Irgendwann kommt der Punkt, an dem Puristen dem Multikulti-Treiben auf Brunnenmarkt und Yppenplatz nicht mehr viel abgewinnen können – weil vor lauter Wiener Multikulti-Freunden kaum mehr tatsächliche Multikultur zu finden ist. In diesem Fall empfiehlt es sich, einfach ein paar Straßenzüge weiterzuziehen. Dorthin haben sich all die Serben, Kroaten, Bosnier und Türken geflüchtet, die mit Bobo-Chic nichts am Hut haben. Das Zov Homolja (frei übersetzt so etwas wie „Ruf der Wildnis“) gehört zu dieser Kategorie. Hier ist die primäre Umgangssprache nicht Deutsch, hier wird serbisches Bier getrunken, und hier gibt es Cevapi, Pjeskavica, Spieße und weitere – vor allem fleischhaltige – Nahrungsmittel, wie man sie auch in Belgrad und Umgebung auf den Griller wirft.
Die Preise sind sehr moderat, trotzdem sollte man sich nicht hinreißen lassen, immer die größte Portion zu bestellen – mit all den Beilagen wie Fladenbrot und Ajvar sind sechs Stück Cevapi mehr als genug. Falls man doch zu viel erwischt, empfiehlt sich ein Sliwowitz. Außerdem sehr empfehlenswert ist es, vorher telefonisch zu reservieren, denn abends ist das Lokal mehr als gut besucht. Und auch die Öffnungszeiten lassen sich so am besten erfragen – die sind nämlich, sagen wir, eher variabel. Man ist ja nicht am Yppenplatz...
Liebhartsgasse 39, 1160 Wien
Öffnungszeiten 10 bis 22 Uhr
Tel.: 0699/134 564 20
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)
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