Dem aktuellen Zeitgeist folgend, geht nichts mehr ohne SUV-Griller. Gastronomen kaufen um Millionen Josper-Griller mit Sonderausstattung, Private verbringen Wochen in exklusiven Weber-Grillseminaren, und das dazugehörige Fleisch wird besser behandelt als der Bobo-Nachwuchs und/oder das aktuelle Pensionistenhaustier.
Und die versammelte Gastro„kritik“-PR-Abteilung klatscht begeistert im Takt. Es geht aber auch ganz anders und viel sympathischer: Pasquale Tavella von der Pizzeria Il Mare legt sein riesiges Bisteccia Fiorentina, das dem Vernehmen nach auch während der BSE-Prohibition hier unter der Theke zu haben war, einfach auf einen Grillrost in den Pizzaofen. Dort grillt und gart das mürbe Fleisch dann über Holzkohle und nimmt wohl ein wenig Pizzaaroma an. Dann kommt das Trumm saftig, rosa und intensiv nach Rind schmeckend auf den Tisch. Wo dann ein halbes Dorf davon satt wird.
Schade eigentlich, denn im Il mare gibt es die beste Pizza weit und breit. Das Lokal verströmt die Aura eines Kindheitsitalieners, fern jeder Lounge-Hässlichkeit. Alle Küchenblockverächter, Mosaikfliesenverweigerer und Alt-Fabios-Kritiker müssen es lieben. Ich mag die gegrillten Steinpilze (Nein, bitte keinen Pfeffer!). Die Antipasti sind auch ganz nett. Und die Pasta, natürlich.
Il-Mare-Stammgäste werden mich an dieser Stelle für die Empfehlung verfluchen. Daher bitte auch ab ins neue Fabios zum Schauen oder zum glattrenovierten Floh – wie im Schaufenster beschrieben. hb
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)
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