Verkostungslokal: Kosten ohne Kaufzwang

In der Tastery in Wien-Neubau können Produzenten Lebensmittel testen lassen, Besucher „zahlen“ fürs Naschen mit ihrer Bewertung.

Andreas Höllmüller ist selbst schon ein Fan des Obritzer Basilikumpestos.
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Andreas Höllmüller ist selbst schon ein Fan des Obritzer Basilikumpestos.
Andreas Höllmüller ist selbst schon ein Fan des Obritzer Basilikumpestos. – (c) Akos Burg

Noch ist nicht ganz sicher, ob es das Kürbiskernpesto wird – oder doch der Weingartenknoblauch-Basilikum-Senf. Eines der beiden Gläser aus der Weinviertler Manufaktur Gutes aus Obritz wird ab Ende kommender Woche aber jedenfalls offen stehen zur jederzeitigen Verkostung. Wie auch Labonca-Wurst oder Gugumucks Schnecken in Balsamicozwiebel, Matchatee von Hakuma aus Wien Landstraße oder ein Schlückchen Rick-Gin.

Tastery nennt Andreas Höllmüller sein Konzept, mit dem er nächste Woche in der Wiener Schottenfeldgasse an den Start geht. Eigentlich war er von einem Berlin-Besuch mit der (nicht ganz neuen) Idee zu einem Geschäft für Rezepte samt fertig portionierten Zutaten zurückgekehrt, Themen wie Logistik, Kühlung und Verpackung ließen ihn davon aber wieder Abstand nehmen. Stattdessen wuchs in ihm ein anderer Gedanke. „Ich bin oft im Supermarkt gestanden und habe mir gedacht, dass es viele Dinge gibt, die mir eigentlich gefallen, die ich aber nicht kaufe, weil ich nicht weiß, wie sie schmecken.“

Diese Möglichkeit, Dinge zu verkosten, will er mit der Tastery nun sowohl (möglichen) Kunden als auch Produzenten geben –, wobei er sich auf lokale, regionale, gern innovative und eher kleinere Anbieter konzentriert (aber auch „niemanden ausschließen“ will). Ein Konzept, das, wie er glaubt, international bisher einzigartig sein dürfte, „jedenfalls habe ich nichts Derartiges gefunden“.

 

Ein roter und ein grüner Knopf

Konkret funktioniert es so, dass bis zu 44 Hersteller für zwei Monate quasi einen Ministand mieten: Dort gibt es das zu verkostende Produkt samt Informationen, auch zur Firma. Für die Produzenten sieht er es als vergleichsweise kostengünstige Werbemaßnahme – die Pakete kosten zwischen 300 und 600 Euro pro Monat, je nachdem, wie genau die Auswertung ausfällt. Denn das Kosten ist zwar gratis, dafür wird von den Besuchern als Gegenleistung Feedback erbeten: Ein grüner Knopf für den Fall, dass es geschmeckt hat, ein roter, falls nicht. Mit diesem Modell, so Höllmüller, könnten bei Bedarf auch andere Dinge abgefragt werden („Verpackung aus Plastik oder Glas?“).

In Summe richtet sich sein Angebot „nicht nur an Endkonsumenten, sondern auch an Gastronomen, andere Händler oder Journalisten im Special-Interest-Bereich“. Wenn ein Gastronom hier ein neues Getränk für sein Lokal entdecke, „dann kann er auch gleich seine Bestellung aufgeben, und wir leiten sie weiter“. Das Wichtigste sei jedenfalls, „die Produzenten zu pushen“.

Für Höllmüller ist die Tastery dabei auch die Kombination seiner eigenen Interessen. Er hat an der Tourismusschule Bergheidengasse als Koch und Kellner maturiert und damals schon geplant, irgendwann selbstständig zu sein, „als 16-Jähriger träumt man halt noch von einer coolen Bar oder einem Café“. Danach hat er an der FH St. Pölten Medienmanagement studiert, „mit Spezialisierung auf strategisches Management und Marketing“, schließlich in einem großen Industriekonzern als Kampagnenmanager im Marketing gearbeitet. Jetzt hat er mit der Tastery immerhin sein Café, wenn auch nur mit acht Sitzplätzen („mit Kuchen und Cookies“), und gleichzeitig sein Marketing-Start-up, bei dem er Vorteile für alle Seiten sieht. Für die Hersteller, die ähnliche Verkostungen oft nur zeit- und personalaufwendig auf Messen oder Märkten veranstalten können. Oder für Gastronomen, denen man neue Ideen präsentiert. Und für Endkunden, die hier jederzeit vorbeischauen, Neues kennenlernen („Die Vielfalt in Österreich ist ja immens“) und Mitbringsel oder (Weihnachts-)Geschenke erstehen können. Denn kaufen kann man alle Produkte freilich auch.

Noch ist das Geschäft nicht fertig eingerichtet, der Kollege von der Alt-Wien-Kaffeerösterei tüftelt gerade an Espressomaschine und Mahlgrad, die ersten Waren lagern noch in Kisten. Zuletzt war in dem ehemaligen Restaurant an der Ecke zur Burggasse das Kindercafé Mingus untergebracht. Höllmüller hofft, dass seiner Idee ein längeres Leben beschieden sein möge. Ziel sei, „die Tastery irgendwann zu institutionalisieren“, mit mehreren Standorten, etwa „München oder Graz“.

Fürs Erste wird am 17. und 18. November Eröffnung gefeiert, der Frizzante dazu heißt ebenfalls Höllmüller – und stammt von der Verwandtschaft aus der Wachau.

Auf einen Blick

Tastery nennt sich das Start-up von Andreas Höllmüller in der Schottenfeldgasse 73. An kleinen Ständen können dabei Produkte regionaler oder innovativer Hersteller verkostet werden, bei Interesse kann man die Produkte kaufen. Produzenten zahlen für den Stand, Kosten ist gratis. Angeboten werden Getränke und „Trockenfood“(d. h. kein Frischfleisch, Obst, Gemüse oder Milchprodukte). Daneben gibt es ein kleines Café. Für Gruppen können geführte Verkostungen gebucht werden. Ab 17. November, von Di bis Fr: von neun bis 19 Uhr, Sa: neun bis 14 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2017)

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