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Die alten Äpfel kommen wieder

27.10.2012 | 18:03 |  von Karin Schuh (Die Presse)

An die 3000 – entdeckte – Apfelsorten gibt es in Österreich. Im Handel finden sich aber nur jene, die auf drei Muttersorten zurückgehen. Das ändert sich jetzt langsam, aber sicher.

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Der Lavanttaler Bananenapfel war schon einmal der letzte Schrei am Wiener Naschmarkt. Allerdings zu einer Zeit, als der Naschmarkt noch ein Großmarkt war, wie es heute jener in Inzersdorf ist, und die Sortenvielfalt bei Äpfeln noch selbstverständlicher war. „1880 wurde der Lavanttaler Bananenapfel am Naschmarkt vorgestellt. Und er ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Katharina Dianat vom Obst- und Weinbauzentrum Kärnten.

Wobei der Lavanttaler Bananenapfel ursprünglich weder aus dem Kärntner Lavanttal stammt, noch viel mit Bananen – außer dem gelblichen Fruchtfleisch – gemein hat. „Der kommt eigentlich aus den USA, heißt dort mother apple. Man hat ihn einfach umbenannt, weil er im Lavanttal angebaut wurde. Und wohl auch aus Marketinggründen, Bananen waren damals noch nicht so verbreitet,“ erklärt Dianat. Sie ist auch Mitglied des Europom-Konsortiums, die heuer die Europom, die Messe für seltene Obstsorten, erstmals in Österreich ausrichtet. (Heute, Sonntag, ist sie noch bis 18 Uhr in der Babenbergerhalle in Klosterneuburg zu besuchen.)

In den 1960er-Jahren ist der Lavanttaler Bananenapfel, wie viele andere Apfelsorten auch, aus dem Erwerbsobstbau verschwunden und somit aus den Obstschüsseln der Österreicher. Durch neue Produktionsbedingungen, etwa die Umstellung von Hoch- auf Halb- und Niederstandbäume, konnte zwar effizienter produziert werden, doch konnte nicht jede Sorte mithalten.


Drei von 3000 im Handel.
Dianat schätzt die Sortenvielfalt von Äpfeln in Österreich auf 3000. „Das sind jene, von denen wir etwas wissen“, fügt sie hinzu. Relativ ernüchternd ist dazu die Zahl jener Sorten, die wir in Supermarktregalen finden: „Die modernen Sorten sind auf drei bis fünf Muttersorten zurückzuführen.“ Zu den Top drei zählen dabei die Sorten Golden Delicious, Cox Orange und Jonathan. Wobei die durchaus nicht schlecht sein müssen – und auch nicht die Jüngsten. Der Golden Delicious etwa, den man früher unter dem Namen Gelber Köstlicher kannte, ist mindestens 140 Jahre alt.

Problematisch wird es für die Obstforscher allerdings dann, wenn etwa auf einem Feld nur genetisch gleiche Bäume stehen. Die sehen dann nämlich nicht nur gleich aus und schmecken gleich, sie sind auch alle gleich anfällig für Krankheiten. „Da gibt es dann nur zwei Möglichkeiten, entweder ich rotte die jeweilige Krankheit aus, eher schwierig“, sagt Dianat. „Oder ich erhöhe die Biodiversität. Das wird auch gemacht, wenn auch nur im kleinen Rahmen.“


Keine braunen Flecken. Für die Industrie – Dianat spricht dabei lieber von der Erwerbslandwirtschaft – zahlen sich seltene und vielleicht ein bisschen anspruchsvollere Sorten kaum aus. Der Kronprinz Rudolf, der derzeit von Spar unter dem Label „wie früher“ wieder vermarktet wird, fiel etwa nur deshalb aus dem Sortiment der meisten Supermarktketten, weil er leicht kleine braune Flecken bekommt. Je mehr Hände so einen Apfel in die Hand nehmen, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Apfel nicht wie aus dem Bilderbuch aussieht.

Hinzu kommt, dass die Obstzucht und -veredelung eine recht aufwendige Angelegenheit ist. „Von der Züchtung bis zur Marktreife dauert es im Schnitt zehn bis 15 Jahre. Für die Großen ist es also erst dann interessant, wenn man etwas in die Sorte hineinzüchten kann. Etwas, das gegen Obstkrankheiten resistent macht zum Beispiel“, so Dianat.

Um alte, vergessene, wiederentdeckte, aber auch neue Sorten kümmern sich in Österreich das Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, die Boku Wien und staatliche Genbanken in den Bundesländern. „Das Problem ist aber, dass wir so etwas wie Zoos für Pflanzen sind“, sagt Dianat. Damit seltene Sorten aber überleben, müssen sie angepflanzt, unter die Leute gebracht – und gegessen werden. Dabei spielen Bauern- und Wochenmärkte eine wichtige Rolle.

Den Steirischen Maschanzker etwa findet man auf diesen Märkten bereits vereinzelt. In Klosterneuburg wird an dieser Sorte, die zu den ältesten überhaupt zählt, heftig geforscht. „Der ist recht robust, schmeckt süß und hat eine lange Lagerfähigkeit“, sagt Lothar Wurm, Leiter der Abteilung Obstbau des Lehr- und Forschungszentrums für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg.

Alte-Sorten-Geschmack. Wurm ist generell von der Vielfalt in Geschmack, Aussehen und Lagerfähigkeit der alten Sorten begeistert. Wobei er zugeben muss, dass die meisten der Äpfel, mit denen er sich auseinandersetzt, einen eigenen Geschmack haben, den er „Alte-Sorten-Geschmack“ nennt. Näher beschreiben kann er ihn nicht, nur so viel: „Das ist für viele ungewohnt.“ Die Steirische Schafnase etwa hat ihn, oder aber auch die Goldparmäne oder der Berlepsch, der einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt hat. Zumindest der Saft des Ilzer Rosenapfels wiederum schmeckt ein bisschen nach Rosen. Und der Sternapi soll, soweit sich das belegen lässt, zu den ältesten Sorten überhaupt zählen und bis in die Römerzeit zurückgehen.

Ob sich all diese Äpfel je in den Supermarktregalen finden werden, bleibt fraglich. Auf Wochen- und Bauernmärkten stehen die Chancen hingegen recht gut. Dass alte Sorten ganz aussterben, glaubt Dianat übrigens nicht: „Auch wenn sie sich modernen Anbaubedingungen widersetzen, sind sie doch recht widerstandsfähig, sonst hätten sie ja nicht in der Natur überlebt.“

Alte Äpfel

Lavanttaler
Bananenapfel.

Der späte Herbst- und frühe Winterapfel stammt eigentlich aus den USA (Sorte „Mother“) und wurde 1880 umbenannt.

Steirischer Maschanzker.
Streuobstsorte des Jahres 2013, war bis in die 1960er-Jahre in Österreich stark verbreitet.

Steirische Schafnase.Mehr Most- als Tafelapfel, wird Ende September geerntet und hält nur bis Anfang Dezember.

Goldparmäne.Stammt aus 1510, galt lange als eine der beliebtesten Apfelsorten, seit den 60ern fast vergessen, da sich die hohen Bäume nicht für den modernen Anbau eignen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2012)

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2 Kommentare
Gast: blink
28.10.2012 21:39
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arche noah in schiltern kultiviert viele alte sorten. freue mich schon, wenn es den klarapfel (ein kleiner mit fast weißer schale) im supermarkt gibt.

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Ausgesprochen erfrischend...

... ist dieser Artikel im Vergleich zu dem vom 11. August, wo es nur ein Thema gab : das Hochjubeln des armselig schmeckenden "Pink-Lady"-Apfels. Dennoch : Es bleibt schleierhaft, warum der fade "Golden Delicious" als der beste Apfel im (leider kargen) Handelssortiment bezeichnet wird. Kosten Sie einmal einen "Topaz", liebe Frau Schuh, und Sie werden wissen, was ich meine !