Übertriebene politische Korrektheit verdirbt den Magen. Nein, nicht im übertragenen Sinn, nur in der Küche: Wer sich gegen griechische oder, sagen wir, türkische Küche sträubt, kann, muss aber kein konservativer Esser sein. Denn wie schon einmal hier erwähnt: Aus irgendeinem Grund kochen die im östlichen Mittelmeer nicht so gut wie die im westlichen, wenn ich schon einmal beim Verallgemeinern bin.
Gut, vielleicht ist auch das Klima schuld und alles wurde von den bösen Byzantinern leergefischt, aber gegen Spanien, Frankreich und Italien kommt die Konstantinopel-Fraktion plus Hinterland nicht an. Bevor mich jetzt Maria Vassilakou und Omar Al-Rawi anrufen und mich als Griechen- beziehungsweise Türken- und Moslemfeind beschimpfen, drei wichtige Einschränkungen. Erstens und zweitens: Knoblauch und Lamm können manchmal ganz gut sein. Und vor allem drittens: Ich war zum Glück schon in Marokko essen, was das ultimative Argument für meine West-Ost-Küchentherapie gibt. (In den USA könnte ich mit einer so absurden politischen Küchenthese einen Bestseller schreiben.) Denn in Marrakesch und Essaouria isst man schlicht großartig, in Europa kommt man dem Vergnügen dank marokkanischer Lokale in Paris noch am nächsten.
Nun gibt es in Wien ein winziges Restaurant namens Le petit Maroc, das neben all den sinnlosen Kebab-Orient-Hütten dieser Stadt schon sehr empfehlenswert ist. Mo El Hamdaoui bereitet in dem sehr modernen, puristisch schönen Marokko-Bistro vor allem Tajines zu, im Hintergrund werkt eine Köchin aus dem Atlas-Königreich, wie er sagt. Diese im Tontopf gegarten Eintöpfe schmecken wirklich ganz gut, Huhn mit Birne etwa oder Lamm mit Pflaumen und Sesam. Den klassischen Couscous, den längst jeder Drogeriemarktkosmopolit zu Hause hat, kriegen sie hier perfekt hin: kernig, buttrig mit wunderbar knackigem Gemüse. Jetzt fehlt nur noch eine Pastilla, der traditionelle Fleisch- (Taube oder Huhn) bzw. Meeresfrüchtekuchen, der süß serviert wird. Das wagt El Hamdaoui noch nicht; der Preis für diese aufwendig zubereitete Delikatesse sei zu hoch. Vielleicht sollten sie das ausprobieren! Ich bin selbst überrascht, wie euphorisch das alles klingt. Vielleicht haben sie mir etwas ins Essen gemischt . . .
Geschmacksfrage: Le petit Maroc
08.10.2009 | 15:50 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Heute empfehle ich ein Lokal. Ein marokkanisches. Was ist nur los mit mir?
INFO
Le petit Maroc, Neubaugasse 84, 1070 Wien, Tel.: 0699/18 47 73 64, MoSa 1224 h
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4 Kommentare
nie wieder in diese miese bude
gastrokritiker sollten nicht tage vor dem opening in die neuen beisln gehen und sich einkochen lassen, sondern unter normalen bedingungen essen gehen - aber dann hätten sie nicht mehr viel zu empfehlen...angeregt von rainer nowaks "petit maroc"-hymne, waren wir jetzt zu viert dort. nie wieder! läppisch kleine portionen minderwertiger lebensmittel zu deshalb unverschämten preisen. ich hatte lamm mit gefüllten zucchini für 12,40 euro: 4 fasrig-trockene lammwürfelchen mit vier daumendicken zucchini-scheiben (als füllung: gehackte chilischoten). keine beilage. eine begleiterin nahm couscous mit lamm für 9,20 euro: ein berg couscous, darauf diverse schlapp gekochte gemüse und zwei fasrige, trockene würfelchen lamm. als der chef des hauses beim abservieren fragte, wie es geschmeckt hat, sagte sie: "eh okay, aber 2 lammwürferln sind schon etwas wenig." darauf die rotzfreche replik: "aber das heisst ja couscous mit lamm! beim nächsten mal bestellen Sie eben lamm mit couscous." dass es auf der karte kein lamm mit couscous gibt, muss ich wohl nicht extra erwähnen. und dass es kein nächstes mal geben wird, auch nicht.
Jeder kann einen Blog schreiben
Ohh Gott, wer schreibt denn diesen Blog. Jemand der auf spanischen und italienischen Küche steht. Auf den Carbo-Italiener (pizza pasta risotto,hauptsache satt werden) und den kochmüde Spanier (fisch braten !!!- allein aus diesem Grund sind sie kein Mediteranier, Paella-alles einfach alles in ein topf werfen und lange kochen(schau. Paellas), oder kochen dauert zu lange essen wir einfach alles roh (schau. Tapas - ich liebe Tapas, ist aber keinerlei Kochkunst)Bitte keinen Angriff auf den traditionellen türkischen Küche, die in der ganz osmanischen Tradition verschiedene Geschmaecke aus 3 Kontineneten in absoluter Harmonie unter einem Dach beheimatet. Die türkische Küche ist vieleicht die einzige auf der Welt, die für jeden Geschmack etwas dabei ist.. siehe dazu; Geographie, Geschichte und Kultururkunde der Türkei (WIKIPEDIA würde auch etwas helfen)
Liebe Bloggerin bitte versuchen Sie nicht mit einem unsachlich auf den Wissenslücken basierten Kritik eine populistische Kontroverse zu führen..Die türkische Küche ist nicht die Dönerbuden in Wien, die Pommers zum Kebab serviert.

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