19 Jahre alter Riesling: Erstmals 100 Parker-Punkte

Nikolaus Saahs aus der Wachau erhielt die Höchstwertung im renommierten US-Test. Gearbeitet wird seit 40 Jahren nach Demeter-Regeln.

Nikolaus Saahs
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Nikolaus Saahs
(c) Nikolaihof Wachau

Es gibt nur wenige Lokale in der Wachau, die nicht zuallererst von Landschaft und Donaublick leben. Der Nikolaihof ist eines davon: Mitten in Mautern gelegen, ist hier von der herrlichen Kulturlandschaft wenig, von der Donau gar nichts zu sehen. Aber wer einmal unter der über hundert Jahre alten Kaiserlinde in der Mitte des mittelalterlichen Hofes, der seit 1894 im Besitz der Winzerfamilie Saahs steht, feiern durfte, braucht keinen Fernblick mehr. Und dann ist da noch der Wein.

Der zählt, neuerdings amtlich verbrieft, zu den besten der Welt. Er sei, berichtet Nikolaus Saahs, gerade mit amerikanischen Partnern zusammengesessen, als plötzlich einer nach einem Blick aufs Handy trocken gemeint habe: „You did a good job.“ Gemeint war eine neue Wertung des „Wine Advocate“, des Magazins von Robert Parker, dem vermutlich einflussreichsten Weinkritiker überhaupt. Saahs' „1995 Nikolaihof Vinothek Riesling“ hatte 100 von 100 Punkten erhalten. Es sei das erste Mal, dass die Höchstnote nach Österreich geht, freut sich Saahs. Beim Österreich-Wein-Marketing bestätigte man nach eigener Recherche, dass es eine Premiere sei: „Unseres Wissens nach: ja.“

 

Sieben Weine an der Spitze

Fast noch mehr als über das einzelne Topergebnis, „auch wenn das schwer geht“, freut sich Nikolaus Saahs allerdings über eine zweite Tatsache: Von 14 österreichischen Weinen, die 95 oder mehr Punkte erreicht haben, kommen sieben von seinem Hof. „Das zeigt, dass unsere Qualität insgesamt sehr hoch ist und geschätzt wird, und dass eine gewisse Linie drinnen ist“, sagt Saahs vergnügt am Telefon, während man im Hintergrund in der Kaiserlinde die Vögel zwitschern hört. Als Erfolg wertet der 34-Jährige das Ergebnis auch für den Demeter-Weinbau, bei dem die Weine leichter und reifer würden. „Österreich trinkt ja gerne sehr jung. Unsere Weine sind jung gut, aber werden mit dem Alter noch besser.“

Der 100-Punkte-Riesling wurde überhaupt 17 Jahre lang in einem Holzfass des antiken Weinkellers gelagert, ehe er 2012 für flaschentauglich befunden wurde. Im Jahr 1990 hatte sein Vater mit der Praxis begonnen, immer das beste Fass bewusst im Keller reifen zu lassen. Auch aus Sicherheitsdenken, wie es früher gepflegt worden sei. „Damals hat man nie eine ganze Ernte verkauft.“ Besagte Ernte von 1990, auch ein Riesling, wurde 2004 als erste „Vinothek“ abgefüllt. In Österreich wurde davon freilich „fast nix“ verkauft, während international den Saahs die alten Weißen beinahe aus der Hand gerissen wurden. Mittlerweile ist das heimische Interesse etwas größer, die letzten Bestände des nun bestbewerteten Rieslings hat Saahs zum Preis von 62 Euro pro Flasche vor drei Wochen verkauft. „Ich glaube, wir haben da auch eine gewisse Trendwende eingeläutet.“

Trendsetter war das Weingut, das als das älteste Österreichs gilt, schon in den Siebzigern. 1960 hatte Saahs Vater den Betrieb übernommen – mit kaputten Dächern und im Krieg zerschossenen Fässern. Spritzmittel konnte er sich nicht leisten, und als er es konnte, sah er ihren Sinn nicht mehr: „Es hat ja auch so gut funktioniert.“ 1971 kam Saahs Mutter auf den Hof, die von einer anthroposophischen Kinderärztin über Rudolf Steiners Ansatz unterrichtet worden war. Seitdem arbeitet man nach den Regeln des Demeter-Bunds, verzichtet auf Chemie und setzt auf biodynamische Präparate, die etwa Nützlinge unterstützen sollen.

Die nächsten „Vinothek“-Flaschen sind übrigens schon in Planung: „Mit ziemlicher Sicherheit“, sagt Saahs, „werd' ich im Sommer den Riesling von 1997 abfüllen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2014)

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