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Tatort Küche: Kulinarische Krimis

25.10.2007 | 13:43 |  ROBERT KROPF (Die Presse - Schaufenster)

Ein Mord ist wie ein gutes Menü: Die Zutaten und der Zeitplan müssen stimmen. und der Koch braucht gute Nerven. Kulinarische Krimis boomen. Das Schaufenster hat sich durchgekostet und acht der besten Bücher ausgewählt.

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  • Thrill & Chill

Die Welt der Literatur ist eine böse: Es wird kriminell viel gemordet, zu Tode geschlagen und vergiftet. Füttert man Google mit dem Begriff „Kulinarischer Krimi“, so spuckt die Suchmaschine 154.000 Ergebnisse aus. Was vorerst heißt, dass Google mehr Wert auf Masse als auf Klasse wirft. Aber nichtsdestotrotz: Zu viele Krimis mit Rezepten oder Kochbücher mit Mord und Totschlag verderben den Brei. Vor allem deshalb, weil entweder die Rezepte gut sind und der Krimi schlecht ist. Oder umgekehrt. Oder beides. Das Schaufenster hat gemeinsam mit „Thrill & Chill“, der Buchhandlung für Krimis, Kochen, Kulinarik und Wein in Wien, neue Werke und unbekanntere Verlage ausgesucht, in denen die Würzung stimmt. Guten Apptetit.

Das Kochbuch des Kannibalen

Goldflammen aus Krabben und Miesmuscheln, Kaninchen in Cognac, Bananenschaum mit Paprika: Seit gut einem Jahrhundert locken die Köstlichkeiten des Almacén Buenos Aires Gourmets aus aller Welt zum geschmacklichen Hochgenuss ins argentinische Mar del Plata. Von Generation zu Generation wurden die aromatischen Geheimnisse im Kreise der Familie bewahrt, und nun hat es der jüngste Spross, Cesar Lombroso, zur wahren Meisterschaft am Herd gebracht. Doch dieser steht an einem besonders gefährlichen Abgrund der Fleischeslust. So viel sei verraten: Dieses Buch ist die kulinarische Antwort auf den Klassiker „Das Parfum“ von Patrick Süsskind. Carlos Balmaceda, Piper, 12,40 Euro.

Tödlicher Tartufo

Trüffel, Wein und bizarre Morde: Weindetektiv Hippolyt Hermanus hat einen neuen Fall. Ein Feinschmecker wird in Alba von seinem Weinregal erschlagen, ein Trüffelsucher wird erschossen und in Parma liegt ein Delikatessenhändler tot in einer Tiefkühltruhe voller Scampi – alles keine Unfälle. Der Duft von Trüffeln und der Geschmack eines kräftigen Barolos ziehen sich durch Michael Böcklers kulinarischen Kriminalroman. Die Lektüre gibt nicht nur den Mörder, sondern viel Interessantes rund um den Tartufo preis. Mit umfangreichem Trüffellexikon, zahlreichen Rezepten, Weinempfehlungen, Restaurant- und Hoteltipps.
Michael Böckler, Droemer Verlag, 20,50 Euro.

Mord im Weinkeller

Das geht runter wie ein Saint Emillion Grand Crus Classé: Weinbegeisterte Autoren aus aller Welt, unter ihnen Ann Granger, Fernando Martínez Laínez und Serge Dounovetz, schreiben weinselige Mordgeschichten. Ein kleines Weinkompendium führt durch das Dickicht der Rebsorten und erklärt, was man über Beaujolais, Bordeaux und Pinot noir wissen muss. Im selben Verlag erschienen: „Mord zwischen Messer und Gabel“ und „Mord zwischen Lachs und Lametta“, Allesamt kriminell gute Bücher. Busch & Heuner, Verlag
Gerstenberg, 25,60 Euro.

Variationen der Wahrheit

Der Stoff ist durchaus realitätsnah: Ein Kommissar der Europäischen Kommission wird erschlagen. Sein Mund ist mit Käse verstopft, und über der Leiche befindet sich der Leitspruch einer Demonstration gegen eine geplante Gesetzgebung, die die Herstellung von Rohmilchkäse stark einengt. Ausgerechnet Anna Mandinsky, eine deutsche Käsehändlerin, stolpert über die Leiche. Eine appetitanregende Story rund um einen Käsebauern, einen Feinschmecker und anderen Käseliebhaber. Ursula Sternbergs Gourmet-Krimi spielt zudem im Elsass. Ursula Sternberg, Asso-Verlag, 12,90 Euro.

Picasso sehen und sterben

Ein Provence-Krimi mit Rezepten: Jost Baum erzählt die Story einer illustren Gesellschaft, die sich in einer Villa an der Cote d‘Azur trifft, um das Millionenerbe des alten Herloult aufzuteilen. Außerdem wurde der Butler erschlagen und ein Picasso gestohlen. Ein kulinarischer Krimi à la Edgar Wallace, ein etwas durchsichtiger Plott, dafür umso bessere Rezepte aus dem Süden Frankreichs. Jost Baum, Oktober-Verlag, Edition Mord und Nachschlag, 14,40 Euro

Tortenkomplott

Pierre Emme ist Krimi-Insidern bekannt: Mit Tortenkomplott bringt der Wiener den sechsten Roman mit Polizeiberater Mario Palinski, einer Art Wiener „Monk“-Version, heraus. Diesmal dreht es sich um die Kunst der Patisserie: Eine berühmte Zuckerbäckerin reist nach Wien zur internationalen Kochkunstausstellung an. Leider kommt sie aber nie an. Palinski wittert ein Komplott. Und er – no na – soll Recht behalten.
Pierre Emme, Gmeiner-Verlag. 10,20 Euro.
Pizza, Pasta und Pistolen. Ein gut geplanter Mord ist wie ein italienisches Menü: Zutaten und Zeitplan müssen stimmen und der Koch darf die Nerven nicht verlieren. Ingrid Schmitz hat eine Sammlung von 17 deliziös-maliziösen Kriminalgeschichten zusammengestellt, die allesamt eines gemeinsam haben: die mörderische Lust am italienischen Genießen. LangenMüller, 17,40 Euro

Gefüllte Siebenschläfer

Es ist fast schon kriminell, wie viele Bücher Christoph Wagner pro Jahr schreibt. Neben den Kochbuchtiteln erscheint der zweite Carozzi-Krimi aus dem Hause Wagner, an dem er nach eigenen Aussagen sieben Jahre gearbeitet und dafür gegessen hat. Carozzi, der Archäologe, bekommt einen neuen Job in einer adriatischen Hafenstadt. Die Dinge laufen gut – bis ihm gefüllte Siebenschläfer, vergiftete Gewürzweine und einige Todesfälle den Appetit verderben. Wagners Buch ist ein Ausflug in die Kochkunst der alten Römer sowie eine Kritik an der Verdisneylandisierung der Adria. Eine gewagte Kombination.

Tipp
Haymon-Verlag, 17,90 Euro. Buchhandlung Thrill & Chill. 1060 Wien, Mariahilferstraße 125




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