Lokal-Kolorit: Heunisch & Erben

Trinken im Sechzehnteltakt, mit Mäusen und Eiern.

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Heunisch & Erben
Heunisch & Erben – Beigestellt

Originell, was da auf der letzten Seite der Weinkarte steht: „Sie haben keinen passenden Wein gefunden? Bring your own um 17 Euro“. Es kann natürlich passieren, dass man auf den bisher 33 Seiten, die laufend ergänzt werden sollen, nicht fündig wird, ist aber unwahrscheinlich. Denn hinter der Weinkarte des neuen Heunisch & Erben auf der Landstraßer Hauptstraße steckt Robert Brandhofer vom Pub Klemo, das bekannt ist für sein äußerst vielseitiges und raritätenreiches Sortiment. Brandhofer hat das Lokal gemeinsam mit Peter Zinter eröffnet – Zinter kochte etwa im Vincent und im Motto am Fluss, danach war er Head Chef in Brian Pattons Lokalen Charlie P's und Brickmakers. Der Lokalname Heunisch & Erben leitet sich (Google-Wissen) von der ehemals wichtigsten mitteleuropäischen Weißweinsorte ab, und man darf darauf wetten, dass er wohl bald nur mehr verkürzt im Umlauf sein wird, sprich: als Heunisch.

Von der dunklen Decke schweben Weinkisten, über den Tischen Betonlampenschirme. Der L-förmige Grundriss erlaubt die Trennung in den Stehtisch-Schinkenvitrinen-Trakt – versäumen Sie nicht den gereiften burgenländischen Rohschinken! – und den karg möblierten Restaurantbereich. Durch die großen Fenster sieht man schon von außen die ausnehmend lange geschwungene Budel (klug geplant), sieht, wo man hinsteuern kann, um vielleicht einfach ein schnelles Sechzehntel zu trinken (eher unwahrscheinlich, dass es nur dabei bleibt). Mit zunehmender Dämmerung schrumpft auch die große Leere des Raums zu einer Fast-Lauschigkeit zusammen.

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Die Weine aufzuzählen ist nicht machbar, allein zig werden offen ausgeschenkt, darunter auch Querulanten wie Barolo Chinato und Vin Jaune – wäre Letzterer nicht (hoffentlich nur temporär!) durchgestrichen. Aus der Küche kommen, mit trinkförderndem gemächlichen Tempo, unkompliziert zu essende Gerichte wie ein betörendes warmes Schüsselchen mit Blauschimmelkäse, Birnenchutney, aufgeschäumter Nussbutter und gepufftem Wildreis (4,50). Außerdem: Siedewürste mit Stängelkohl; das Brot zum Auftunken des Suds ist übrigens das bemerkenswerte Laurenzio von Ströck. Tatar vom Bioschwein mit gehobelten Champignons und grasgrüner Estragonsauce (13,50). Oder ein Paolo-Parisi-Ei – die Hühner des Exzentrikers aus Livorno fressen nur Ziegenmilch und Körner – mit Bröselkarfiol und Hobeln von der Käsetrüffel Belper-Knolle (12,50). Farblich eintönig, aromatisch eine Wucht. Vor allem aber gibt es gebackene Mäuse. Möge es nie heißen: aus die Maus.

Info

Heunisch & Erben, Landstraßer Hauptstraße 17, 1030 Wien, Tel: 01/286 85 63, Restaurant: Di–Sa, 12–20.30 h.

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