Warum nur Lunch? „Ist das nicht eine ziemliche Einschränkung?“, haben mich manche gefragt. Klar. Aber ich liebe Grenzen. Nein, ich brauche sie, um meine Boshaftigkeit im Zaum zu halten. Wie grausam wäre das bitte – wenn ich etwa wie neulich abends beruflich beim „Pfarrwirt“ in Grinzing gesessen wäre. Und ich dann schreiben müsste, dass sie mir dort tatsächlich um Mitternacht das Licht im Gastgarten abgedreht haben. Dass ich danach im Stockdunkeln zum Ausgang tappen und mit vereinten Kräften (der anderen Gäste) das (vom Personal) bereits geschlossene (schwere) Tor zum Parkplatz aufzerren musste, um diese ganze Peinlichkeit schnellstmöglich zu beenden. Die Sätze werden immer länger. Die Stimmung wird gereizter. Da können doch alle wirklich heilfroh sein, dass ich nur zu Mittag kritisch essen muss.
Dinner Cancelling ist also angesagt. Und eignet sich auch hervorragend dafür, den neuen Trend zum „Late Lunch“ zu erklären, den ich gemeinsam mit dem Lieblingswirt unlängst festgestellt habe. Während ich also im neu eröffneten „Immervoll“ im Wiener Achtzehnten noch über ein Kunstwort à la Brunch dafür nachdenke – LaLu? Latch? –, höre ich, dass ich mir die Mühe dieser Rechtfertigung, warum ich diesmal erst um 16 Uhr Mittag essen gehe, hätte sparen können. Das „Immervoll“ sperrt nach einer rein abendlichen Vorlaufphase jetzt nämlich schon täglich zu Mittag auf, die Homepage war nur noch nicht aktualisiert. Es gibt sogar zwei spezielle Mittagsgerichte und am Sonntag einen Frühschoppen mit Gulasch ab zehn Uhr, was man dem Standort neben der Bischof-Faber-Kirche sozusagen schuldig ist. Dem Vorgänger, der „Schwarzen Katze“, schuldet man die lieblose Inneneinrichtung. Der Hybris des Wirts die selbst gemalten Bilder an der Wand (sorry, da geht die Kunstkritikerin mit mir durch). Seine Handschrift in der Küche ist mir jedenfalls mehr geheuer, wenn auch bekannt aus seinem gleichnamigen ehemaligen Lokal neben dem Franziskanerplatz. Jetzt tritt „Immervoll“ mit gebackener Leber und eingebrannten Erdäpfeln in Gersthof gegen das „Steirerstöckl“ an. Ein leichtes Spiel, wird man hier sicher nicht vom Kellner angeschnauzt, wenn es nicht geschmeckt haben sollte. Das passiert einem im „Steirerstöckl“ aber auch nur am Abend . . .
Geschmacksfrage: Immervoll
13.09.2012 | 18:03 | von Almuth Spiegler (Die Presse - Schaufenster)
Ladies who lunch. Und zwar "late". Diesmal im alten "Immervoll", neu am Bischof-Faber-Platz.
INFO
Immervoll, Bischof-Faber-Platz 8, Wien 18, Tel: 01/80 40 73, 12–24 h, kein Ruhetag
15 Kommentare
was zum himmel soll das sein?
muss leider gerade feststellen, dass ich die verschwendetsten 3 minuten meines lebens hinter mir haben, weil ich mir dieses nichtssagende, völlig aussagelose gestammel zu gemüte geführt habe!da ists dann nichtmal mehr schlimm noch 1 minute dazuzuverschwenden um euch das mitzuteilen!
Frau von Spiegelhacker
kann offenkundig nicht über das Mittagessen, wie es in unseren Gefilden heißt, schreiben. Sie möge es sein lassen. Und bitte nicht so tun, als habe gerade sie in der Wiener Provinz einen Trend entdeckt, huhu! Bitte!!!Alles besser als Novak & Co
Ganz im Gegenteil. Ziehe Frauen als Restaurantkritiker Novak & Co allemal vor.Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass (männliche) Journalisten kaum etwas von der Materie verstehen ?
Re: Alles besser als Novak & Co
Ich bin kein Sexist und denke nicht, dass Frauen oder Männer besser übers Essen schreiben können. Diesfalls kann es Frau Spiegelhacker aber offenkundig nicht. Nur: Ich kenne leider keine namhafte Gastrotippslerin im deutschen Sprachraum, das tun fats nur Männer. Ebenso sind die Mehrheit der Köche -Männer. Und bei mir zuhause kocht - erraten. Ich. Und zwar gerne scharf! ;-)Alles besser als Novak & Co
Dass Frauen wenig Lust verspüren, Kochen als Beruf auszuüben, liegt auf der Hand.Dennoch gibt es ungleich mehr kochende Frauen als Männer. Diese haben daher
einfach mehr Ahnung von der Materie.
Wenn sich die Kenntnisse eines Food - Journalisten, wie etwa Novak, ganz offensichtlich lediglich auf den Besuch von Restaurants beschränken, sollte man das Schreiben über Kulinarik meiner Meinung nach besser bleiben lassen.
Re: Alles besser als Novak & Co
Lieber P.,Ihr Einwand ist gut. Es gibt sicher mehr kochende Frauen als Männer.
ABER: Nur weil viele etwas tun, heisst nicht, dass es alle wirklich GUT tun und eine AHNUNG davon haben. Es gibt viele Autofahrer und Tennisspieler, aber nicht alle sind gut. Wenn jemand professionell ans Kochen herangeht wird er besser kochen können als 99% der anderen, und in etwa 80 Prozent der Fälle sind die Kochprofis Männer, sorry.
Erfahrungsgemäß gehen Männer experimentierfreudiger und offener, ja handwerklich besessener ans Kochen heran als Frauen, gerade weil Männer Kochen nicht als eigenen "Hausfrauenjob" sehen sondern als Hobby. Und ja, Oma kocht am besten: Aber de facto sind es doch auch nur drei, vier Dinge, die Oma göttlich kann, aber wehe, es geht ans Asiatische, dann hat sie schon Kochlöffelsperre.
Und nein, dass Frauen Kochen nicht als Beruf anstreben, liegt eigentlich nicht auf der Hand, finde ich. Welche nicht-ideologischen Argumente gibt es dafür? Wenn jemand von zuhause aus ewas gut versteht, wie Sie es meinen, müsste Köchin doch ein logischer Job sein....
Alles besser als Novak & Co
Ob Männer besser kochen oder Frauen besser über Essen berichten ist eigentlich nebensächlich.Der Punkt ist : Food - Journalisten österreichischer Verlage sind auf dem Gebiet der Kulinarik allesamt Laien.
Das liegt daran, dass Verlage sparen und Food - Journalisten daher stets
Doppeltätigkeit ausüben, also etwa gleichzeitig über Politik und Kulinarik berichten.
hätte nie gedacht, daß ich das mal sagen würde,
aber ich wünsch mir den nowak zurück.reife leistung, eine restaurantkritik zu schreiben, ohne auf das restaurant (na gut, die bilder an der wand) oder dessen essen einzugehen. nicht mal einen bezug zum "late lunch" gibt's, außer, daß das lokal halt um 12 aufsperrt.
im pfarrwirt ist die "autorin" vermutlich mehrmals höflich darauf hingewiesen worden, daß sperrstunde ist, bevor man das licht abgedreht hat.
Re: hätte nie gedacht, daß ich das mal sagen würde,
danke calimero2205..besser hätte ich es auch nicht schreiben können.....nur den nowak,den mochte ich *fast* immer ;-)autsch
oder, damit es auch die kolumnistin versteht: "ouch".Kleines Kolumnen-1x1
Eine Kolumne sollte nicht einfach nur zu 50% den Inhalt einer Homepage wiedergeben.Eine Kolumne sollte neue oder wenigstens originelle Gedanken enthalten.
Wenn der/die Autor/in schon keine eigenen neuen oder originellen Gedanken hervorbringen kann, sollte er/sie zumindest schreiben können, sei es stilistisch anspruchsvoll oder wenigstens amüsant.
Dieses offensichtlich in fünf Minuten hingefetzte Geschreibsel (wenn sie länger gebraucht haben sollte, falle ich vollends vom Glauben ab) erfüllt keinen dieser Ansprüche.
Die Autorin sollte also in ihrem eigenen Interesse diese Kolumne wieder aufgeben und sich damit wenigstens ein bisschen journalistischen Respekt bewahren. War ein Versuch, hat nicht funktioniert, Schwamm drüber.
Sonst werden hier wirklich die Vorwürfe der Günstlingswirtschaft noch lauter.
VorkosterRestaurants im Test
VerkosterGerhard Hofer degustiert im Keller
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
Mercedes-FlaggschiffDie neue S-Klasse
SchlagerWer macht denn so was?
Victoria's SecretWas ist sexy?