Die Testerinnen: Joma

31.01.2013 | 18:45 |  Von Petra Percher (Die Presse - Schaufenster)

Die Figlmüllers schauen ohne Schnitzel über den Tellerrand.

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Kein Zweifel, Opa und Papa Figlmüller kannten ihre Stärke: Schnitzel backen. Und zwar eine Interpretation des Originals: Sie nehmen Schwein statt Kalb und Pflanzenöl statt Schmalz. Das Ergebnis ist groß und flach wie eine Pizza und laut Figlmüller das berühmteste Schnitzel der Stadt. Nun, den Nachkommen Hans und Thomas wurde das Talent des klaren Fokussierens nicht im selben Ausmaß in die Wiege gelegt. Erst verwandeln sie den ehemaligen Figlmüller-Heurigen in Grinzing in das Wirtshaus Figls. Dann stiegen sie auf dem Flughafen mit Dailyroast ins Coffee-Shop-Business ein. Und während das Duo an der Location des gescheiterten „Little Buddha“ ein Bierlokal samt Humpa-Humpa-Bettelalm-Keller plant, wurde am Hohen Markt das Joma eröffnet. Das Joma ist ein Paradebeispiel für das Ich-will-allen-gefallen-Syndrom. Das beweist schon die präzise Eigenbeschreibung: „Abseits der Touristenströme und doch im Herzen von Wien“. Oder: „Bietet mit 280 Quadratmetern Raum und Privatsphäre“. Treffend: „Es verbindet modernes Design mit Wiener Gemütlichkeit und stilvolles Ambiente mit urbanem Chic.“

(c) Stanislav Jenis Genauso schaut es aus. Auch wenn Altmeister Gregor Eichinger engagiert wurde – herausgekommen ist der designtechnisch kleinste gemeinsame Nenner zwischen Bar, Lounge, Café, Grill. Außerdem kennt man die Leuchten und den Fliesenboden schon aus dem Ansari. Der Rest: Stilelemente aus dem Supermarkt für Mainstream-Lounges inklusive des mittlerweile langweiligen Suchspiels: Wo ist die Klotür? Auch auf der Karte: von allen etwas. Zum Frühstück Combos und elf Varianten Ei, bis spätnachts eine XXL-Cocktailkarte (davon neun ambitionierte Eigenkreationen). Dazwischen ein Test, wie weit sich der Begriff Brasserie in Österreich eigentlich dehnen lässt. Es gibt Burger, Pasta & Co. Allesamt bis auf weiteres nicht Wiens berümteste. Das Beef Tatar kommt glücklicherweise mit Pommes, denn der Toast blieb ungetoastet. Der Flammkuchen Macchia ist gut und frisch belegt, wirkt dennoch unfertig, nicht nur weil er kühl ist. Nur lau erreicht auch der Thunfisch mit Wasabirahm den Tisch. Wirklich gelungen ist das Maishuhn gebacken. Dass die Gebrüder Figlmüller das können, wussten wir aber vorher auch schon.

INFO
Joma, Hoher Markt 10, 1010 Wien, Tel: +43/(0)1/532 10 32, Restaurant: Mo–So 8–2 Uhr, Küche bis 23 Uhr

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