Wien . Es wäre beinahe ein rundes Jubiläum geworden, aber weitere fünf Jahre wollte Berndt Querfeld, der Herr über das Café Landtmann und fünf weitere Wiener Cafés, nicht warten. In fünf Jahren nämlich wäre es 100 Jahre her, dass Berta Zuckerkandl ihren zweiten literarischen Salon im Palais Lieben-Auspitz ins Leben gerufen hat. Zwischen 1917 und 1938 lud die Tochter des Journalisten Moritz Szeps und Ehefrau des Anatomen Emil Zuckerkandl wie schon zuvor in ihrem Haus in der Döblinger Nußwaldgasse regelmäßig Freunde und Bekannte aus Kunst und Kultur in ihren Salon. Eine kleine Gedenktafel erinnert bis heute daran.
Bernd Querfeld will nun an diese Tradition anknüpfen und eröffnet am kommenden Montag direkt über dem Landtmann, im Mezzanin des Palais Lieben-Auspitz, die „Bel-Etage“. Drei Räume, die nicht wie das Café zu ebener Erde öffentlich zugänglich, sondern nur für Veranstaltungen, Pressekonferenzen, Seminare oder private Feiern zu mieten sein werden.
Ein Wasserrohrbruch führt zum Glück
Jahrelang war in diesen ca. 190m großen Räumlichkeiten eine Rechtsanwaltskanzlei beheimatet, die vor zwei Jahren auszog. Erst ein Unglück führte dazu, dass Querfeld die Räume entdeckte: ein Wasserrohrbruch verursachte Schäden im Café, beim Nach-dem-Rechten-sehen verliebte er sich in die Zimmer und beschloss, sie zu mieten. Dass im selben Haus (wenn auch nicht genau in diesen Räumen, sondern in der vierten Etage), jahrelang Zuckerkandls Salon stattfand, wo also regelmäßig Arthur Schnitzler, Alma Mahler-Werfel oder Max Reinhardt ein- und ausgingen, hat die Idee, hier etwas Ähnliches zu starten, beflügelt.
Die drei etwa gleich großen Räume (36 bis 43 m) wurden aufwendig saniert und individuell gestaltet. Das Mahler-Zimmer, ganz in weiß und mit Stuckdecke, hat sogar einen Zugang auf den Balkon, von dem aus man einen ziemlich einzigartigen Blick auf das benachbarte Burgtheater und den Ring hat, den vermutlich vor allem die Raucher genießen werden. Das Zuckerkandl-Zimmer ist der größte und speziellste Raum, komplett holzvertäfelt und mit schwarzer Ornamenttapete und Kamin ausgestattet. Die Räume sind mit einer Kapazität von 75 Personen „nicht unendlich groß“, so Querfeld, daher böten sie sich tatsächlich für salon-ähnliche Veranstaltungen im kleinen Rahmen an.
Er will keine Raummiete, sondern je nach Art und Umfang der Konsumation eine Pauschale pro Gast vom Veranstalter verlangen, die bei zehn Euro pro Person für Kaffee und Kuchen beginnt. Wie schwierig es sein wird, sich an die Personenbeschränkung zu halten, wird schon das Eröffnungsfest am kommenden Montag zeigen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2012)
Fleischer, Fische und Frauen
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
Mercedes-FlaggschiffDie neue S-Klasse
SchlagerWer macht denn so was?
Victoria's SecretWas ist sexy?