italiens beträgt mehr als 45% der Landesfläche. Der Hamster dürfte doch der klüger sein.

Gast: Blankensteiner Husar
19.07.2012 12:09
3 0

Aber gerade die Österreicher sagen "Ja, zu A...."

Und da haben sie jetzt das "A..." und sie kaufen das "A...." und sie taugen sich beim Einwerfen und sagen zufrieden "A......"

Also was regen sich die Lederhosen auf, wo doch das "steirische Kürbiskernöl" in Ungarn auch genauso gut schmeckt und um 90 % billiger ist.
Glaubt da einer, dass noch kein Bauer draufgekommen ist, dass dort das 200 Liter Fass um 50 Euro in Österreich 4000 Euro oder mehr bringt? Klar, man muss schon gute 40 Kilometer fahren.

Nicht zu vergessen: Parmesan aus Oberösterreich

In OÖ produziert, in Italien ausgereift.
Und plötzlich ist es eine Italienische Spezialität.

Gast: Lebensmittelmeister
19.07.2012 12:02
2 0

"wir" müssten .....

erst wieder einmal so weit kommen dass die sogenannten normalen lebensmittel wieder das beinnhalten was man eben von brot,milch,fleischwaren etc. erwarten kann das drinnen sein sollte/muss !! nicht dass ich herstellern/ spezialisten die es unweigerlich gibt absprechen möchte dass sie über dem durschnitt liegend waren erzeugen, aber im grossen u. ganzen kann "man" sich darauf verlassen dass der durchnitts- konsument statt auf qualität auf den preis achtet u. die weltfremderen (cafe-latte trinker u. wunderkinderbesitzer") konsumenten mehr auf das etikett auf dem sanfte hügeln,glückliche kühe,auf dem feld arbeitende bauern (wie vor hundert jahren) abgebildet bzw. beschrieben sind achten als auf den inhalt selbst !! es war für mich schon vor geraumer zeit sehr verwunderlich wie oft wirklich gute ware (brot,milch u. fleischprodukte rein auf inhalt u. nährwert gesehen,nicht auf den persönlichen geschmack) von den käufern verschmäht wurden u. daher auch ausgelistet u. wie schrottprodukte u. natur- schmäh produkte sich bestens verkauften !! mein fazit: betrug gehört natürlich hart bestraft aber ganz aus der haftung zu lassen ist der konsument auch nicht bzw. fördert er durch sein ignorantes verhalten die rabauken u. schmähführer in der lebensmittelbranche !!ps: natürlich ist das kaufverhalten der menschen noch vielschichtiger u. komplexer als hier beschrieben aber das so beschriebene macht eben doch einen gewaltigen teil des marktes aus !! --> ich geh jetzt essen !

"wir" müssten .....

nur direkt zu einem Demeter-Hof fahren, uns selber ein Bild vor Ort machen und dort einkaufen. Wenn die Nachfrage nach Lebensmittel aus Demeter-Anbau exponentiell steigt, werden sich immer mehr konventionell wirtschaftende Bauern entschließen, umzusatteln und nachhaltige Demeter-Biolandwirte zu werden. Bis es soweit ist, müssen sich jene Pioniere und Idealisten, die bereit sind sogar auf ihren Urlaub zu verzichten um sich eine wirklich gesunde Ernährung leisten zu können, tief in die Tasche greifen, solange bis es sich einmal alle leisten können. Hätten wir ein vernünftiges politisches System, dann wäre das gar nicht notwendig, dann würden nicht Tiertransporte quer durch Europa gefördert sondern der Demeter-Landbau. Aber das ginge wohl nur mit einer 2/3-Mehrheit der Grünen im Europaparlament.

Antworten Antworten Gast: Lebensmittelmeister
19.07.2012 15:29
0 0

Re: "wir" müssten .....

es ist/wäre "ganz einfach" möglich kommerzielle lebensmittel die für jeden leistbar(in weiterer folge auch für die zweite u. die dritte welt,aber dies ist ein eigenes kapitel obwohl alles zusammenhängt) sind weit natürlicher u. besser herzustellen,aber so lange subventionen die produktion bestimmen,subventionen u. auch verschleierte quersubventionen unternehmen (auch staatsnahe unternehmen mischen kräftigst mit,eigentlich unfassbar im jahr 2012) künstlich am leben gehalten werden wird es keine veränderung geben , u. hier bin ich wieder beim konsumenten ---> man sollte sich schlau machen über produkte u. deren hersteller,vielleicht einmal fürs essenkaufen gleich viel zeit investieren wie beim shoppen für blüs'chen, mäntelchen u. schuhe !! da ich schon einige zeit auf der welt bin u. im lebensmittelbereich tätig bin kann ich ihnen aus erfahrung sagen dass kleine bauernhöfe u. kleine produzenten nicht automatisch besser waren bzw. sind als grössere bauernhöfe bzw. grosse privatunternehmen/hersteller,weder von der hygiene,noch vom tierschutz noch von der qualität ,jede struktur kann gutes oder schlechtes produzieren!! es tut mir leid ihnen dies sagen zu müssen aber die zukunft muss/wird in der kommerziellen landwirtschaft u. komm. herstellung von lebensmittel liegen,nischen sind von nutzen u. wenn die nachfrage danach ist natürlich auch bio,demeter u.ä aber damit kann man die massen nicht ernähren u. das wollen wir doch ,oder !?

Re: Re: "wir" müssten .....

Das stimme ich Ihnen zu. Auch ich widme dem Studium der Lebensmittel und ihrer Herkunft relativ viel Zeit in meiner Freizeit und habe festgestellt, dass die Landwirtschaft immer professioneller wird und das dazu führt, hohe Qualität zum günstigen Preis zu erzeugen.

Re: "wir" müssten .....

Ich gehe jetzt auch gleich essen. Aber vorher noch die Frage: Was wären denn jetzt Schrottprodukte, wie Sie die bezeichnen?
Das von Ihnen erwähnte Brot ist ja auch nicht gerade was mit wertvollen Inhaltstoffen. Es besteht nur aus billigen Kohlenhydraten von denen wir ohnehin zu viel essen und davon dick werden.

Fälschung immer leichter ?

Kaffeekapsel,Tee,Käse,Öle,Schinken,Wein und und und gut das EUROPA Grenzen hat das klein und mittel Betriebe Anständig und Ehrlich zu Grunde gehen und sind.Ja was gibt es über den Europäischen Wirtschaftsraum ausehr gutes und und und was gibt es Morgen !

Re: Fälschung immer leichter ?

Anständig und ehrlich ist häufig mit rückständig und sich-nicht-anpassen-wolllen gepaart. Das wird vom Markt abgestraft.

und wie kann man sich davor schützen?

indem man keine italienischen lebensmittel kauf?

die haben wenigstens klingende

Namen für die cosa nostra - bei uns klingst eher plump: SPÖ, ÖVP, BZÖ und FPK oder Grüne - was soll man machen wenn's statt capo di tutti capi Don Italiano einfach Bundeskanzler heißt.

es sind

aber auch die Konsumenten schuld, die glauben, dass echte und gute Markenware so billig hergehen muss, wie die Flugreisen.
Wer glaubt, dass er einen guten Tropfen um 1,20 die Flasche erhält, ist selber schuld.
Das Proletariat meint, dass es Essen und Trinken lernte, weil auf dem Etiektte (das sie sowieso nicht lesen) was ausländisches Draufsteht. Echte Produkte kosten aber immer noch ihr Geld und haben meist auch irgendwo ein Gütesiegel eingebaut. Es soll aber nicht heißen, dass alles, was viel Geld kostet schon echt ist.
Am Besten ist es, Waren beim lokalen bekannten und überprüfbaren Händler zu kaufen, sprich Bauern oder Nachbar. Das bedeutet aber auch: keine Erdbeeren im Dezember, keine Tomaten im Jänner usw usf

 
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