Orangen auf die harte Tour

Zwei heimische Brenner haben Orangengeist kreiert, in Österreich eine Seltenheit.

V und NÖ im Orangengeistwettstreit.
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V und NÖ im Orangengeistwettstreit.
V und NÖ im Orangengeistwettstreit. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Als Freund der etwas härteren Trinkkultur ist man in Österreich mit seinen Destillaten aus Äpfeln, Birnen, Beeren, Kirschen, Nüssen und weiß Gott noch was für Früchten und Kräutern gut versorgt. Auch der Trend hin zu kleinen lokalen Wodka-, Whisky- und Ginmanufakturen hebt merklich die Stimmung.

Eine Lücke gibt es bei einer Frucht, die bzw. deren Derivate (speziell Saft) zu den am meisten gehandelten Obstsorten der Welt zählen: bei der Orange. In der süßen Variante kam Citrus sinensis wohl im 15. Jahrhundert nach Europa, länger waren Bitterorangen bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass spätestens die Portugiesen ab 1498 besonders gute Sorten der Frucht, deren Urquell in China/Burma/Südostasien liegt, aus Indien importiert hatten.

Ja, da ist Cointreau, der Orangenlikör, aber der ist ein gezuckertes Süßerl. Heikler ist's, schlicht nur ein klares Destillat zu machen, denn die ätherischen Öle sind fragil, die weiße Schicht der Schale ist bitter. Setzt man Orangen in Alkohol an und destilliert das Mazerat zum Geist, schmeckt er oft ungut säuerlich, metallisch, ja wie Insektenspray.

Zwei recht verschiedene Charaktere haben nun brauchbare Orangengeiste kreiert: die Destillerie Freihof in Lustenau (Vorarlberg, 1885.freihof.com) und der Kleinbetrieb von Grete Wiederstein in Göttlesbrunn (NÖ, www.wiederstein.at). Freihof nahm sizilianische Blutorangen. Unser Urteil: eine feine, zurückhaltende, gläserne, eindimensionale Nase; dichter und flächiger Zitrus am Gaumen mit pfeffrig-bitterer Note; sehr schneller Abgang. 38% Alkohol, Preis: 18,99 €/0,5 Liter im Handel oder bei schnapsland.com.

Wiedersteins Geist aus überreifen (Süß-)Orangen aus Sizilien und Umbrien ist ein „Nasenbär“, zieht einen ins Glas, breit und weich riecht das 40%ige Wässerchen; am Gaumen ist's satt und richtig fruchtig, weniger bitter und mit einem dünnen Rückgrat bonbonhafter Süße, aber erneut ist der Abgang schnell, fast spurlos. Preis: 28 €/0,35 l.

Beide sind sehr fein. Danke übrigens an die alten portugiesischen Kolonialisten fürs Orangeneinführen!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2017)

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