Die Testerinnen: Schmederer

14.02.2013 | 16:07 |  von Almuth Spiegler (Die Presse - Schaufenster)

All-inclusive-Urbanitäts-Raststation im Salzburger Gersthof.

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Salzburgtechnisch bin ich aber so etwas von Wiener Kunsttussi. Das „M32“ im Museum am Mönchsberg, die künstlerisch kämpferische „Blaue Gans“ und im Salzburger Kunstverein das versteckte kleine Luritzhofer. Nie würde ich mich in Salzburg in ein Auto setzen, um irgendwohin essen zu fahren. Aber wenn einmal eine echte Dame vom Fach mit mir lunchen geht, die beste Gastgeberin von allen, will ich ein bisserl auftrumpfen. (Und ohne Salzburgerin im Auto wüsste ich auch immer noch nicht, dass eine Gegend namens Parsch das Gersthof Salzburgs ist.) Hier gab’s jahrzehntelang einen „Hirschenwirt“, der 2010 zum „Schmederer“ wurde. Es folgte eine Parade Erfolgloser, die in dem modernistischen Glaspavillon mehr oder weniger dramatisch scheiterten. Anfang Dezember übernahmen die dritten Pächter, Münchner Unternehmer, das seltsame Haus, das mitten in der Dorfplatzbeschaulichkeit mit Lounge, Bar, Restaurant und eigener Tiefgarage (!) eine Art All-inclusive-Urbanitäts-Raststation bildet. Mit übermannshohen beigen Leder-Muschel-Kojen.

(c) beigestellt Leuchtender Bar. Unbekannten silbernen Lampenflugobjekten. Schnörkelparkett an der Decke. Und goldgesprenkelten Deko-Bildern, die tatsächlich die rote Wandfarbe aufnehmen. Hätte ich die Augenseuche nicht schon mitgebracht, ich hätte sie hier bekommen. Wer solchen Luxuskitsch mondän nennt, hat sich den Gruß aus der Küche, ein verpapriziertes Tatarnockerl, echt verdient. Den Rest des preislich (drei Gänge für 18,50) und qualitativ anständigen Mittagsmenüs schon weniger. Höhepunkt war das erstaunlich erfrischend marinierte – ja, wieder – Tatar vom gelben Tuna. Und die dicken gebackenen Apfelringe. So einfach, so gut, so enttäuschend irgendwie. Kocht hier doch bis Ende Februar noch Dieter Koschina, gefeierter Zweisternekoch an der Algarve. Er soll das Team, zu dem auch Martin Pichler, Koch der geschlossenen Riedenburg, gestoßen ist, auf Linie bringen. Die am klarsten bei „Zweierlei Schaffrischkäse“, einmal gebacken, einmal pur, auf toller, dichter Selleriecreme aufleuchtete. Das knusprige safrangelbe Couscous zum Lamm war ebenfalls beachtlich saftig und locker. Über das Lamm selbst will ich nicht reden. Auch nicht über den Kaffee. Servus, tschüss und ab durch die schicke Garage.

INFO
Schmederer, Kreuzbergpromenade 2, 5020 Salzburg, Tel: +43/(0)662/64 82 63, Mi–So: 12–14, 18–22 Uhr

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1 Kommentare

Schmederer

Ich lese seit kurzem Die Presse aber was hier nun zum Schmederer geschrieben wird ist ja schon fast Rufmord, das Restaurant ist Modern und Stimmig eingerichtet dann noch genügend KOSTENLOSE Parkplätze in der Hauseigenen Tiefgarage.
Matin Pichler selber 2 Hauben und 1 Stern in Michelin ist der Nachfolger von Dieter da der wieder in der Vila Joya ist informiert euch halt mal bevor Sie nur Blödsinn schreiben und nochwas was können jetzt die neuen Pächter dafür das die vorher nur Hobby Gastronomen gewesen sind na ist ja fast das selbe wie Hobby Testesser die besser Semmerl mit Fleischlaiberl Salat und Käse essen sollen wenn sie von der anderen Materie keine Ahnung haben

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