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Verweiblichung: Das Fabios und die Frauen

06.09.2012 | 17:25 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Am Montag sperrt der Italiener Fabio Giacobello sein ewiges In-Lokal in den Tuchlauben wieder auf. Zugänglicher, gemütlicher soll es sein. Er hofft auf Frauen. Und hadert mit seinem Image.

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Fabio Giacobello ist aufgeregt und ein wenig unglücklich. Am Vorabend hat er sein neues, altes Lokal Journalisten gezeigt. Da saßen, ganz nach Intention, Damen auf kleinen Hockern im neuen Barbereich. Und fragten den Gastronomen, was denn eigentlich neu sei. Also:  Im Groben ist das Fabios immer noch das Fabios. Der Unterschied liegt im Detail.

Die schwarzen glatten Ledersessel, die aussahen, als hätten die Herren im dunklen Anzug auch gleich ihren Bürostuhl mitgebracht, sind weichem Leder in derzeit gängigem Grau und Lila gewichen. Auch die Wand ist zum Teil lederbespannt und voller Ornamente, das Licht wechselt je nach Stimmung. Dazu das Herzstück, die Bar: toskanischer Kalkstein, frisches Brot, demnächst, ja wirklich, Detox-Säfte.

Giacobello seufzt und sehnt sich kurz in den Ruhestand, in dem er auf Sizilien leben und Fische fangen will. „Was hätten Sie denn gerne?“, fragt er versonnen. Einen Branzino? Doch vorerst geht es um Detox. „Kann ich rauchen?“, fragt er. „Meine Lunge ist eh schon kaputt.“

Am Montag also sperrt der Italiener sein renoviertes In-Lokal in den Tuchlauben wieder auf. Zugänglicher, gemütlicher soll es sein – und die Frauen ansprechen. „Nicht weil ich ein Italiener bin. Aber das Fabios war mir zu sehr Männerklub.“ Da müsse mehr Weiblichkeit rein, sagt er, und zwar gerne schön gekleidete. „Wer sich in Wien frecher kleidet, wird immer in die Schickimicki-Schublade gesteckt“, klagt er. Wie natürlich auch das Lokal selbst, das sich so schön als Bühne und Laufsteg eignet.

Was den einen gefällt und die anderen abschreckt. Auch hier hofft Giacobello auf einen Neustart, auf Leute, die sich bisher nicht hineingetraut hätten. „Meine Mutter lebt in Zürich“, erklärt er die Sachlage. „Wenn ich dort in der Bahnhofstraße in ein Geschäft gehe, kommen drei Verkäuferinnen und passen auf, dass ich nichts mitgehen lasse. Früher hätte ich mich nie reingetraut. Jetzt scheiß ich drauf.“ So müsse man es auch mit dem Fabios halten. Man könne auch in zerrissenen Jeans kommen, und dazu will er neue Gelegenheiten bieten, indem er das Lokal „tagestauglicher“ macht. Künftig sperrt er schon morgens auf, übrigens auch, weil sich seine eigenen Prioritäten verschoben hätten. „Ich hab den Vormittag entdeckt, durch meine Freundin und ihren Hund. Ich liebe es, mit ihm spazieren zu gehen und den Tag beginnen zu sehen.“

Zu Mittag bereitet Joachim Gradwohl Salate und kleinere Speisen zu, die man kombinieren kann. „Einfache Kost, preislich eher zugänglich.“ Als sein neues Wohnzimmer sieht Fabio sein Fabios; dass es heller und freundlicher werden müsse, habe er bei Vergleichen auf seinen geliebten Kurztrips ins Ausland gesehen. „Bei den aktuellen Nachrichten braucht man gute Gedanken.“

Apropos Nachrichten: Mit denen hadert Giacobello auch. Verständlich, wer wäre nicht unglücklich, wenn in den Beiträgen zur Buwog-Affäre das eigene Lokal zu sehen ist. „Was kann ich dafür, wenn die hier Kaffee trinken?“ Gegen seinen Ruf kämpfe er seit Jahren, auch gegen den Glauben, er sei arrogant. „Ich bin nicht arrogant, ich bin extrem emotional“, sagt er und klingt dabei auch so. „Das sind wohl meine sizilianischen Wurzeln. Die Leute saugen an mir, ich muss mich schützen. Wenn ich keine Wand aufbauen würde, müsste man mich einliefern.“

Dass das Fabios ein „Mythos“ sei, sagt er selbst. „Aber wer mich kennt, weiß, dass ich einfache Sachen liebe. Und wenn jemand verschnupft ist, weil da der Karl-Heinz Grasser sitzt, ist das nicht mein Problem.“ Tags zuvor sei er dafür zwei Stunden mit Stammgast André Heller zusammengesessen. „Ich fühle mich geehrt, dass so ein Mensch mit mir spricht. Das inspiriert mich, da fangen meine Augen an zu leuchten.“ Woraus er sonst noch Kraft schöpfe? „Aus dem Träumen, aus dem Meer. Und“, sagt er unvermittelt, „ich wünsche mir Kinder. Damit sollte ich wohl bald einmal anfangen.“ Er überlegt noch kurz. „Es wär schön, wenn rüberkommt, dass der Fabio ein ganz normaler Mensch ist.“

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9 Kommentare
Gast: Lollo Brigida
15.09.2012 11:14
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Genius Loci schwer wegzukriegen

Naja, das Fabios ist einfach prototypisch für die Generation Spesenritter, deren Leitfigur ein KHG war.
Und der Herr Fabio hat jahrelang verdammt gut gelebt von genau diesen Bankfritzen und Abzockschnöseln, die ihm niemals ihr eigenes, sondern immer das Geld ihrer Firmen, Kunden und Steuerzahler brachten. Da saßen sie alle, fühlten sich unheimlich fesch und bemerkten das innerliche Ausspucken der vorübergehenden Passanten ebenso wenig wie Herr Fabio, der Kulisse gegen Spesenverrechnung bot. Sich jetzt zum Andre-Heller-Kumpel zu stilisieren und über KHG "Was kann ich dafür, wenn der auch da sitzt" zu meinen, ist schäbige Kindesweglegung. KHG und Plech und das Fabios haben einfach sehr aktiv einen Lifestyle geprägt, für den nach dem Platzen sämtlicher Blasen und steuerfinanzierten Bankenpaketen wenig Sympathie übrig ist. Ich wünsch dem Wirten aber alles Gute beim Relaunch.

Gast: Gastrosoph
08.09.2012 08:13
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Und? War da was?

Wurde auch was gegessen, getrunken...? Kein Wort darüber. Also unter Essenskritik versteh ich was anderes.

Wie viele Abzocker-Italiener...

...braucht Wien noch ?
Wenn zu überhöhten Prisen, arroganter Bedienung bei gleichzeitig nur durchschnittlicher Qualität und schlechtem Preis-Leistungsverhältnis auch noch Grasser angeboten wird - wer geht dann noch in so ein Lokal ? Die Zeit der guten und ehrlichen "Italiener" ist schon lange vorbei...! Kassieren ist jetzt angesagt ! Für mich keine Option, jeder Asiate bietet mehr...

Antworten Gast: florian holzer
08.09.2012 13:11
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Re: Wie viele Abzocker-Italiener...

eh schön, wenn man ein paar klischees ablaichen kann. aber sie waren nie im fabios, oder? sie denken sich das einfach so, eine fantasie sozusagen. sonst wüssten sie, dass das fabios nie ein italienisches restaurant war. und dass es absolut absurd ist, den service als arrogant zu bezeichnen. okay, bei den überhöhten preisen hatten sie einen glückstreffer. und dass früher alles besser war, stimmt sowieso immer, stimmte immer und wird immer stimmen ...

fein

mit Freude habe ich diesen Beitrag gelesen. Da bekommt man Appetit auf mehr, auf mehr solcher Artikel und aufs "neue" Fabios

1 2

Bei dem Lokal kommt mir immer Helmut Dietls "Rossini" in den Sinn...

...voll mit zumindest seltsam anmutenden Wichtigtuern, Küche nichts besonderes, Preisniveau extrem hoch....

Gast: Fleming
07.09.2012 04:52
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ehrenwerte Gäste,..

es ist nicht jedermanns Sache, die Anwesenheit manch dubioser Steuerhinterzieher , windiger Lobbyisten und diverser anderer Gäste mit reichlich Gerichtserfahrung beim teuren Essen ertragen zu müssen,...
wenn er diese Typen in andere Lokale weiterempfiehlt, wäre das Fabios sicherlich wieder eine gute Adresse,..vielleicht hatten (und haben) da manche Frauen mehr Gespür als der Hausherr, in welcher Gesellschaft man sich auch in Wien besser nicht zeigt.

Bravo Fabio!

Se vogliamo che tutto rimanga come e, bisogna che tutto cambi?

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Hmm

Ein normaler Mensch - ist aber dann eher fad?