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Geschmacksfrage: Il Melograno

22.10.2008 | 14:23 |  Von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)

Das Aus für die Mittelklasse, eine Pfeffermühle als Phallus und guter Zackenbarsch: Wien hat endlich wieder einen neuen Italiener.

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Warum gibt es keinen Italiener in Wien? Die Frage war verblüffend und ehrlich zugleich: Mit „Italiener“ war weder die Wok-Pizzeria mit Nahostkoch noch ein Restaurant wie das Fabios gemeint. (Szenestänkerern zum Trotz: Christoph Brunnhuber kocht derzeit wirklich gut.) Aber der Mittelklasse-Italiener für Branzino, Pasta und Co. ist rar geworden.

Mehr als Mittelstand. Daher suche ich einen: In der Dorotheergasse hat nun Il Melograno – deutsch: der Granatapfel – eröffnet, und zwar an der Stelle des Il Cavalino, der schon in den späten 80ern gute Pizza und Pasta nach Wien brachte. Damals eine kleine Sensation und preislich auch der damaligen Innenstadt entsprechend. Das Lokal wurde völlig umgebaut, leider nicht zum Besseren: Die Ziegelwand im neorömischen Stil schmerzt ein bisschen. Aber ich bin zum Essen da: Die apulische Truppe hat sich die Latte sichtlich hoch gelegt, immerhin ist der Vater des Ladens, Nicola d‘Atri, mit seiner Osteria in der Schauflergasse durchaus erfolgreich gewesen. Dieser Tage kocht er auch hier. Seine Stammgäste wollen perfekten Fisch und ebensolches Landtier. Das funktioniert im Granatapfel auch: Sowohl das Filet vom Zackenbarsch als auch die gegrillten Babylammkoteletts stellen nicht nur den Mittelstand zufrieden – sowohl dank schonender Grillzubereitung als auch hoher Produktqualität.

Das gilt auch bei dem rohen, nur leicht marinierten Thunfisch zur Vorspeise: nein, nicht in Carpaccio-Form, sondern so dick, dass es Sinn macht. Die geschmacklich guten Wildtortellini haben fast zu viel an Fülle abgekriegt, das erinnert an Pastetenaufstrich. Aber diese Sorgen muss man erst einmal haben. Die Spinat-Büffelmozzarella-Pas-ta ist brav und lieb, der Kellner rückt offenbar wissend mit der Pfeffermühle aus. Diesen US-inspirierten Brauch habe ich nie verstanden: Ist das Betätigen der Monstermühle eine Unterhaltungseinlage? Oder handelt es sich um ein gastronomisches Phallussymbol, das Eindruck erwecken soll?

Zugegeben, das mit dem apulischen – von dort kommt das Granatapfel-Team – Roten aus der Magnum macht dann wieder Sinn. Das hat natürlich alles seinen Preis. Kennt irgendwer noch eine ganz normale Mittelklasse-Pizzeria? Dachte ich mir.

TIPP
Il Melograno
1010 Wien, Dorotheergasse 19, Tel.: 01/512 77 84

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1 Kommentare
Gast: maria k
27.10.2008 14:15
0 0

Babylamm?

Meinten Sie Milchlamm? Oder Babyschaf? Mein Sohn sagt Babysaf, der ist aber erst 2 und spricht noch nicht so gut deutsch wie Sie sonst.
Liebe Grüße
Maria Konradsheim