Ein Supermarkt für Craft Beer

Direkt nach dem Craft-Bier-Fest am Wochenende eröffnet am Montag ein Geschäft für Bierspezialitäten namens Beerlovers in Mariahilf.

 Biersommelier Markus Betz verkauft in der Gumpendorfer Straße rund 800 verschiedene Biere aus aller Welt.
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 Biersommelier Markus Betz verkauft in der Gumpendorfer Straße rund 800 verschiedene Biere aus aller Welt.
Biersommelier Markus Betz verkauft in der Gumpendorfer Straße rund 800 verschiedene Biere aus aller Welt. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wann ist ein Thema im Mainstream angekommen? Wenn es mehrmals im Jahr eine eigene – gut besuchte – Veranstaltung dazu gibt? Wenn in Wien eine Themenwoche dazu ausgerufen wird? Oder wenn das Produkt, um das es sich handelt, nicht nur in manchen Supermärkten erhältlich ist, sondern auch ein eigener Supermarkt rund um das Produkt ins Leben gerufen wird?

All das trifft mittlerweile auch hierzulande auf Craft Beer zu – also auf handwerklich gebrautes Bier, bei dem die verschiedenen Sorten, die Qualität und Herkunft der Rohstoffe sowie die Kreativität beim Herstellungsprozess im Vordergrund stehen. Spätestens seit dem ersten Craft-Bier-Fest im Mai 2014 ist das Thema in Wien angekommen. Heuer gesellen sich die erste Vienna Beer Week, die diese Woche stattfindet, und der erste Supermarkt für Craft Beer, der am Montag eröffnet wird, hinzu.

800 Biere aus 100 Brauereien

Auch wenn man angesichts der Tatsache, dass hierzulande vorwiegend industriell gefertigtes Märzen oder Pils getrunken wird, nur fast von Mainstream beim Craft Beer reden mag. Die Biervielfalt hat sich dank wieder entdeckter Biersorten wie Indian Pale Ale (IPA), Scout oder Sour Beer aber zumindest erweitert.

„Wir wollen zeigen, dass das Bierthema viel breiter und größer ist. Craft Beer muss nicht bitter sein oder stinken“, sagt Biersommelier Markus Betz. Er ist der Mann hinter dem neuen Biersupermarkt. Dieser wiederum nennt sich Beerlovers und eröffnet kommenden Montag auf der Gumpendorfer Straße 35. Auf 420 Quadratmetern werden hier (wo einst ein Schlecker untergebracht war) rund 800 verschiedene Biere von circa 100 Brauereien verkauft. Etwa 70 Biere kommen dabei aus heimischen Brauereien.

Hinter den Beerlovers steht der Getränkehändler Ammersin, der in seinen bereits bestehenden Filialen in den vergangenen Jahren das Craft-Beer-Sortiment deutlich ausgebaut hat. Jetzt gibt es aber einen eigenen Shop, der nur auf Bierspezialitäten ausgerichtet ist und auch genauso aussieht. Vor unverputzten Ziegelmauern reihen sich Regale im Industrie-Chic mit unzähligen, bunten Bieren, geordnet nach Bierstilen, Ländern und Brauereien. Eine Wand mit Klappsesseln aus dem Hanappi-Stadion lädt zum Schmökern in Bierbüchern ein. „Wir sind sehr fußballaffin“, sagt Betz.

Neben den Flaschenbieren gibt es auch stets vier wechselnde Fassbiere zu kaufen, die im Shop in Ein- oder Zwei-Liter-Flaschen gefüllt werden können. Die Kunden können sich via Twitter darüber informieren, wie viel vom aktuellen Fassbier noch zu haben ist. Ein Beisl, in dem die Biere auch gleich getrunken werden können, will man aber nicht sein.

Eigene Brauerei ab März

Verkostungen und Seminare sind hingegen schon geplant. Im Frühling soll auch eine eigene kleine Brauerei im Untergeschoß des Geschäfts in Betrieb genommen werden. Unter Anleitung eines Braumeisters – welcher wird noch nicht verraten – sollen hier in Kooperationen mit Kunden oder anderen (kulinarischen) Unternehmen eigene Biere entstehen. Der Nachbar, die Saint Charles Apotheke, hat schon Interesse bekundet. Auch eine Kooperation mit dem Chocolatier Josef Zotter oder dem Feinkosthändler Kaas auf dem Markt kann sich Betz vorstellen.

Stellt sich nur noch die Frage nach den Biertrends, die den Dauerbrenner IPA (zumindest unter Craft-Beer-Fans) vielleicht doch einmal ablösen. „Amerika ist in der Szene tonangebend. Vor sechs, sieben Jahren war dort das IPA ganz stark, vor zwei, drei Jahren Sour Beer; jetzt werden wieder alte Bierstile wie Pils und Märzen entdeckt“, sagt Betz. Fruchtbiere seien ebenso Thema – auch, um mehr Biertrinkerinnen zu gewinnen. Zu uns kommt all das stets zeitverzögert. Wobei Pils und Märzen hier längst Mainstream sind – allerdings ganz ohne Craft Beer.

Auf einen Blick

Beerlovers heißt das neue Geschäft, das am Montag in der Gumpendorfer Straße 35 eröffnet (inklusive Online-Shop unter www.beerlovers.at). Verkauft werden rund 800 verschiedene Biere in Flaschen sowie jeweils vier Fassbiere (in Ein- oder Zwei-Liter-Flaschen). Im März kommt eine eigene kleine Brauerei dazu. Die Vienna Beer Week findet noch bis Sonntag mit Veranstaltungen in ganz Wien statt (www.viennabeerweek.at). Das Craft-Bier-Fest findet am 20. und 21. November in der Anker-Expedithalle statt (www.craftbierfest.at).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2015)

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