Geschmacksfrage: Friulanischer Hutladen

18.10.2007 | 11:50 |  RAINER NOWAK (Die Presse - Schaufenster)

Wien–Udine und zurück: Wie eine der lustigsten Osterien Norditaliens in Wien kopiert wird. Und wo man sonst noch friulanisch isst.

Und wieder Josef Cap. Kaum war die Schnattl-Cap-Kolumne erschienen – er ging mit mir in das Wirtshaus essen und warnte mich so ernsthaft, durch Völlerei Gesundheit und Weib zu verlieren, dass ich nicht mehr zum Schnattl gehe – machte ich mich auf den Weg nach Udine. Als ich ebendort am Samstag in das Nachmittagslokal meines Vertrauens (Osteria Al Cappello) gehen wollte, wen entdecke ich mit einem Glas Wein? Josef Cap natürlich. Danach liefen mir noch der Kanzler-Sprecher und die Frauenministerin über den Weg. An diesem Wochenende war SP-Klubklausur in Villach und mancher Funktionär nutzte dies für einen Abstecher. Als Belohnung! Aber ich will nicht über Politiker schreiben, sondern über Lokale: Die Osteria Al Cappello punktet, wie der Name andeutet, mit Hüten, die an der Decke hängen, teils großartigen überbackenen Broten (nicht mit erhitzten Plastik-Käse-Schnitten wie in unseren Sinnlos-Bräus, sondern mit Köstlichkeiten wie Lardo und Co.), einer fetten Katze, lokalen Weinen und großteils ebensolchen Friulanern.

Neuer Hut-Laden

Die Hut-Osteria fand Nachahmer in Wien: In der Hermanngasse ging einst Anton Mimra mit weniger Hüten und jener Friaul-Küche an den Start, die heute in der Cantina e l‘arte (Empfehlung: nicht schön, aber gut und günstig) für Andrang sorgt. Jahrelang stand der Hut-Laden leer, nun gibt es wieder einen Versuch als Wiener Al Cappello: Am Herd steht – gleich der Hauptkritikpunkt – offenbar kein Italiener. Zu diesem Schluss zwingen die Pasta-Gerichte: Sowohl die mit Hühnerleber gefüllten Ravioli (wozu der lange gebratene Speck?) als auch die Tagliatelle mit Steinpilzen, Grapefruit und kleinen Hirsch-Medaillons wurden nach dem Kochen noch in der Pfanne geschwenkt, gebratene Nudeln sozusagen. Das verwundert besonders, weil der Materialaufwand nicht von schlechten Köchen ist. Für einen Abend ohne großen Anspruch darf man das Lokal empfehlen, sonst auf nach Udine! Bevor mich Herr Cap mit seinen Weisheiten entdecken konnte, bin ich
übrigens in ein anderes Lokal geflohen.

 

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Cantina e l‘arte
Wien 1, Dr.-Karl- Lueger-Ring 14, Tel: 01/531 31-41490, Osteria Al Cappello, Wien 7, Hermanngasse 30, Tel: 0664/404 7775


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