Barrierefreie Küche: Hundert Blogger auf einem Fleck

Sie schreiben über Eis oder püriertes Essen: Mit "Salt and the City" organisieren drei Salzburgerinnen das erste Foodblogger-Treffen Westösterreichs.

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Eigentlich haben Carolina Hubelnig, Claudia Braunstein und Sonja Winkler auch in ihrem „normalen“ Leben genug zu tun. Aber neben Arbeit, Familie, Freunden und Hobbys bringen die drei Salzburgerinnen seit bald einem Jahr einen Großteil ihrer noch verfügbaren Zeit dafür auf, um das erste große Treffen von Foodbloggern in Westösterreich zu organisieren.

„Salt and the City“ findet vom 29. bis 31. Mai in Salzburg statt. Rund hundert Blogger aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien werden im Stadtwerk im jungen Stadtteil Lehen erwartet. „Auch einige Stars der Szene aus München und Hamburg haben sich angesagt“, freut sich Hubelnig. Seit gut eineinhalb Jahren betreibt sie den Blog „Ach du gute Güte“. Ihre Rezepte, Bastel- und Stylingideen und Salzburg-Tipps erreichen pro Monat 8500 Leser. Da die Salzburger Bloggerinnen die produktive und kreative Atmosphäre bei Camps lieben, Treffen in Österreich aber nur in Wien stattgefunden haben, haben sie schließlich beschlossen, ihre eigene Veranstaltung zu machen.

Als offizieller Veranstalter tritt der Verein zur Förderung der Bloggerkultur auf, dem die drei Frauen angehören. Von den Teilnehmern wird – anders als bei den Foodblogger-Camps normalerweise üblich – beim Salzburger Treffen nichts gekocht. „Wir lassen uns bekochen“, scherzt Hubelnig. Mehrere Partnerfirmen stellen das Catering zu Verfügung. Die Salzburgerinnen konzentrieren sich auf die Weitergabe von Know-how.

 

Wissen teilen und kennenlernen

„Blogger sollen Profis in vielen Bereichen sein: beim Schreiben, Programmieren oder Fotografieren“, weiß Braunstein. Es gibt fixe Workshops – wie beispielsweise Food-Fotografie oder das Herstellen von Hydrolaten, den aromatischen Wässern – und Angebote, die spontan von den Teilnehmern festgelegt werden. Die Blogger tauschen ihr Wissen aus, um gemeinsam zu profitieren. Es geht aber vor allem um das Kennenlernen: „Es ist lustig, wenn man Menschen, zu denen man seit Langem via Internet Kontakt hat, erstmals persönlich sieht“, sagt Hubelnig. „Daraus ergeben sich viele Kooperationen“, weiß ihre Vereinskollegin Braunstein aus Erfahrung. Die Salzburgerin, die in der Modebranche tätig war, ist vor vier Jahren an Zungenkrebs erkrankt. Seither hat sie Probleme beim Schlucken und kann nur pürierte Nahrung essen. Mit Einheitsbrei wollte sie sich aber nicht zufriedengeben. Deshalb entwickelte Braunstein Rezepte für „barrierefreie Haubenküche“. Daraus sollte ein Kochbuch entstehen. Aber dann riet ihr eine Freundin, es doch mit einem Blog zu versuchen. „An einem verregneten Nachmittag habe ich die ersten Rezepte und Fotos in meinen Blog gestellt. Er war scheußlich und schlecht“, erinnert sich Braunstein selbstkritisch.

Trotzdem hatte ihre Seite „Geschmeidige Köstlichkeiten“ binnen eines Monats 1800 Aufrufe. Genug Ansporn, um weiterzumachen. Heute verfolgen 5000 bis 6000 Leser ihren Blog und holen sich Rezeptanleitungen. Mittlerweile ist Braunstein eine gefragte Expertin für barrierefreies Essen, berät Gastronomiebetriebe und hat begonnen, Restaurants aus der Sicht von Menschen mit Schluckproblemen zu testen. „Mein Blog ist mein zweites Leben“, sagt die Salzburgerin und freut sich, dass sie über diese Art der Kommunikation viele neue Menschen kennengelernt hat.

Auch Winkler kann sich ein Leben ohne ihren Blog „Ginger in the Basement“ nicht mehr vorstellen. Begonnen hat die Lehrerin eigentlich aus Bequemlichkeit: „Ich wollte nicht allen meinen Freunden immer wieder die gleichen Kuchenrezepte aufschreiben“, erzählt sie. Heute schreibt sie nicht mehr nur über Rezepte, sondern auch über Lifestyle und Do-it-yourself-Ideen. Neben Camp, einem „Instawalk“, also einem kreativen Stadtrundgang samt Smartphone, und Party planen die Organisatorinnen von „Salt and the City“ auch einen Ausflug. Es wird eine Landpartie in den Tennengau geben – inklusive Besuch auf einer Alm, um selbst Käse zu machen. Die schönsten Dinge sind dann ja doch analog.

AUF EINEN BLICK

Die Bloggerkonferenz „Salt and the City“ findet erstmals vom 29. bis 31. Mai in den Räumen der Paracelsus-Privatuniversität im Stadtwerk in Salzburg statt. Rund 100 Teilnehmer werden erwartet. Geplant sind ein digitaler Stadtspaziergang, ein Bloggercamp mit Workshops und Erfahrungsaustausch sowie eine Landpartie in den Tennengau. Resttickets (nur für Blogger, à 25 Euro).

www.saltandthecity.at

www.guteguete.at

www.geschmeidigekoestlichkeiten.at

www.gingerinthebasement.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2015)

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