„Ich bin gut. Das weiß ich.“ Mit diesem Sager zum Wechsel vom mittlerweile geschlossenen Schrunser Edelweiß nach Graz hat der selbstbewusste Küchenchef Gustav Jantscher meine Erwartungen an den Besuch im Aiola ins schier Unermessliche gesteigert. Damit es aber auch alle anderen wissen, hat er dem Aiola gleich seinen Namen vorangestellt – „Jantscher im Aiola“. Das bisherige Szenelokal will in die Spitzengastronomie und stimmt dafür alles auf den neuen Koch ab. Alles, bis auf die Architektur. Die baut nach wie vor auf Schickimicki-Magnetismus. Dafür plagen sich die Gäste nun mit Chichi-Messern, die man nie ablegen will, weil die Schneide ständig nach oben kippt. Vielleicht meint er ja das mit „Ich ziehe mein Ding durch und das ohne Gnade“.
Gnadenlos. Als bekennender Workaholic setzt Jantscher sogar samstags einen Business-Lunch auf die Karte. Doch samstags ist selbst in Graz schon Wochenende und die dortigen Bobos bleiben nach dem Frühstück im Aiola Café picken und schlürfen Prosecco. Mit Blick dorthin bestelle ich vorerst einen Klassiker der 90er: Carpaccio. Das passt. Aber wenn ich mich richtig an die Jantscher-Aussage erinnere, will er den natürlichen Geschmack von gutem Qualitätsfleisch nicht verändern. Und es ist gut. Bloß jetzt stören Pesto und Pinienkerne umso mehr, schließlich war auf der Karte „nur“ von eingelegten Pilzen, Rucola und Parmesan die Rede, die sich auch noch am Teller drängeln. Zu den Tagliatelle mit Eierschwammerln und pochiertem Ei hat sich ein gebackener Taler verirrt, den ich auf Nachfrage beim Kellner als „eine Art Krautroulade“ identifiziere. Dann kommen auch noch die Rinderfiletspitzen mit Kräuterseitlingen und Roter Rübe überraschend mit Paprikastreifen daher, was für Paprikaverweigerer zu groben Umbauarbeiten auf dem Teller führt. Beim Sauerrahm-Limonensorbet frage ich nach der Abendkarte, um den „radikalen Perfektionismus“ und „unbändigen Willen“ zu suchen. Bei der Taube Sand 73 an Maiscreme und Blutwursttortellini vielleicht? Die wurde von Jantscher höchstpersönlich aufgezogen und im Nachtzug von Vorarlberg nach Graz transportiert. Danach würde ich die Piccata vom Flusskrebs wählen. Und ja – damit würde ich den Mund richtig voll nehmen.
Geschmacksfrage: Jantscher im Aiola
20.09.2012 | 16:46 | Von Petra Percher (Die Presse - Schaufenster)
Im Aiola in Graz nimmt zur Abwechslung der Küchenchef den Mund richtig voll.
INFO
Jantscher im Aiola, Mehlplatz 1, 8010 Graz, Tel.: 0316/89 03 35, Küche Di–Sa 11.30–23 h
8 Kommentare
Was ist das?
Sehr geehrte Frau Percher,wenn Sie ein persönliches Problem haben mit dem Herrn Jantscher, dann könnten Sie ihm einen persönlichen Brief schreiben und nicht hier bei einer Restaurantkritik durch den Kakao ziehen.
Weiters würden Sie der Küche auch helfen wenn Sie bescheid geben würden, dass Sie keinen Paprika essen usw...
Und dann ein Mittagslunch mit einen Abendmenü zu vergleichen?!?!?!
Diese Kritik ist absolut öberflächlich und hat null Aussagekraft.
Hier passt die Aussage von Herrn Peter Maria Schnurr (Falco, Leipzig): "Das Übel der Gastronomie" jeder hält sich für qualifiziert und maßt sich an, urteilen zu können und seinen Senf vom Stapel zu lassen....
Ich will nicht wissen, ob am Teller umgebaut werden musste.
Ich will schlicht und einfach wissen, wie und ob es geschmeckt hat und was es gekostet hat.Und im Übrigen will ich meinen Nowak wiederhaben. Diese Kolumne ist ja nicht mehr auszuhalten!!!!
Re: Ich will nicht wissen, ob am Teller umgebaut werden musste.
Geh Lappe, mach dich mal nicht so wichtig, ja? Schlechter als Nowak geht nicht, höchstens noch skurriler.Ärztliche Hilfe ?
Diesen Minderwertigkeitskomplex könnte ein Arzt auf lange Frist sicher beheben.Der Neid gegenüber den Betreibern, frisst diese Journalistin ja förmlich auf.
Bei einem Ritteressen (ohne kompliziertes Besteck) mit Schweinshaxn und einem Krug Bier in der Hand könnte sie sicher nichts verkehrt machen und würde sich bestimmt wohlfühlen.
Zum Lob für die gute Küche/Service wird mächtig gerülpst und gefurzt. Das ist das Niveau passend zu ihrer Schreibweise. Arme, arme Wirte.
frau percher schreibt eindeutig besser
als die anderen zwei futterdrosseln. nichtsdestotrotz sollten bei lokalen mit jantscher als chef zumidest frittierte kotzbrocken auf der vorspeisenkarte stehen.darfst halt net mit der Faust auf den Tisch hauen, ...
... wenn des Messers Schneide nach oben kippt :)mann, mann, mann
so schwer kanns doch nicht sein!was interessiert den leser einer gastrokritik wohl?
genau! richtig!
wie das essen geschmeckt hat, was es gekostet hat, wie das service ist und vielleicht noch die weinkarte.
es ist toll zu wissen, dass frau percher keine paprika mag und dass es am samstag business lunch gibt und wer nach dem frühstück wo picken bleibt, aber vielleicht könnte man, zumindestens in einem nebensatz auf eines der themen die für den leser interessant sein könnten eingehen.
ich denke das müsste zu schaffen sein! ganz sicher! wenn nicht, ich bin mir sicher beim humboldt gibt es einen kurs journalismus, da kann man das hoffentlich erlernen!
frage:
hats jetzt gschmeckt?ich weiss zwar nach dem lesen, daß mehr als erwartet auf den teller kommt - ob das lokal nun eine empfehlung oder nicht ist, erschliesst sich mir nicht... bin vielleicht doch krone-zielgruppe ;)
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