Exotik liegt nicht jedem. Vor allem beim sonntäglichen Familienessen bietet es sich daher an, auf Lokale mit sogenannter gutbürgerlicher Küche zu setzen und weniger experimentierfreudige Familienmitglieder nicht mit rohem Fisch oder scharfem Curry zu behelligen. Lebt man im dritten Bezirk – oder verbindet das Familientreffen mit einem Besuch im Wiener Straßenbahnmuseum –, könnte der Gasthof Schwabl in Erdberg eine passende Anlaufstelle sein. Hier ist man eingestellt auf größere Runden, die mit Klassikern à la Cordon bleu oder paniertem Käse glücklich zu machen sind.
Abgesehen von den Standardgerichten gibt es eine variierende Tageskarte, auf der sich etwa Vorspeisen wie Schafskäse im Speckmantel finden, geschmorte Kalbsstelze oder – es ist ja gerade Saison – geröstete Eierschwammerln. Geschmacklich geht es, sagen wir, deftig zu. Die Zwiebelcremesuppe etwa macht ob ihrer etwas zu hohen Intensität Durst, das gekochte Hieferschwanz'l mit Cremespinat und Rösterdäpfeln ist dagegen dezenter – abgesehen davon, dass die Portion etwas zu groß ausfällt.
Kulinarische Spielereien bleiben jedenfalls aus, man kann die Karte insgesamt wienerisch konservativ nennen. Aber das muss ja kein Nachteil sein, denn wie gesagt, Exotik liegt nicht jedem.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)
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