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Geschmacksfrage: Gastwirtschaft Floh

06.09.2012 | 15:59 |  von Anna Burghardt (Die Presse - Schaufenster)

Wer pflückt die Asperln, wer hütet das Schwein? Man erfährt es, keine Sorge. Beim neuen alten Floh.

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„Große Freude in Langenlebarn und im Rest der Welt!“, tönt es aus der Speisekarte. Im neuen, weil umgebauten Floh wird der Gute-Laune-Alarm vorsichtshalber für die aktiviert, die grantig herkommen sollten. Die bleiben es hier aber eh nicht lang. Es ist nämlich durchaus recht lustig beim Floh. Auch wenn man noch gar nichts von der legendären Weinkarte getrunken hat, die mehr niederösterreichische Namen auflistet als das gelb-blaue Telefonbuch. Man erfährt, was irgendwann statt der Baustellenvideos auf der Toilette laufen soll, wenn es nach dem Kellner geht, nämlich Fußball, oder wie heikel die Chefin auf den neuen Steinboden ist. Dumpf tönt die Stimme unter dem Tisch hervor, wo der junge Mann die Reste einer auf besagtem Boden zerschellten Tasse aufsammelt. Die Verantwortung für den kurzen Stromausfall zuvor, nach dem doppelt auffällt, dass man die neue Lichtgestaltung besser hätte überdenken sollen, gesteht er in diesem Zusammenhang bereitwillig, und warum er den Käse so rasch gebracht hat, lässt er mich ebenso gut gelaunt wissen: weil er nach dem Käse nämlich nach Hause gehen darf.

Eine solch unbekümmerte Offenherzigkeit muss man beim Floh einfach verzeihen, schließlich passt sie erstens hierher, und zweitens sind wir ja alle eine große Familie: Josef Floh, Gäste, Service, Gurkenbauern, Essigbrauer, Mangalitzazüchter, Asperlnpflückerinnen. Die Familie, die den unglaublichen Schinken zum Gedeck macht, sitzt an diesem Abend eh persönlich ums Eck, die anderen schauen uns mittels vollzähliger Anwesenheit auf der Speisekarte („die Fisolen vom Gratzl Wick – Onkel vom Gratzl Stefan aus Tulbing“) beim Essen zu.

(c) Stanislav Jenis (Stanislav Jenis) Die Küche hat sich nicht verändert, der überdrehte Koch kocht unüberdreht. Die guten Zutaten (wo sie herkommen, wissen wir ja nach Studium der Speisekarte bereits und treten gern bei Josef Floh zur Prüfung an) dürfen sie selbst sein. Manche Gerichte waren diesmal eine schlichte Aufreihung, perfekt gegart: etwa Mangold und Elsbeere und feine ölig-glatte Schupfnudeln und Eiskraut. Mehr Perlenkette denn Collier. Auch wenn dieser Vergleich überhaupt nicht zum Floh passt. Das schöne Dry Aged Beef vom Höllerschmid wäre freilich besser dran gewesen ohne das intensive Paprikagemüse, und ein Floh’sches Schokoladedessert braucht keine weißen Schokokügelchen aus dem Patisseriebedarf. Bitte schön, die gehören doch nicht zur Familie!


INFO
Gastwirtschaft Floh, Tullner Straße 1, 3425 Langenlebarn, Tel.: 02272/62809

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