Das ist eine Ehrenrettung. „Ladies who lunch“ (okay, der Titel ist von „Desperate Housewifes“ geklaut, aber ich liebe ihn) sind in meinem natürlichen Umfeld, dem Feuilleton, nämlich nicht gut angeschrieben. Wir sind Nachtvögel, Baby, allen voran die Chefin. Deshalb luncht sie nicht, nie, einer alten „Presse“-Feuilleton-Tradition folgend. Die sozialen Folgen dieses Lunch-Cancellings sind grausam: Die paar Mädels, die ihre Unterzuckerung mit verschweißten Plastikschüsseln vom Nobelgreißler im Keller bekämpfen müssen, schleichen sich dafür sogar in einen anderen Stock.
Nur ich darf in Zukunft legal, sozusagen. Zum Beispiel vorgestern, mit der ersten Lunch-Lady meiner Wahl, einer Wiener Agenturchefin, mit der man gleich ein paar plakative Kriterien weiblicher Businesslunch-Kritik formulieren konnte: Das Lokal muss neu sein, wir spielen schließlich in einer verdammtnochmal Männerliga und da geht es ums Erstersein! (Der beste Grund, Kriterium eins zu ignorieren.) Zwei: Der Prosecco muss frisch sein. Drei usw.: Das Umfeld darf mich ästhetisch nicht verschrecken, das Essen muss unkompliziert, aber unterhaltsam und der Service richtig flott sein.
Alles brav so eingetreten im neuen Limes, sogar das Service war freundlich wie aus dem Bilderbuch. Diese Vorhersehbarkeit ist aber genau das Problem des Lokals, das Franz Haslauer gerade wenig liebevoll vom Hohen Markt in den stillen Winkel hinter der Hofreitschule umtopfte. Hier ließ er zuletzt das Novelli, das Fabios der Zeit, in der es noch kein Fabios gab, wenig würdevoll dahinscheiden. Davon erzählen noch die konservierte Bar und ein Gutteil der dunkel-gediegenen Atmosphäre, die durch ein paar der überbelichteten Fotogroßformate Massimo Vitalis wohl rasch sommertauglich gemacht werden sollte. Im Sommer sitzt man aber sowieso im Gastgarten und trinkt Wasser aus hübschen bunten Glasflaschen. Die guten Salate vom alten Limes sind geblieben, die anständigen Preise auch. Es gibt eine eigene Mittagskarte, von der die Mezzelune mit Ricotta, Spinat und Olivenöl um 6,80 unschlagbar waren. Die frittierten Sardinen mit grünen Bohnen, Artischockencreme und Orangen detto. Wer allerdings bei 40 Grad Ente auf Schwammerlgröstl verdauen sollte, musste wohl Kritikerin sein.
Sonst gibt es wenig zu mäkeln, schon gar nicht an einer Art Charakter, denn den gibt es nicht. Das Limes, früher klar als schnelle, coole City-Adresse gebrandet, ist am edlen Novelli-Grund eine verwechselbare solide Lunchstation mit Papierservietten und Besteck zum Selbernehmen geworden. Müsste ich am Abend hingehen, würde mich das fast ein bisschen traurig machen.
Geschmacksfrage: Das Novelli ist tot, das Limes aber auch!
23.08.2012 | 16:22 | Von Almuth Spiegler (Die Presse - Schaufenster)
Ladies who lunch. Die Kunstkritikerin darf jetzt untertags hinaus. Zum Mittagessen!
TIPP
Ohne Doppelbank herrscht Bahnhofshallen-Flair: Novelli, Bräunerstraße 11, 1010 Wien.
8 Kommentare
so eine dumme, eingebildete
Futterkritik hab ich noch nie gelesen, nicht mal im Standard oder sonst einem Frauenblatt.ohweh
ich hoffe inständig, dass sie nicht mehr lange versuchen dürfen kritiken zu schreiben!ob sie lunchen oder nicht und mit wem ist mir mehr als nur egal!
au.weh!
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