Wien. Für manche war es die wichtigste Anlaufstelle – gerade die Bewohner rund um den Karmelitermarkt schauten am Abend gerne auf das namensgebende Achterl oder eine Mahlzeit vorbei. Nun sind die Sessel verräumt, die Küche ist geschlossen. Das Marktachterl, mit dem dazugehörigen Restaurant „Fischvierterl“, hat zugesperrt. „Es war ein Riesenverlustgeschäft“, sagt Isabel Kaas, deren Vater das Lokal betrieben hat.
Es habe Probleme mit dem Marktamt wegen der Widmung gegeben. Ein rechtliches Verfahren ist derzeit noch anhängig. Das Marktamt war auch der Grund, warum Kaas ihr drittes Lokal auf dem Karmelitermarkt (neben dem Marktachterl und dem „Kaas am Markt“) im Juni heurigen Jahres zusperren musste und es am kommenden Dienstag neu eröffnen wird.
Kaas erzählt: „Im ,Istranka‘ (einem Spezialgeschäft für Lebensmittel aus dem slowenischen Teil Istriens, Anm.) durften wir laut der Marktverordnung keinen Wein ausschenken, sondern nur Bier und Kaffee, weil es ein Lebensmittelgeschäft war. Istrien ohne Wein, das geht aber nicht.“
Rösterei Alt Wien serviert Kaffee
Dass sie eigentlich gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen hat, weiß Kaas, und trotzdem ärgert es sie. „Es tun ja alle irgendwie. Nur bei manchen Ständen wird gar nicht kontrolliert, bei anderen sehr streng“, sagt sie. Statt dem Istranka wird am Freitag daher die „Kaffeestation“ eröffnet, ein Kaffeegeschäft, in dem es auch Frühstückssnacks zum Mitnehmen geben wird. Der Kaffee stammt von der Rösterei Alt Wien. „Unser Ziel ist es, guten und leistbaren Kaffee anzubieten“, sagt Christian Schrödl von Alt Wien Kaffee. Dafür wurde ein einfaches Preissystem eingeführt: Ein Espresso wird einen Euro, ein Cappuccino zwei Euro, ein Caffè Latte drei Euro kosten.
Vom Marktachterl hat sich die Familie Kaas dafür endgültig getrennt, es wurde Anfang Oktober verkauft. Der neue Besitzer ist Ari Jusupov, der schon den Italiener „Fratelli“ in der Rotenturmstraße sowie den Eissalon „Castelletto“ gegründet hat.
Ersteres führt mittlerweile Jusupovs Bruder, das Castelletto wurde verkauft. Jusupov plant das Marktachterl als Restaurant mit gutbürgerlicher Küche und Schwerpunkt auf Fisch fortzuführen, serviert werden vorwiegend österreichische Weine. Ein „bekannter Koch in Wien“ soll für das Lokal schon gewonnen worden sein. Anfang November wird es eröffnet. Der Name des Betriebs steht noch nicht fest. Dafür wird es auch (gemäß der Widmung) einen Handel mit Produkten geben. Vorwiegend italienische Delikatessen sollen es sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)
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