Was macht man eigentlich, wenn das kulinarische Weltbild bröckelt? Wenn die Dinge plötzlich nicht mehr so sind wie in den vergangenen 20 Jahren? Das gastronomische Abendland einfach untergehen lassen? Oder ein neues suchen?
So passiert an einem Wochenende. Ein Mittagessen im wunderbaren, auch an dieser Stelle hoch gelobten Gasthaus Huth, dessen Betreiber zu den sympathischsten Gastronomen der Stadt gehören. Alleine: Das Wiener Schnitzel war nicht die geschmacklich sichere Bank, sondern das Fleisch von nicht gerade besonderer Qualität. Wirklich ärgerlich waren aber die Grammelknödel, deren Fülle quasi aus steinharten Fett-Körnern bestand. Wirklich schade. Nur die Frittatensuppe war in Ordnung, weil von schönem Rindssuppen-Aroma durchzogen. Das war bei der anderen Enttäuschung leider nicht so: Im Wirtshaus Bittermann in Göttelsbrunn – großartige Terrasse, sehr freundliches Personal! – lautete das Motto offenbar Frittaten statt Suppe. Auch sonst waren die Gerichte geschmacklich nicht so toll wie zu erwarten gewesen wäre: Das hart-geschmorte Rehfleisch in deutlich überwürzter Sauce.
Es gibt aber auch eine positive Überraschung: Wie man im neuen Merkur-Kim-kocht-Lokal am Hohen Markt sieht, kann Sohji Kim nicht nur gut, sondern sehr, sehr schnell kochen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)
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