Dieser Tage kehrt schlagartig wieder Ruhe auf dem Bauernhof von Herta Schneider im südburgenländischen Eisenberg an der Pirka in Schlagdistanz zur ungarischen Grenze ein. Die Pferde, Enten und Katzen sind dann wieder unter sich. 300 Gänse, die über die vergangenen Monate auf der großzügigen Weide gleich hinter dem Stall gelebt und bei jedem Besuch aufgeregt geschnattert haben, sind weg. Richtung Gänsehimmel – Martini, und so.
Herta Schneider stört das aus mehreren Gründen nicht. Zwar sind die Gänse pflegeleicht, aber eben doch arbeitsmäßige Zusatzbelastung. „Da wird es jetzt ein bisserl ruhiger.“ Sie kann also wieder durchatmen. Zum anderen bringen die Gänse als Lebensmittel pro Stück rund 40 Euro in die Haushaltskasse. Und drittens helfen die Gänse auch, den zweiten Job Schneiders zu sichern. Im Haubenlokal „Wachter-Wieslers-Ratschen“ in Deutsch-Schützen, wo Schneider neben ihrer Landwirtschaft auch noch arbeitet, gehören ihre Gänse nämlich auf der Speisekarte zu den regionalen Spezialitäten.
Die Regeln, als solche zu gelten, sind im Fall der „südburgenländischen Weidegans“ streng: Zum Unterschied zur „österreichischen Weidegans“ darf ihre südburgenländische Artgenossin nur hier leben, wachsen und wohnen. Und das in relativ großzügigem Rahmen, denn maximal einhundert Tiere dürfen auf einem Hektar gehalten werden. Dazu kommen verpflichtende veterinärmedizinische Untersuchungen, um Salmonellenfälle auszuschließen.
Vierzehn südburgenländische Bauern haben sich diesen Kriterien unterworfen und zu einem eigenen Verein zusammengeschlossen. Schneider ist von Beginn an dabei, nachdem sie mit 45 die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin nachgeholt hat. Nach schlechten Erfahrungen mit Schafen – „Da hatten wir einen narrischen Bock dabei“– und der Ersatzvariante Hasen hat sie schließlich auf Gänse umgestellt.
Indoor nur bei Vogelgrippe. Mit 200 Stück hatte sie begonnen, schon im zweiten Jahr wurde auf 450 Tiere aufgestockt. Mittlerweile hat man sich auf 300 Tiere eingependelt. Wenn die Jungtiere 14 Tage alt sind, holt sie Schneider in der Brüterei im nahen Grafendorf ab. Schon Mitte Mai werden sie dann auf die Weide gelassen; nachts kehren sie selbstständig in den Stall zurück. Nur während der Vogelgrippe mussten die Tiere auf ihren Outdooraufenthalt verzichten. „Die haben dann drei Tage nichts gefressen“, erinnert sich die Gänsebäuerin.
Ähnlich nachtragend reagieren die Tiere, wenn ihnen ihr Partner weggenommen – also früher „zum Stechen“ (Schneider) abgeholt wird. Ihre Trauer zeigt die zurückgelassene Gans ebenfalls mit Hungerstreik. „Gänse sind sehr treue Tiere.“ – Und neugierige. In immer kleiner werdenden Runden umwatschelt der Federviehschwarm Schneider, wenn sie draußen auf der Gänseweide nach dem Rechten sieht.
Keine Angst vor Konkurrenz. „Mais macht fett“, sagt sie. Deshalb bekommen ihre Gänse nur Weizen als Zusatznahrung serviert. Wenn sie gerade keine Lust haben auf Gras, ihr Hauptnahrungsmittel. „Aufgrund der vielen Niederschläge ist das heuer besonders vitaminreich“, freut sich Schneider. Das ist gut für ihre Gänse. Deshalb hat sie auch vor der ungarischen Gänsekonkurrenz keine Angst. „Die mästen ja und die Tiere sehen nie ein Tageslicht – das würde ich ihnen nie antun.“ Sie schüttelt den Kopf. „Das sind ja keine glücklichen Gänse.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2009)
Vorkoster Rainer Nowak testet sich durchs Land
Verkoster Gerhard Hofer degustiert im Keller
Grill-Skill Sind Sie ein guter Grillmeister?
Yes we Cannes Die besten Bilder der amfAR-Gala
Life Ball Vorhang auf für die Sozzani-Show
Donna, Gloria, Boney Was wurde aus dem Disco Fever?