Essen, Kunst und Handarbeit – nun auch »mein Bier«

17.11.2012 | 18:11 |  von eva winroither (Die Presse)

MyProduct.at bietet seit drei Jahren Delikatessen online an. Mit MyBier.at soll Bier abseits der Massenproduktion bekannt werden.

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Sie waren die Ersten auf dem Markt, doch die zunehmende Konkurrenz stört sie nicht: Die drei Wieselburger Studenten, die die Plattform MyProduct.at gegründet haben, bieten schon seit 2009 Feinkostwaren im Internet an. „Im November gibt es uns seit drei Jahren, und es läuft toll“, sagt Michael Schruef, 25 Jahre alt und einer der drei Gründer. In den vergangenen Jahren konnte die Plattform ihre Kundenanzahl vervierfachen. Rund 4000 Leute bestellen regelmäßig Dinge wie Chilirohschinken, Apfel-Zitronenmelisse-Salatwürze, aber auch violette Kartoffeln. Die Waren liefern rund 55 österreichische Kleinproduzenten.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern (wie dem eben erst eröffneten Bauernmarkt24.at, siehe oben) bietet MyProduct.at seit einem halben Jahr auch Kosmetikartikel wie Seife, Jausenbrettln und Skulpturen von Künstlern an. Auch diese Plattform ist entwickelt worden, um „heimische Qualitätsprodukte abseits von Massenproduktion für alle zugänglich zu machen“. Die Gründung erfolgte in Studententagen. Mittlerweile verkaufen die Wieselburger im Alter zwischen 25 und 32 ihre Produkte von Wien bis nach Vorarlberg. Geliefert werden sie vom Paketservice innerhalb von 24 Stunden.

Die Box auf dem Katapult. Mit ihren drei Jahren Erfahrung sind die Burschen damit quasi schon Experten auf dem Gebiet des Onlinehandels, doch auch sie bemerken eine gewisse Reserviertheit der Österreicher, Lebensmittel im Internet zu bestellen. „In Großbritannien ist das schon viel selbstverständlicher“, sagt Schruef. Aus Erfahrung weiß er, dass die Kunden oft am Transport Zweifel haben. „Sie haben Angst, dass die Verpackung reißt.“ Weswegen er und seine Kollegen werbewirksam ein Katapult besorgt und anschließend eine mit Lebensmitteln gefüllte Box fast 50 Meter durch die Luft geschossen haben. Die Verpackung hielt, das Video ist auf der Website zu finden. So etwas nimmt die Zweifel, sagt Schruef.

Die zunehmende Konkurrenz (etwa die Seite Genuss-Region.at) sehen die drei daher positiv. „Weil je mehr Leute daran arbeiten, dass Lebensmittel im Internet bestellt werden, desto salonfähiger wird es.“ So wie zwei Freunde von Schruef und seinen Kollegen, die sich mit der Plattform „MyBier.at“ vor einem Jahr selbstständig gemacht haben. Mit dem Ziel, von Hand gebraute Biersorten, die nicht im Handel erhältlich sind, an Bierliebhaber in ganz Österreich zu versenden. „Was die wenigsten wissen: In Österreich gibt es 180 Brauereien. 150 davon sind Kleinst- und Kleinbrauereien, die regional und oft nur direkt an Wirtshäuser liefern “, sagt Daniel Schalhas. Seit 2000 hätte sich die Anzahl der kleinen Brauereien verdoppelt.

Kein Wein aus der Packung. Das Angebot auf der Plattform reicht von Ale, Bierbrand, Weißbier bis zum Triplebock-Bier und dem besonders starken „Dies Irae“-Bier. Ähnlichkeiten mit den „Einheitsbiersorten“ aus dem Supermarkt hätten die Biere nicht. „Das ist, wie wenn man Wein aus der Packung mit einer guten Flasche Wein vergleicht“, sagt Schalhas. Große Brauereien sind auf MyBier.at daher nicht zu finden. Selten, aber doch wollen die zwei Geschäftsführer auch ein paar kleine Brauereien nicht dabeihaben. „Es ist ja nicht so, dass alle 150 Brauereien gutes Bier machen“, sagt Schalhas. Manche davon seien auch für Bierliebhaber einfach ungenießbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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