Brieftaubenkobel: Große Kost für die Alte Post

In der Alten Post wird bald groß aufgekocht: Der Taubenkobel wird zum Brieftaubenkobel. Und widmet sich in seinem Pop-up der großen Klassik.

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Alain Weissgerber und Barbara Eselböck.
Alain Weissgerber und Barbara Eselböck. – (c) Brieftaubenkobel

Schon im Dezember 2015 war die Küche des Taubenkobel unter Alain Weissgerber in Wien zu erleben: Einen Monat lang hatte sich das Team des burgenländischen Restaurants im Supersense einquartiert, dem Zentrum für Analogkultur in der Praterstraße. Zum Tauben Dogen hieß das Projekt, in Anlehnung an den Dogenhof, in dem das Supersense beheimatet ist. Alain Weissgerber, Ehefrau Barbara Eselböck und ihre Mannschaft sollen damals dem Vernehmen nach ziemlich wenig geschlafen haben – Vorweihnachtszeit plus großer Andrang plus andere Gegebenheiten als die gewohnten im burgenländischen Schützen am Gebirge. „Das wollen wir jetzt noch toppen“, sagt Alain Weissgerber lakonisch. Und meint damit explizit den chronischen Schlafmangel und den Stresspegel für das ganze Taubenkobel-Team.

Große Klassik

Denn es gibt wieder Neuigkeiten in Sachen Hauptstadt zu vermelden: Der Taubenkobel bekommt eine – abermals temporäre – Dependance im Postpalais, besser bekannt als Alte Post, im ersten Wiener Bezirk. Der passende Name des vorweihnachtlichen Kurzzeitlokals: Brieftaubenkobel. Vom 17. November bis 22. Dezember wird hier abends von Montag bis Samstag für Wiener Publikum (und sicher auch solches aus dem Ausland, wo der Taubenkobel mittlerweile eine beachtliche Fangemeinde hat) aufgekocht. Die Greißlerei im burgenländischen Stammhaus bleibt derweil geöffnet.

Der Plan für das Pop-up-Restaurant: die große Klassik aufleben zu lassen, aber in veränderter Form. „Eben so, wie man uns kennt“, sagt Taubenkobel-Gastgeberin Barbara Eselböck. Aufgetischt und -gespielt wird in drei denkmalgeschützten Prunksälen des Postpalais, der 1851 erbauten früheren Zentrale der österreichischen Post. Die Adresse selbst wird seit einigen Jahren schon für diverse Pop-up-Projekte genutzt, etwa die Markterei oder das Thonet-Café. Im Zuge der Renovierung sollen hier bis 2019 luxuriöse Eigentumswohnungen, ein Fünf-Stern-Hotel und ein Restaurant entstehen – dahinter steckt unter anderem die Soravia Group.

„Es klingt vielleicht komisch, aber ich freue mich schon richtig darauf, vom legeren Sneakers-Tragen auf ein Outfit mit weißen Handschuhen umzusteigen“, sagt Barbara Eselböck, die auch das Service des Brieftaubenkobel leiten wird. Im Werbeauftritt wird jedenfalls aus Frankieren Flambieren, aus Post wird Kost und aus Kuverts Desserts. Die Gäste sollen, soweit es sich räumlich und zeitlich ausgeht, mit Kutschen abgeholt und vorgefahren werden; die Kellner tragen weiße Handschuhe, es gibt Klaviermusik, einen Dessertwagen und vielleicht auch jene fast verschwundenen silbernen Suppentassen, aus denen erst bei Tisch in tiefe Teller eingegossen wird.

Zuerst ins Baskenland

Was genau unter Küchenklassik in einem Wiener Palais zu verstehen ist, wo Franz Joseph I. mit ernster Miene von der Wand herunterblickt, ist intern offenbar noch nicht ganz zu Ende diskutiert: „Alain ist ja Franzose und denkt bei großer Klassik natürlich an Escoffier, es soll aber auch um die Kronländerküche gehen, die für uns immer schon wichtig war – Europa eben!“ Im Oktober wird sich Küchenchef Alain Weissgerber überlegen, was konkret zu Tisch kommt. Zuerst geht es für ihn nämlich noch ins baskische San Sebastián, wo Weissgerber am 23. September anlässlich der Premiere des Films „Michelin Stars – Tales from the Kitchen“ bei den 65. Filmfestspielen aufkochen wird. Alain Weissgerber und Ehefrau Barbara Eselböck zählen zu den Protagonisten des Films, neben Namen wie Alain Ducasse.

Auf einen Blick

Der Brieftaubenkobel wird vom 17. November bis 22. Dezember im Wiener Postpalais, besser bekannt als Alte Post, zu finden sein. Alain Weissgerber und Barbara Eselböck werden in diesem Pop-up-Lokal die Große Klassik zelebrieren – ein bisschen Frankreich, ein bisschen Kronländer. „Europa eben!“ Mo–Sa, jeweils ab 17 Uhr, Reservierungen unter 43/(0)2684/022 97 oder brief@taubenkobel.com.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2017)

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