Es war sieben Uhr früh, und ich erzählte dem Typen hinter der Hotelbar, dass ich vor fünf Stunden hätte ins Bett gehen sollen, weil ich in einer Stunde einen Termin hätte. Der Bursche braute mir einen „Corretto“ zusammen, streckte also einen kurzen großen Espresso mit Grappa. „Altes Hausrezept“, sagte er. Nach der Dusche brauchte ich keinen Kamm, weil die Haare ohnehin Habtacht standen. Ich absolvierte meinen Termin, schrieb den Artikel über einen neuen Kleinwagen von Fiat mit dem komischen Namen Punto und fiel gegen Mittag in einen tiefen Schlaf. Ich habe Grappa seither nie wieder zum Frühstück getrunken, aber ich schätze ihn als Digestif. Mittlerweile muss es auch nicht unbedingt ein italienischer Grappa sein, weil es hierzulande hervorragenden Tresterbrand gibt. Jüngst präsentierte das Weingut Mayer am Pfarrplatz einen Trester vom Wiener Gemischten Satz.
Im Keller: Weingut Mayer
20.09.2012 | 16:53 | von Gerhard Hofer (Die Presse - Schaufenster)
Meine erste Begegnung mit Grappa war ein absoluter Notfall. Er ereignete sich vor 19 Jahren in Turin.
TIPP
Weingut Mayer am Pfarrplatz, www.pfarrplatz.at, Tresterbrand Wiener Gemischter Satz (0,35 l), 26 Euro ab Hof
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